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15. März 2010

Mundart – furios, brandheiß und witzig

Die Alemannische Nacht präsentierte beste mundartliche Kunst in beeindruckender Dichte.

  1. Da komm ich her: Martin Wangler als Fidelius Waldvogel Foto: Fotos: D.Beil

MÜLLHEIM. Geschwelgt, gesungen und Tränen gelacht: Das hat das Publikum bei der "Alemannischen Nacht" am Freitag im Bürgerhaus in Müllheim, bei der die mehr als 500 Besucher eine unglaubliche Dichte mundartlicher Kunst erlebten. Unter dem Motto "Chrüz un Quer" veranstaltete die Muttersprachgesellschaft anlässlich der Heimattage Baden-Württemberg diesen bunten Abend mit viel handgemachter Musik, alemannischen Liedern, Gedichten, Kabarett und herrlichen Blödeleien.

"De Hans im Schnoogeloch der weiß nit was er will." Viele Besucher sangen oder pfiffen den alemannischen Ohrwurm ausgelassen vor sich hin, als sie sich auf den Heimweg machten – nach gut drei Stunden bester mundartlicher Unterhaltung, die in dieser Ballung wohl so schnell nicht mehr zu erleben sein wird. Zwölf "junge Männer im reifen Alter", die Akteure des Abends, waren für Stefan Pflaum der Beweis: "Mundart hält jung!"

Mit einer brennenden Posaune, Gießkannen und Gartenschläuchen, die als Blasinstrumente zweckentfremdet wurden, legten die Gälfiäßler einen furiosen Auftritt hin. Zu ihrem Herkunftsort, dem Schuttertal, erklärten die vier Männer, dass dort der Rhein in die Schutter fließe. Machtvoll sei auch der Schuttertäler Fruchtbarkeitstanz, mit dem sie bei Damen direkt einen Eisprung auslösen könnten. Teufelsposaunist Franz Schüssele spielte nicht nur eine brennende Posaune, sondern gab auch eine Darbietung seiner Alphorn-Kunst zum Besten.

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Lucky Black Forest hieße sein Name auf Englisch, erklärt der Hochschwarzwälder Fidelius Waldvogel – und zeigte treuherzig auf einer Breisgau-Milch-Plastiktüte die Wiese, von der er stammt. In einem witzigen Beitrag berichtete der arme Milchbauer (Martin Wangler), von seinen Abenteuern mit der Deutschen Bahn.

Beim Auftritt des Duos Goschehobel kamen sie natürlich zum Einsatz: Goschehobel – auch als Schnurregige oder Mundharmonika bekannt. Die Stars der alemannischen Folk-Rock-Szene, Urban Huber-Wölfle und Eberhard Jäckle, singen sowohl fetzig-temperamentvolle Stücke als auch nachdenkliche Balladen. Das Publikum sang beim Lied vom Baggersee, nach "Knocking on Heavens Door", laut mit: "Nack-Nack-Nack-ig am Baggersee."

Bei "I ha di gern" und "Hätt i lieber Schiitle gschpalte", den Liedern von Frank Dietsche, zeigte sich das Publikum textsicher, der ehemalige Lehrer regte auch alle zum Mitsingen an. Auch Martin Schley hatte die Lacher auf seiner Seite. Der als SWR-Funkhaus-Hausmeister Häberle bekannte Kabarettist überzeugte ebenfalls mit einer musikalischen Einlage – mit einer Einsaiten-Gitarre, die er perfekt beherrschte.

"Ich kenne keinen der soviel Mundart-Lieder auswendig kann wie er", sagte Stefan Pflaum über Wolfgang Miessmer. Eine Kostprobe mit "Es het e Bur es Döchterle" und "Hans und Verene" von Johann Peter Hebel gab das Gründungsmitglied der Gälifiäßler auf dem Akkordeon zum Besten.

Einen alemannischen Fußball-Rap für den momentan leider nicht ganz so erfolgreichen SC Freiburg hatten das Duo Pflaum und Sesterhenn im Programm: "Los, Los! Wo isch de Ball? Renne, Renne un nit penne. Vor, vor volles Rohr- noch e Tor!" Hoffentlich wirkt’s.

Autor: Denise Beil