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09. März 2010

"S isch e Kulturguet"

BZ-INTERVIEW mit Friedel Scheer-Nahor über die "Alemannische Nacht" der Heimattage.

  1. Friedel Scheer-Nahor Foto: Flier

  2. Zum Duo Goschehobel, ein Urgesteinen der alemannischen Folk-Rock-Szene, gehören Urban Huber-Wölfle und Eberhard Jäckle. Foto: Veranstalter

MÜLLHEIM. Als ein Teil des Programms der Heimattage im Markgräflerland findet diesen Freitag eine "Alemannische Nacht" in Müllheim statt. Veranstalter ist die Muettersproch-Gsellschaft. BZ-Mitarbeiterin Bianca Flier sprach mit der Geschäftsführerin der Muettersproch-Gsellschaft, Friedel Scheer-Nahor über die Veranstaltung.

BZ: Die Alemannische Nacht hat das Motto "Chrüz und quer". Was darf man sich darunter vorstellen? Gibt es einen "Roten Faden", der über dieses "Chrüz und quer" hinausgeht? Und was ist das Konzept der Veranstaltung?

Scheer-Nahor: Mit "Chrüz und Quer" soll zum Ausdruck gebracht werden, dass an diesem Abend aus dem vielseitigen alemannischen Kulturschaffen geschöpft wird. Wir haben versucht, ein möglichst breites Spektrum an Musik, Text und Stilen zu mischen. Wir werden mit Frank Dietsche einen Liedermacher hören, der mit heiter-melancholischen Texten erfreut, mit Martin Schley einen Geschichtenerzähler erleben, der viel Sinn für Zwischenmenschliches hat und mit Martin Wangler einen Kabarettisten auf der Bühne sehen, der mit der Wahl seiner Worte nicht zimperlich ist. Die Gruppe Goschehobel ist bekannt für ihre witzigen Texte und ihre fetzige, rockige Musik, während Wolfgang Miessmer sich mehr dem klassischen Volkslied verschrieben hat. Das Duo Pflaum und Sesterhenn hat sich in der Zwischenzeit eine wahre Fangemeinde erarbeitet mit ihren zu Akkordeon und Saxophon beziehungsweise Geige vorgetragenen Liedern. Und Franz Schüssele, der auch als Alphorn-Solist auftritt, wird zusammen mit den Gälfiäßlern und – zumindest einem Teil – ihrer über 150 Instrumente die Stimmung anheizen.

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Der rote Faden ist das Alemannische, und das ist ja auch unser Anliegen, bei den Heimattagen der Mundart ein Forum zu geben und zu zeigen, was für eine lebendige und aktive Szene es hier gibt.

BZ: Sie haben praktisch die Crème de la Crème der alemannischen Künstler eingeladen. Jede Gruppe und jeder Einzelkünstler könnte ein abendfüllendes Programm bestreiten. Das hört sich nach einer wahren Mammutnacht an. Es wird sicher nicht einfach sein, das ohne straffe Organisation und Moderation durchzuziehen?

Scheer-Nahor: Ja, das ist wahr. Es muss ganz genau darauf geachtet werden, dass die einzelnen Auftritte im Zeitrahmen bleiben, der 20 Minuten pro Künstler beziehungsweise Gruppe nicht überschreiten darf.

BZ: Frank Dietsche, Goschehobel, Gälfiäßler – um nur ein paar Beispiele zu nennen – sind keine Kinder von Traurigkeit. Ist da auch noch Raum für die leisen Töne, für die ja die alemannische Mundart ebenfalls steht?

Scheer-Nahor: Sicher. Mit dem Duo Pflaum & Sesterhenn beispielsweise kann man "in d Seel vu de Sproch nikrabble", wie es bei Pflaum in einem Gedicht heißt. Da gibt es Hintersinniges und zum Nachdenken Anregendes zu hören. Und auch Martin Schley hat einiges im Programm, was auf die kleinen, unscheinbaren Dinge hinweist und sie gebührend herausstellt.

BZ: Gretchenfrage: Wie lange dauert eine solche "Alemannische Nacht"? Kann man das überhaupt eingrenzen bei so vielen Mitwirkenden?

Scheer-Nahor: Man darf unsere "Alemannische Nacht" nicht wortwörtlich nehmen. Sie wird vor Mitternacht zu Ende sein. Das Programm dauert maximal drei Stunden, dazu soll es eine Pause geben.

BZ: Die Veranstaltung findet im Rahmen der Heimattage statt. Hat dies das Programmkonzept beeinflusst?

Scheer-Nahor: Wenn man die Heimattage als eine Art Schaufenster der Region sieht, erfüllt unsere Veranstaltung diese Funktion in gewisser Weise für die hiesige musikalische Mundartszene. Es soll ein Ausschnitt dessen gezeigt werden, was die Muettersproch-Gsellschaft zu bieten hat.

BZ: Welche Wertvorstellung verbinden Sie mit dem Begriff Heimat?

Scheer-Nahor: Heimat ist für mich in erster Linie ein Gefühl. Dieses Gefühl beinhaltet sowohl die Vertrautheit, die ich beim Anblick der Landschaft und Orte empfinde, als auch das Vertrautsein mit der hiesigen Mentalität. Es hat für mich auch etwas mit den Wurzeln zu tun, die ich mir nicht ausgesucht habe, für die ich mich aber im Laufe meines Lebens bewusst entschieden habe. Auf keinen Fall will ich aber ausgrenzen oder anderes herabwürdigen, denn überall ist Heimat für irgend jemanden.

BZ: Es ist auffällig, dass viele junge Menschen das Alemannische bewusst nicht mehr lernen, oft weil die Eltern fürchten, das würde ihnen Nachteile in der Schule einbringen. Können Aktionen wie die Heimattage und Veranstaltungen wie die "Alemannische Nacht" dabei helfen, solche Bedenken zu zerstreuen?

Scheer-Nahor: Das ist schwer zu sagen. Menschen, deren Vorurteile gegen die Mundart tief verwurzelt sind, werden sich durch eine solche Veranstaltung wahrscheinlich nicht umstimmen lassen. Aber die, die dem Gedanken, dass man sich für die Mundart stark machen muss, dass sie erhalten bleibt, bislang eher gleichgültig gegenüber standen, werden dadurch vielleicht erreicht, sensibilisiert und mobilisiert. Im Übrigen stellen wir vermehrt fest, dass viele junge Leute sehr wohl an Mundart interessiert sind. Wir konnten im letzten Jahr etliche Neumitglieder in den Zwanzigern begrüßen und bei Umfragen auf unserer Internetseite http://www.alemannisch.de machen oft auch unter 20-jährige mit.

BZ: Was würden Sie als größten Erfolg dieser Veranstaltung empfinden? Anders ausdrückt: Wie müsste der Abend verlaufen, damit Sie sagen: "So, des muess is erscht emol einer nomache!"

Scheer-Nahor: Ich winsch mer, dass alles wiä am Schniärli lauft un dass s Publikum rundum zfriede isch. Ganz bsunders scheen wärs au, wenn mer bi unsere Bsuecher s Gfiähl wecke oder verstärke kinnte, dass unser Sproch ebbis isch, wu mer stolz druf si kann un dass es sich lohnt, dass mer si in Ehre hält. Denn s isch e Kulturguet, grad wiä ä historischs Hüüs, nur dass es ebbe nur bewahrt were kann, wenns mündlich witergää wird, vu Generation zue Generation.

Alemannische Nacht am Freitag, 12. März, 20 Uhr, im Müllheimer Bürgerhaus. Eintritt: zehn Euro. Karten gibt es bei der Muettersproch-Gsellschaft unter

Tel. 07667/912727 oder über info@muettersproch-gsellschaft.de, bei der Buchhandlung Druckerei-Schmidt in Müllheim sowie an der Abendkasse. Es treten auf: Frank Dietsche (Lieder zur Gitarre), Martin Schley (Geschichten), Goschehobel (Rock & Pop), Martin Wangler (Kabarett), Franz Schüssele (Alphorn), Wolfgang Miessmer (Volkslieder auf Alemannisch), Pflaum & Sesterhen (Lieder zu Akkordeon), Gälfiäßler (Mundartgruppe)

Autor: fl