Sommerfest im Jubiläumsjahr

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Di, 04. Juli 2017

Müllheim

Jugendhilfe Kirschbäumleboden feiert mit Bewohnern, Mitarbeitern, Nachbarn und Interessierten.

MÜLLHEIM. Das Sommerfest der Evangelischen Jugendhilfe Kirschbäumleboden in Müllheim ist jedes Jahr eine schöne Gelegenheit zum gemeinsamen Feiern. Eingeladen sind am jeweils ersten Sonntag im Juli auch immer die Nachbarn und alle, die sich für die Arbeit der Einrichtung interessieren. Der lockere Rahmen, Spiel und Spaß schaffen eine gute Atmosphäre für Begegnungen und Gespräche. In diesem Jahr war das Sommerfest besonders ereignisreich, denn die Jugendhilfe feierte gleichzeitig ihr 50-jähriges Bestehen (siehe auch BZ vom 1. Juli).

"Im Alltag bestimmen Sorgen, feste Pläne und die professionellen Anforderungen unsere Arbeit. Beim Sommerfest ergeben sich durch das ungezwungene Beisammensein viele schöne Möglichkeiten der Begegnung zwischen Eltern und Lehrkräften, den Kindern und Jugendlichen und auch den Nachbarn", sagte Hans-Martin Blessing, Heimleiter und Geschäftsführer der Jugendhilfe der BZ. Auch dem Team der Lehr- und Betreuungskräfte tue ein solches Fest gut.

Um das Jubiläums-Sommerfest besonders schön zu gestalten, hatten sich die Organisatoren einiges einfallen lassen. So gab es auf dem Gelände verteilt 13 Spielstationen für alle Interessen vom Kinderschminken bis zu "Hau den Lukas". Minigolf, Wellenrutsche, Dosenwerfen Torwandschießen – sowohl die Stillen und Schüchternen als auch die Temperamentvollen und Agilen kamen zum Zug. Am Nachmittag kam auch noch das Müllheimer Bähnle angefahren und nahm Passagiere für eine kleine Stadtrundfahrt auf.

Zum Auftakt hatte sich die KBB-Band mit einer rhythmisch-pfiffigen Einlage präsentiert. Die Mädchenwohngruppe hatte sogar einen eigenen Tanz vorbereitet. Die Sommerküche mit Café, Grillstand und Büfett bot für den großen und den kleinen Hunger alles, was das Herz begehrt, auch am Eisbus stand man Schlange. Außer dem Gegrillten kamen alle Leckereien aus der eigenen Küche. "Das gemeinsame Kochen in den Wohngruppen und in den Tagesgruppen ist ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Konzepts", erklärte Johannes Maier, seit 18 Jahren Heilpädagoge in der Jugendhilfe.

So familiär die Atmosphäre auf dem Campus, in den Wohn- und Tagesgruppen und in der Schule ist, so sei das Hauptziel dennoch, die Kinder und Jugendlichen so bald als möglich wieder in ihre angestammte Umgebung und in die Regelschule zurückzuführen, erläuterte Christoph Moser, der im Team die Gruppen koordiniert. "Unser Ziel ist, dass die Kinder und Jugendlichen uns nicht mehr brauchen", so Moser. Dazu gehört auch die intensive Zusammenarbeit mit den Familien, aus denen die Kinder kommen.

Etwa zwei Jahre betrage die Verweildauer in den Tagesgruppen, ein bis sieben Jahre in den derzeit vier stationären Wohngruppen. Die Arbeit der Jugendhilfe wird erleichtert durch private Spenden und Sponsoring. Unter anderem wird daraus das musiktherapeutische Angebot finanziert. "Beispielsweise gäbe es ohne das langfristige Engagement der Kiwanis-Minerva-Damen die KBB-Band nicht", sagte Denice Subasinghe, Leiterin für alle pädagogischen Angebote außerhalb der Schule.

Was ihr besonders Sorgen macht, sind die Vorbehalte, die private Vermieter zeigen, wenn es darum geht, eine Wohnung an einen jungen Menschen zu vermieten, der gerade dabei ist, unter extensiver Begleitung durch die Jugendhilfe den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft zu schaffen. Dabei sei die Miete gesichert, die Vermieter haben, wenn Probleme auftauchen sollten, eine Bereitschaftsnummer, unter der sie sofort eine Ansprechperson in der Jugendhilfe erreichen können. Auch das Mietverhältnis laufe über die Jugendhilfe. Solch konkrete Argumente müssten doch eigentlich die diffusen Klischees überstimmen.

Auch Blessing ist überzeugt, dass die Einrichtung vor allem dann Zukunft hat, wenn sie noch mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit erfährt.