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23. Oktober 2010

Spannende Kooperation

Grünen-Abgeordnete sind beeindruckt, wie in Müllheim und Heitersheim Inklusion realisiert wird.

  1. Über die Kooperation der Malteserschloss-Schule Heitersheim mit der Georg-Kerschensteiner-Berufsschule in Müllheim informierten sich die Grünen-Politiker Markus Kurth und Bärbl Mielich. Foto: Volker Münch

MÜLLHEIM/HEITERSHEIM. Behinderte Menschen in das allgemeine Gesellschaftsleben, den Schul- und Ausbildungsalltag zu integrieren, das fordert nicht nur eine UN-Behindertenrechtskonvention. Es fordert Praxis. Die Malteserschlossschule in Heitersheim und die Georg-Kerschensteiner- Schule üben dies seit rund eineinhalb Jahren.

Der behindertenpolitischen Sprecher und Bundestagspolitiker der Grünen, Markus Kurth, und Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich waren bei ihrem Besuch in der Müllheimer Berufsschule beeindruckt. "Gerade geistig behinderte Menschen waren bisher schwer im regulären Arbeitsmarkt unterzubringen", erklärte Schulrektorin Beate Wagner von der Georg-Kerschensteiner-Schule. Die Heitersheimer Schule bemühe sich seit bereits sechs Jahren um Praktikumsplätze für die behinderten Schüler, sagte Schulleiter Klaus Hotz. Um die soziale Inklusion, die volle Teilhabe der behinderten Schüler, zu optimieren und mit Inhalt zu füllen, gingen die Heitersheimer und die Müllheimer Schule die mittlerweile bewährte Kooperation ein. "Das ist für unsere jungen Menschen eine große Herausforderung und Bereicherung", betonte Hotz. Wichtig für die Entwicklung der behinderten Menschen sei, selbstständig den Weg zur Georg-Kerschensteiner-Schule zu gehen und sich im Schulbetrieb zurecht zu finden. "Das funktioniert erstaunlich gut", stellte Wagner fest. Den allgemeinen theoretischen Unterricht halten die Sonderpädagogen der Malteserschlossschule in den – wegen der Raumnot – improvisierten Unterrichtsräumen, im fachspezifischen Berufsschulunterricht arbeiten geistig behinderte und nicht behinderte Jugendliche gemeinsam in den verschiedensten Berufsklassen. "Dazu haben wir auch Partnerbetriebe, die unseren Schülern Praktikumsplätze anbieten", erklärte Beate Wagner. "Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung des Selbstbewusstseins und fördert die berufliche Tauglichkeit", betonte Klaus Hotz und meinte: "Dabei werden die Betriebe von uns oder später von den Integrationsfachdiensten betreut."

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Hilfen für einen behindertengerechten Arbeitsplatz gibt es laut Hotz ebenfalls, so dass für interessierte Betriebe auch finanzielle Anreize zur Beschäftigung gegeben würden. Seien die Hemmschwellen und Vorurteile erst einmal abgebaut, dann bereuten die Betriebe in der Regel die Beschäftigung von behinderten Mitmenschen nicht, hieß es weiter. Dazu dienten auch die Praktikumserfahrungen, die einerseits die Interessen der behinderten Menschen klärten und andererseits den beteiligten Firmen Ängste nähmen. Wer aufgrund seines Behindertengrades nicht im allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden könne, der werde weiterhin in den Behindertenwerkstätten beschäftigt. "Auch das gehört zu einer realistischen Inklusion", so Hotz. Wichtig sei, dass die behinderten Menschen über vernünftige Wahlmöglichkeiten verfügten.

An dieser Stelle hakte Markus Kurth ein: "Leider ist es oft der Fall, dass geistig behinderte Menschen von der Schule direkt in die Werkstätten abgeschoben werden. Das ist immer noch ein Automatismus." Heute würden über 280 000 Menschen bundesweit in solchen Werkstätten und damit in einer eigenen Sonderwelt arbeiten. "Deshalb interessieren mich Ihre Erfahrungen", sagte Kurth. Der hier aufgezeigte Weg fördere auf der behinderten wie auch auf der nichtbehinderten Seite das Sozialverhalten. Deshalb lohne es sich, in solche Kooperationen zu investieren.

Das Beispiel der beiden Schulen zeige, dass das Landesbehindertengleichstellungsgesetz überarbeitungsbedürftig sei, kritisierte Bärbl Mielich. Sie stellte fest, dass sich die Landesregierung bei der Umsetzung der UN-Konvention nicht bewege. Barrieren müssten weiter abgebaut, Eingliederungshilfen und Zuständigkeiten besser gelöst werden, forderte Mielich. Beide Politiker waren sich einig, dass die Kooperation der beiden Schulen sehr spannend sei und Vorbildcharakter habe.

Autor: Volker Münch