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08. Februar 2012

Technik-Oscar für einen Müllheimer

Digitale Phantasiebilder für den Kinofilm: Der Physiker Wolfgang Riedel erhält die Auszeichnung am Samstag in Beverly Hills.

  1. Wolfgang Riedel (Mitte) mit einem Filmmagazin vor dem Arri-Laser zusammen mit den Arri-Mitarbeitern Franz Kraus (links) und Johannes Steurer. Foto: Arri

MÜLLHEIM/LOS ANGELES. Der 11. Februar ist für den Müllheimer Diplom-Physiker Wolfgang Riedel ein ganz besonderer Tag. Dann nämlich wird er in einem Nobelhotel in Beverly Hills eine Oscar-Statuette entgegennehmen, verliehen von der Academy of Motion Picture Arts and Science (Ampas). Die so genannten Technik-Oscars (Academy Award of Merit) werden für besondere technische und wissenschaftliche Leistungen für die Filmbranche vergeben.

Was wären "Herr der Ringe" oder "Jurassic Park" ohne das Heer von Technikern, die diese gigantischen Phantasiebilder digital kreieren und zum Laufen bringen? Wolfgang Riedel arbeitete von 1980 bis zu seiner Rente, die er 2009 antrat, als Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg. Dort hat er in Zusammenarbeit mit der Münchner Arri-Gruppe (Arnold und Richter Kinotechnik, gegründet 1917), dem Weltmarktführer bei der Herstellung und dem Verleih von Kinofilmkameras, einen Laserbelichter entwickelt, der digitale Bilder auf Kinofilm belichten kann. Der Arri-Laser ermöglichte erstmals eine digitale Filmbearbeitung in großem Maßstab und bei sehr kurzen Aufnahmezeiten – ohne Verlust von Bildqualität – eine Effizienz, die sich in barem Geld auszahlt.

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Schon seit 1980 beschäftigt sich Wolfgang Riedel mit der Laser-Spektroskopie. "Hier waren die Anforderungen schon immer so, dass es galt, etwas sehr Delikates in einen robusten Aufbau so hineinzubekommen, dass das Gerät ohne Störungen auch in schwierigem Umfeld exakt arbeitet", erklärte Riedel im Gespräch mit der BZ die technische Herausforderung. "Man kann einen Laser sehr schnell irritieren, da reicht ein Transport von einem Ort zum andern", sagt er.

Entwickelt wurde der Arri-Laser von Herbst 1996 bis zur Auslieferung der ersten Seriengeräte im Sommer 1999. Der Prototyp wurde im April 1998 an der Filmtechnikmesse in Las Vegas vorgestellt. Zu jener Zeit gab es bereits einzelne Laserbelichter von anderen Firmen, die jedoch zu groß, zu teuer oder zu anfällig waren. Erfahrungen mit Laser-Einsatz bei Foto- und Filmtechnik hat Riedel seit den frühen 1990er Jahren gesammelt. Unter anderem hat er einen Großbelichter für die Durst AG gebaut, einen Vorläufer des Arri-Lasers. "Es ist aber auch wichtig, dass man ein gutes Netzwerk von Zulieferern hat, an einem solchen Projekt sind viele Einzelkomponenten, die Detail-Lösungen erfordern", sagt Riedel. Das IPM habe hier auf ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgreifen können, in das unter anderem auch die Müllheimer Firma Hellma mit ihren Präzisionsgläsern eingebunden ist. "Dass der Prototyp nach dem langen Flug sofort einsatzfähig war und nicht mehr nachjustiert werden musste, war damals eine Sensation", erinnert sich Riedel an die Messe in Las Vegas. Und: "Wir hatten eine diebische Freude, das in Amerika zu präsentieren."

Riedel und die beiden Arri-Mitarbeiter Franz Kraus und Johannes Steurer, die mit ihm auf der Bühne stehen werden, wenn der Oskar übergeben wird, nennen das Ding liebevoll "unsere wunderbare Waschmaschine". 280 dieser Maschinen sind weltweit schon im Einsatz, der Stückpreis liegt bei einer halben Million Euro. Aber das Ende der Fahnenstange ist das nicht: "Der Arri-Laser schafft sich irgendwann einmal selber ab", glaubt Riedel. Derzeit jedoch ist er eine wichtige Brücke vom analogen ins digitale Zeitalter, da noch eine Vielzahl von Kinos nicht mit digitalen Projektoren arbeitet, sondern auf Filmspulen angewiesen ist.

Und wo steht der weltberühmte, mythenumwobene glänzende Schwertträger, den Riedel mit nach Europa nehmen darf? "Der kommt als Leihgabe ins Institut", meint er.

ACADEMY AWARD OF MERIT

Der Academy Award of Merit ist eine seit 1931 vergebene Auszeichnung der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Sie würdigt Leistungen, die wesentlichen Einfluss auf den technischen Fortschritt der Filmindustrie haben. Diese Leistungen müssen nicht in dem der Auszeichnung vorangegangenen Jahr erbracht worden sein.

Der Academy Award of Merit ist vor dem Preis für Wissenschaft und Entwicklung (Class II) und dem Preis für Technische Verdienste (Class III) die höchste Oscar-Ehrung für technische Leistungen innerhalb der Filmindustrie. Als Class-I-Auszeichnung erhalten die Preisträger eine Oscar-Statuette. Der Academy Award of Merit wird nicht jedes Jahr vergeben.  

Autor: dop

Autor: Dorothee Philipp