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10. Dezember 2015 16:25 Uhr

Premiere

TGV hält regulär in Müllheim – zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt

Am Sonntag geht’s los: Zum ersten Mal können Fahrgäste in Müllheim in den TGV Rhin-Rhône ein- oder aussteigen. Den Halt gibt es schon seit dem Start der Verbindung 2013 – er war jedoch immer technischer Natur.

  1. Der TGV aus Frankreich verlässt hier gerade Neuenburg und passiert die alten Formsignale. Foto: Heinz Göttlich

Von Müllheim nach Paris

Schon seit dem Frühjahr ist bekannt, dass auch Müllheimer bald in den TGV Rhin-Rhône, der auf der Strecke von Freiburg-Paris fährt, ein- oder aussteigen können. Mit dem Herbstplanwechsel ist es nun soweit: Den ersten regulären Stopp gibt es am Sonntag, 13. Dezember, um 20.47 Uhr auf Gleis 1. Die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (AGUS) organisiert hierfür ein kleines Willkommensfest mit der Stadtmusik Müllheim – direkt auf dem Bahnsteig.

Der TGV fährt danach täglich (außer sonntags) um 7.10 Uhr von Müllheim via Mulhouse, Belfort, Besançon und Dijon nach Paris – in 3 Stunden und 27 Minuten. Die Rückfahrt startet täglich (außer samstags) um 17.23 Uhr am Gare de Lyon in Paris, Ankunft in Müllheim wird um 20.47 Uhr sein.

Die Vorgeschichte

Seit August 2013 fährt der TGV von Freiburg nach Paris – und er hielt auch schon immer in Müllheim. Allerdings war der Halt bisher rein technischer Natur: Weil der Regionalzug "Blauwal" dem TGV vorausfährt, wartet dieser im Bahnhof darauf, dass der vorgelagerte Blockabschnitt der Signalanlage für seine Weiterfahrt freigegeben wird. Dass sich das nun ändert und auch Passagiere ein- oder aussteigen dürfen, liegt an dem Einsatz von Detlef Schulz Tavares von der AGUS. Er bat Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich schon 2013, sich an die französische Eisenbahngesellschaft SNCF zu wenden.

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Siemes-Knoblich hat damals auf die Bitte reagiert und sich mit einem Schreiben an SNCF-Präsident Guillaume Pepy gewandt (wir berichteten). Ihr Argument: Zusätzliche Fahrgastzahlen durch den Tourismus im Dreiländereck und vor allem durch die in Müllheim stationierte Deutsch-Französische Brigade. Doch Pepy lehnte ab – ein Personenhalt würde zuviel Zeit kosten. "Nachgehakt haben wir danach nicht mehr", so Gabriele Kawlath, Pressesprecherin im Müllheimer Rathaus, "und den Strategiewechsel des SNCF im Frühjahr dieses Jahres erst über die Presse erfahren."

Der Strategiewechsel

Mehr Stopps – mehr Fahrgäste. Die Beweggründe für den Strategiewechsel der SNCF liegen auf der Hand. Die Entwicklung der Fahrgastzahlen auf der Verbindung nannte die SNCF in einer Pressemitteilung aus dem Februar "ermutigend". Auch die in Müllheim und Umgebung stationierten französischen Soldaten der Deutsch-Französischen Brigade dürften dann doch ein wichtiges Argument für einen regulären Halt in Müllheim gewesen sein. "Wir gehen davon aus, dass viele unserer Soldaten die neue Möglichkeit nutzen werden", sagte ein Mitarbeiter auf Anfrage der BZ.

Die Entscheidung fiel komplett auf französischer Seite, sagt Bahnsprecher Werner Graf: "Der Paris-Freiburg-Verkehr ist ein Produkt der SNCF, die Deutsche Bahn agiert hier quasi als Verkäufer. Das heißt, die SNCF mietet die Gleise der Bahn und zahlt eine sogenannte Trassengebühr." Über den DB-Vertrieb gebe es Fahrkarten zu kaufen – allerdings werde man beim Online-Fahrkartenkauf auf die Seiten der SNCF verwiesen.

Die Tickets

Die Tickets kosten von 30 bis 118 Euro für eine einfache Fahrt. Günstige Tickets gibt es vor allem für Frühbucher oder Besitzer von Rabattkarten der SNCF. Hier bietet sich die "Carte Weekend" an: 25 bis 40 Prozent Ermäßigungen auf Hin- und Rückfahrten bei einer Entfernung ab 200 Kilometern, die am Samstag oder Sonntag tagsüber stattfinden.

Frühbuchertickets – sogenannte "Prems" – sind Fahrkarten ohne Umtausch und Rückerstattung. Die Tickets können bis zu vier Monate im Voraus gebucht werden. Die Deutsche Bahn verkauft in Müllheim Tickets am Bahnhofschalter, online bietet die SNCF auch eine deutschsprachige Seite an. Das Freiburger Reisebüro Gleisnost ist mit einer SNCF-Lizenz ausgestattet und verkauft ebenfalls rabattierte Billetts.

Bedeutung für Müllheim

Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich begrüßt den Halt in Müllheim, der nicht nur die Attraktivität der Region erhöht, sondern zudem die Bedeutung des Müllheimer Bahnhofs als zentralen Knotenbahnhof in der Region und auch im internationalen Zugverkehr mit Frankreich unterstreicht. Auch Detlef Schulz Tavares freut sich: Er wird mit einer kleinen Gruppe zuerst mit dem Blauwal von Müllheim nach Mulhouse fahren, um dann mit dem TGV nach Müllheim zurückzufahren. "Lassen wir uns von dem Terror in Paris und dem TGV-Unglück bei Strasbourg nicht entmutigen", sagt Schulz Tavares.

Der Blauwal

Die Strecke Müllheim-Neuenburg-Mulhouse ist 22 Kilometer lang und wurde 2006 zum ersten Mal reaktiviert. Lange Zeit fuhr auf der eingleisigen Strecke nur Güterverkehr. Seit 2009 ist der Blauwal wochentags mit sieben Zugpaaren unterwegs. Für das Projekt "Breisgau-S-Bahn-2020" werden auf dem Abschnitt Müllheim-Neuenburg 2016 abschließende Arbeiten stattfinden, die mit einer Sperrung der Strecke, voraussichtlich vom 19. Juli bis 7. September, verbunden sind.

"Dabei werden die alten Formsignale im Bahnhofsbereich von Neuenburg elektronischer Technik weichen. Der vorhandene Bahnsteig wird auf 210 Meter verlängert und auf 55 Zentimeter erhöht", sagt der Neuenburger Bahnexperte Heinz Göttlich. Für den geplanten Stundentakt des Blauwals muss die Streckengeschwindigkeit erhöht werden, dazu sind Kurvenbegradigungen und Neutrassierungen notwendig.

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Autor: Gina Kutkat