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12. April 2011

Verführungsversuch zum Genuss der Zauberflöte

Großer Beifall für das Markgräfler Symphonieorchester, Jubel aber vor allem für den brillanten Klaviersolisten Ashot Khachatourian.

  1. Ein Weinpräsent für den bejubelten Klaviersolisten Ashot Khachatourian beim Konzert des Markgräfler Symphonieorchesters Foto: Bianca Flier

MÜLLHEIM. Mozart, Chopin und Fauré standen auf dem Programm des Konzertes, welches das Markgräfler Symphonieorchester unter der Leitung von Uwe Müller-Feser am Wochenende im Bürgerhaus in Müllheim und zur Eröffnung der Mozarttage in Bad Krozingen im Kurhaus spielte. Im Mittelpunkt stand der virtuose junge Pianist Ashot Khachatourian, der das Publikum mit seinen Darbietungen zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Die Premiere im Bürgerhaus begann mit ungewöhnlich handwerklichen Tönen, da am Steinwayflügel erst gehämmert und geschraubt werden musste, wobei auch ein vorwitziges Schräubchen in die Eingeweide des Instruments fiel und in der Pause entfernt werden musste.

Der Konzertauftakt mit der Ouvertüre zu Mozarts "Zauberflöte" war dann eine gelungene Einstimmung, denn es gelang dem Orchester vortrefflich, die feierlichen und heiteren Stimmungsbilder auszuloten, welche den Geist der freimaurerisch getönten Oper ausmachen.

Im Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in e-Moll von Frédéric Chopin bereitete das Tutti mit schönem Klangteppich und elegantem Celli-Doppelpunkt den Auftritt des Solisten vor. Khachatourian griff die energischen und zarten Motive mit differenzierendem Gespür auf, spielte bezaubernd locker, nahm souverän alle tückischen Hürden, ließ das raffinierte Figurenwerk brillant aufblitzen. Die Larghetto-Romanze schmückte er mit magischen pianistischen Farben aus und traf auf authentische Weise Chopins tiefgründige Ausdruckswelt. Mit graziöser Kraft gestaltete er die anmutigen Arabesken des Schlussrondo und machte sich bravourös über die rasanten Triolenpassagen her. Das Orchester blieb im Hintergrund, wirkte jedoch keineswegs blass.

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Nach der Pause, bei der Darbietung von Chopins Variationen über die Arie "Reich mir die Hand mein Leben" aus Mozarts Oper "Don Giovanni", wurde besonders deutlich, dass Ashot Khachatourians pianistische Qualität vor allem in seinem unglaublichen Feingefühl für Stimmungen, Schwankungen und diffizile Auslotungen liegt. Er entlockte dem Flügel Vokalisen und Kantilenen, einschmeichelnde Flüstertöne und quasi gewaltbereite Verführungsansagen, bei denen man in optischer Eindrücklichkeit die Szene mit Don Giovanni und Zerlina vor Augen gestellt bekam. Das Orchester leistete einen exzellenten Part zum Gelingen der fünf Variationen, die in ihrer ganzen facettenreichen Pracht ausgebreitet wurden. Die Hörer bejubelten den jungen Solisten so lange, bis er als Zugabe eine melancholische Piano-Vokalise spielte.

Die Suite "Masque et bergamasques" op. 112 von Gabriel Fauré wurde vom Orchester souverän präsentiert: eine leichte, spritzige Ouvertüre, eine verträumt ausgeführte Pastorale, ein betulich-graziöses Menuett und die Gavotte mit ihren pointierten und markanten Elementen. Ein netter, doch eigentlich kein rauschender Abschluss, aber der Clou kam erst noch. Als Überraschungsgäste und als unwiderstehlicher Vorgeschmack auf die Aufführung im Juli traten die Sänger Sergej Zinschenko (Bariton) und Ingo Anders (Tenor) mit Arien des Sarastro und des Tamino aus Mozarts "Zauberflöte" auf. Hingerissen lauschten die Hörer den wunderbaren Stimmen. Mit dem "Marsch der Priester" entließ das Markgräfler Symphonieorchester das Publikum in die laue Frühlingsnacht.

Autor: Bianca Flier