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09. Juli 2009

Vom Äquator nach Müllheim

An den kaufmännischen Schulen in Müllheim gibt es in diesem Jahr erstmals einen Schüleraustausch mit Ecuador

  1. Hier ging die Reise der Austauschschüler los: im ecuadorianischen Quito Foto: Michael Macher

  2. Kennenlernen beim gemeinsamen Grillfest: die Schüler aus Ecuador und ihre deutschen Austauschpartner. Foto: Privat

MÜLLHEIM. Seine Vorliebe für Südamerika hat Jörg Beckert bei einem Praktikum in einem entwicklungspolitischen Projekt entwickelt. Jetzt hilft der Diplom-Handelslehrer selbst jungen Leuten dabei, Auslandserfahrungen zu sammeln. So sind vor zwei Wochen elf Austauschschüler aus Ecuador in Deutschland angekommen. Sie werden in den kommenden Wochen bei Gastfamilien rund um Müllheim wohnen und in dieser Zeit ein Praktikum absolvieren. Im kommenden Frühjahr reisen dann zehn Schüler der Kaufmännischen Schulen nach Ecuador.

Jörg Beckert, der an den Kaufmännischen Schulen unterrichtet, erzählt, dass sein früherer Religionslehrer seine Aufmerksamkeit für Hilfsprojekte geweckt habe. Dadurch habe er wertvolle Erfahrungen machen können, die er nun selbst mit dem von ihm ins Leben gerufenen Projekt "IIS" weitergeben will. "IIS" steht für interkulturelle Kompetenzen.

Dafür wurden die elf Ecuadorianer nach ihren Berufswünschen befragt und dann für sie ein geeigneter Praktikumsplatz in der Umgebung von Müllheim gesucht. Was sich als gar nicht so einfach herausstellte: Auf 90 Anfragen, die verschickt wurden, meldeten sich nur zwei Unternehmen. Der Rest der Plätze wurde nun über private Verbindungen vermittelt. Nun ist Jörg Beckert froh, dass alle gut untergebracht sind. Inzwischen haben die Schüler ihre Praktikantenstellen angetreten, die von der Tierarztpraxis über die Waldorfschule bis zum Bauunternehmen reichen. Ein Mädchen ist gerade beim Freiburger ZMF als Mitbetreuerin für eine spanische Band im Einsatz.

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Die jungen Ecuadorianer bringen gute Deutschkenntnisse mit. Denn sie besuche die deutsche Schule in Quito. Das macht auch den Gegenbesuch der deutschen Schüler im kommenden Frühjahr etwas leichter. Nach ihrer Ankunft stand für die Ecuadorianer erst einmal Fußball auf dem Programm. Einige besuchten mit ihren Gastfamilien ein Spiel des SC Freiburg. Bei einem gemeinsamen Grillabend wurden schon einmal erste Erfahrungen ausgetauscht: Die 17-Jährige Sharilay etwa erzählte erstaunt vom Morgenkreis in der Waldorfschule und dass dort tatsächlich gelernt werde, auch wenn es keine Noten gebe. Die Wochenenden verbringen die Austauschschüler gemeinsam – so besuchen sie etwa die Uni Freiburg, ein Musikfestival oder machen eine Radtour. Jörg Beckert würde gerne jedes Jahr solche Austauschprojekte organisieren. Das macht er aber davon abhängig, ob und wie Schulleitung und andere Lehrer das Projekt künftig unterstützen. Denn alleine kann er die Arbeit nicht bewältigen. Für ihn ist die diesjährige Begegnung eine Art Testlauf. "Einige Kollegen haben ihr Interesse schon signalisiert", sagt Beckert.

So denkt Beckert schon über den nächsten Austausch nach. Es sei ihm sehr wichtig, dass künftig auch ärmeren Familien der Austausch ermöglicht werde, sagt Beckert: "Solidarisch handeln eben." Zwar unterstütze die Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" des Außenministeriums das Projekt. Die Kosten seien aber für nicht so wohlhabende Familien einfach immer noch zu hoch. Wie es den jungen Südamerikanern im Markgräflerland ergangen ist, können die Schüler und Lehrer der Kaufmännischen Schulen während ihrer Projekttagen erfahren. Dann berichten die Ecuadorianer zum Thema: "Leben und Arbeiten in einer fremden Kultur".

Autor: Hafes Gerspacher