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21. April 2016

Weiter auf Protestkurs

Mitgliederversammlung des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland in Hügelheim.

  1. Der neu gewählte Vorstand des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland (v.l.): Peter Pilger, Werner Kleinfelder, Michael Nutsch, Helmut Schmitt, Jürgen Hauke, Fritz von Brandt. Foto: Beatrice Ehrlich

MÜLLHEIM-HÜGELHEIM (hrl). Seit drei Jahren kämpft das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) gegen die Ausbaupläne der Bahn auf dem Streckenabschnitt Hügelheim-Müllheim-Auggen. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Vereins haben sich einige Veränderungen ergeben. Stephan Kritzinger kandidierte nicht mehr für den Vorstandsposten, den er drei Jahre lang bekleidet hatte. Auf ihn folgt Michael Nutsch, Fritz von Brandt folgt auf Eckard Baum, der ebenfalls sein Vorstandsamt zur Verfügung stellte. Neben den beiden Neuen gehören weiterhin zum Vorstand: Jürgen Hauke (Müllheim), Werner Kleinfelder, Helmut Schmitt (Hügelheim) und Peter Pilger (Auggen).

Trotz Landtagswahl und des abschließenden Bundestagsbeschlusses über den Ausbau der Rheintalstrecke, der für die BBM-Gemeinden zusätzlichen Lärmschutz in Form von Lärmschutzwänden vorsieht, will man beim BBM nicht von der Maximalforderung der Tieflage des Güterverkehrs abrücken. Der Protest solle mit unveränderter Energie fortgesetzt werden, so der Tenor der anwesenden Vereinsmitglieder. Unzufrieden sei man auch mit dem bisherigen Verlauf der Gespräche im neu gegründeten regionalen Begleitgremium, das den Bahnausbau begleiten soll: "Wenn es dort nur um die Aufhübschung von Lärmschutzwänden geht, sind wir nicht dabei", unterstrich Stephan Kritzinger.

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In einer anschaulichen Präsentation ließ er die Ereignisse und Aktionen des vergangenen Jahres Revue passieren, vom Beschluss des Projektbeirats im Juni 2015 über die gemeinsame Klage der Gemeinden Müllheim und Auggen gegen den Planfeststellungsbeschluss bis hin zum BBM-Wein mit eigens entworfener Gaymann-Karikatur, den befreundete Winzergenossenschaften und Weingüter aufgelegt haben.

Mit großen Mahnfeuern und Demonstrationen in Müllheim und Stuttgart trug man den Protest sichtbar in die Öffentlichkeit. Namhafte Politiker von SPD, CDU, Grünen und FDP machten sich auf Initiative des BBM persönlich ein Bild vor Ort. Um so größer die Enttäuschung, dass man nun zwar "Vollschutz ohne passiven Lärmschutz" zugesprochen bekommen hat, allerdings mit höheren Lärmschutzwänden anstatt der geforderten Tieflage.

Symbol für den Protest des BBM ist und bleibt das Bahnwärterhäuschen bei Auggen: Über den Stand der Dinge berichtete in seinem "Bericht vom Basislager" Vorstandsmitglied Helmut Schmitt. 32 Abende habe man dort zusammengesessen und geplant. Das solle auch künftig so bleiben: Unmittelbar neben dem vom Abriss bedrohten Bahnwärterhäuschen, wo die Bahn zwischenzeitlich Hausverbot erteilt hat, hat das BBM einen überdachten Pavillon als alternative Unterkunft für künftige Treffen aufgestellt. "Wir weichen nicht von der Stelle", betonte Schmidt.

Um die Bedeutung des Bahnwärterhäuschens für den BBM-Protest zu unterstreichen – immerhin sei es der Aufhänger gewesen für einen öffentlichkeitswirksamen Bericht in der SWR-Landesschau am 6. April – stellte Fritz von Brandt dem Antrag, das Bahnwärterhäuschen zum Symbol des Widerstands des BBM zu erklären. Dieser Antrag wurde von den Anwesenden bei zwei Enthaltungen angenommen.

Einen herzlichen Dank für drei arbeitsreiche Jahre an der Spitze des Bürgerbündnisses richtete Peter Pilger abschließend an den scheidenden Vorstand Stephan Kritzinger, der mit Jahresbeginn eine Arbeitsstelle in Berlin angetreten hat. Auch Kritzinger selbst fiel der Abschied sichtlich schwer. "Wir sind aus verschiedenem Holz geschnitzt – gerade deshalb hat mir die Zusammenarbeit mit Euch so viel Spaß gemacht", bekannte er in seinen Dankesworten am Schluss.

Autor: hrl