Wo jedermann ins Schwarze trifft

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Fr, 08. Dezember 2017

Müllheim

Ein scharfes Auge und eine ruhige Hand sind gefragt, wenn die Müllheimer Schützengesellschaft einmal jährlich ihre Anlage für alle öffnet.

MÜLLHEIM. Von wegen geschlossene Gesellschaft: Beim Jedermannschießen öffnet die Müllheimer Schützengesellschaft 1563 ihre Anlage für die Öffentlichkeit. Jeder kann zeigen, wie es um seine Treffsicherheit steht mit dem Luftgewehr oder – in einem getrennten Wettbewerb – mit dem Kleinkaliberrevolver. Die Feuerwehr Müllheim 1 oder die Bogenschützen vom Eichwald treten in diesem in erster Linie geselligen Wettbewerb gegen Mannschaften mit Namen wie Henrystutzen oder Drunken Monkeys an, zuletzt am vergangenen Wochenende.

Tanja Stärker und Margitta Kappeler stehen vor den Aushängen mit den Zwischenergebnissen und rechnen nach, wie viel ihnen noch fehlt zum Sieg. Zusammen mit Monika Walz bilden sie die "Schützenbüchsen 1", eine von vier Gruppen aus den Reihen der Müllheimer Narrenclique "Heidemännle" – langjährigen Stammgästen beim Jedermannschießen. Als krönender Abschluss steht jetzt noch der Schuss um die Ehrenscheibe an. Mit einem Kleinkaliberrevolver wird dabei auf eine Entfernung von 25 Metern geschossen. Tanja Stärker war im vergangenen Jahr Schützenkönigin und weiß daher, dass sie es schaffen kann. Um den Sieg gehe es ihnen aber bei diesem Event überhaupt nicht, versichern die beiden Frauen unisono. "Zwecks Gaudi", seien sie hier, ein wenig auch wegen der schönen Preise: "Die denken sich immer was aus", lobt Stärker die Organisatoren. Ob man treffe, das hinge allerdings von der eigenen Tagesverfassung ab. Nun wollen sie aber noch auf die anderen Heidemännle warten, die gerade unten am Luftgewehr-Schießstand an der Reihe sind.

In der Luftdruck-Anlage im Keller ist die Luft zum Schneiden dick. In einer langen Reihe stehen Männer und Frauen am Schießstand und zielen. Seit einigen Jahren ist die Nutzung einer Hilfskonstruktion vorgegeben: Die langen Luftgewehre liegen mit dem Rohr auf einer in der Höhe verstellbaren Holzstange auf. Jeder Treffer wird sofort auf einem jedem Schützen zugeordneten Bildschirm sichtbar. Ein paar Probeschüsse, dann geht’s aufs Ganze. Der Wertungsknopf wird gedrückt, es folgen 15 Schuss. Nicht immer fällt das Ergebnis zur Zufriedenheit der Schützen aus. "Ich muss reklamieren, das schießt keine Zehner", beschwert sich jemand scherzhaft bei Oberschützenmeister Rainer Nusser. Im Treppenhaus hört man Lachen und lustige Kommentare.

Der Spaß daran, sich mit anderen sportlich zu messen, steht auch bei Armin Reese, Wolfgang Marx und Horst Otto vom Turnverein Neuenburg im Mittelpunkt. Die drei Männer, die sich sonst immer freitags zum Turnen treffen, sind zum ersten Mal dabei beim Müllheimer Jedermannschießen, haben aber schon bei anderen Jedermannschießen Erfahrungen gesammelt, etwa in Neuenburg. Mit ihrer Teilnahme möchten sie die Schützenvereine unterstützen. Der Erfolg bleibt nicht aus. "Sensationell, wir haben sogar ins Schwarze getroffen", so das Resümee des Trios. Vergnügt machen sie sich nun auch noch auf zum Schießstand, wo sich mittlerweile die Heidemännle-Damen aufgestellt haben.

Bei Tanja Stärker klappt heute nichts, kein Schuss trifft die Zielscheibe. "Man kann nicht jedes Jahr gewinnen", trösten sie die Freundinnen. Ganz anders bei den Herren. "Eine Zehn!", vermeldet der Standleiter Karlheinz Butz von der Schützengesellschaft beim dritten Schuss von Armin Reese. Die Zielscheibe wird geholt, um seinen Schuss mit dem bisherigen Tagesbesten zu vergleichen. Schade für ihn: Martin Lösch von den Atomics Neuenburg liegt noch einen Bruchteil eines Millimeters näher an der Mitte und wird damit am Abend zum Schützenkönig gekrönt. Tanja Stärker, Margitta Kappeler und Monika Walz gewinnen die Mannschaftswertung der Damen.

Der Verein: Die Schützengesellschaft Müllheim existiert mit kriegsbedingten Unterbrechungen seit 1563 und ist damit der älteste Müllheimer Verein. Insgesamt 310 Mitglieder üben sich dort in bis zu 42 verschiedenen Disziplinen, vom Armbrustschießen bis zu den klassischen Disziplinen mit Gewehr und Pistole. Als jüngste Disziplin ist im vergangenen Jahr das Bogenschießen hinzugekommen, das im Sommer auf einer eigenen Anlage am Schützenhaus geübt werden kann. Oberschützenmeister Rainer Nusser freut sich, dass neuerdings im Winter auch eine Halle zur Verfügung steht. 30 Neumitglieder konnte der Verein im vergangenen Jahr in seine Reihen aufnehmen, mit 14 neu angemeldeten Jugendlichen hat die Schützengesellschaft sogar den Preis für die meisten Neuanmeldungen im Bereich des Südbadischen Sportschützenverbands (SBSV) gewonnen. Den Eindruck, Bogenschießen sei die sanftere Variante des Schießens, möchte Nusser so nicht stehen lassen. Das Schießen in anderen Disziplinen sei genauso meditativ. "Schießen im Verein hat nichts mit Action zu tun", betont er. Vielmehr würden Aufmerksamkeit und Konzentration geschult. Auch bei Wettkämpfen ist die Schützengesellschaft erfolgreich. Zusammen mit den traditionsreichen Schützenvereinen in Heitersheim und Oberkirch teilt sie sich die vorderen Plätze im Medaillenspiegel des SBSV.

Ergebnisse: Mannschaftswertung Herren: 1. Feuerwehr Vögisheim, 2. Feuerwehr Müllheim 1, 3. Bogenschützen vom Eichwald. Mannschaftswertung Damen: 1. Schützenbüchsen 1, 2. Schott Damen, 3. Knapp daneben. Mannschaftswertung Jugend (12 bis 17 Jahre): 1. Bogenschützen vom Eichwald 1, 2. Jugendfeuerwehr Vögisheim 1, 3. Jugendfeuerwehr Vögisheim 2. Einzelwertung Herren: 1. Lukas Bornmann, 2. Martin Lehmann, 3. Werner Müller. Einzelwertung Damen: 1. Viola Rieß, 2. Aileen Held, 3. Monika Walz. Einzelwertung Jugend: 1. Aaron Deiß, 2. Elaine Kaufer, 3. Daniel Wenger. Ehrenscheibe: Martin Lösch.