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18. November 2011

"Zeitgenössische Musik ist noch nicht abgespielt"

BZ-INTERVIEW mit Albrecht Haaf über Licht und Dunkelheit beim Adventskonzert des Kammerchors Müllheim / Aufführung am 3. und 4. Dezember in Martinskirche.

  1. Albrecht Haaf Foto: privat

MÜLLHEIM. Der Kammerchor Müllheim unter der Leitung Albrecht Haafs geht mit dem nächsten Adventskonzert neue Wege. Es folgt dem Motto "Durch die Nacht zum Licht" und enthält bis auf Vivaldis Gloria (RV 589) und einem Oboen-Adagio von Alessandro Marcello nur Werke zeitgenössischer Komponisten, darunter auch zwei Kompositionen von Haaf selbst. Dorothee Philipp sprach mit dem Musiker, Komponisten und Chorleiter über das Konzert.

BZ: Man kann bei dem Adventskonzert von einem Gesamtkunstwerk sprechen. Was erwartet die Zuhörer?

Haaf: "Durch die Nacht zum Licht" ist ja die Kernaussage der Adventsbotschaft, die den Menschen Hoffnung geben soll. Der erste Programmteil beginnt sozusagen in einer Stimmung in Moll. Jan Stauffer rezitiert das Refraingedicht "Rondel" von Georg Trakl, das später noch einmal in einer Version von mir für Solosopran, Mezzosopran, Chor und Orchester erklingt. Hier kommt noch eine Lichtregie zum Einsatz, die den Inhalt des Gesprochenen unterstreicht. Stauffer wird darüber hinaus noch kurze Rezitationen mit Versen von Autoren wie Rainer Maria Rilke und Heinrich Heine einstreuen.

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BZ: Mit Teilen aus dem "Requiem" des Zeitgenossen John Rutter öffnen Sie ganz neue stilistische Türen.

Haaf: Der Reiz der zeitgenössischen Musik liegt unter anderem darin, dass sie noch nicht abgespielt ist. Darüber hinaus ist Rutter ein Komponist, der seine Musik den Chören auf den Leib schreibt. Sie ist zwar nicht ganz einfach gestrickt, aber dennoch gut singbar. Rutter hat seine eigene Tonsprache, die durchaus etwas Erhebendes und Feierliches hat. Ähnlich ist es beim "Kyrie" des 1958 geborenen Komponisten Scott Stroman, das etwas Mantra-Artiges hat.

BZ: Wo findet die Wendung vom Dunklen ins Helle statt?

Haaf: Vor der Pause singt der Chor eine Komposition von mir, "Vox nostra resonet", die mit ihrem strahlenden Charakter und dem Text "Unsere Stimme erklinge, denn das Licht kam in die Welt" bereits auf die Stimmungslage im zweiten Teil des Konzerts verweist.

BZ: Und dann kommt die Helligkeit in Dur?

Haaf: Ja, das könnte man so sagen. Vivaldi ist ja ein typischer Vertreter des barocken Kompositionsstils mit seiner leichtfüßigen Motorik und dem strahlenden Klangbild dieser Epoche. Das "Gloria" für Soli, Chor und Orchester ist ein Musterbeispiel für diese Leichtigkeit.

BZ: Wie lange haben Sie mit dem Chor an dem Programm gearbeitet?

Haaf: Die Proben haben im März begonnen; wir werden aber auch noch ein Chorwochenende in Sankt Trudpert einlegen. Die aus Neuenburg stammende Sopranistin Claudia Kienzler, die ihren ersten Gesangsunterricht an der Musikschule Müllheim bei Anette Hall hatte und neben einer regen Konzerttätigkeit auch im Opernchor am Mannheimer Nationaltheater engagiert ist, wird dabei die Stimmbildung übernehmen. Sie und die Mezzosopranistin Barbara Ostertag werden im Konzert die vokalen Solorollen übernehmen. Den Solopart im Oboenkonzert spielt Ingo Balzer.

TERMIN: ADVENTSKONZERT

"Durch die Nacht zum Licht" wird am Samstag, 3. Dezember, 20 Uhr, und am Sonntag, 4. Dezember, 17 Uhr, in der Martinskirche Müllheim aufgeführt. Ausführende: Kammerchor Müllheim, ein symphonisches Orchester, Claudia Kienzler (Sopran), Barbara Ostertag (Mezzosopran), Ingo Balzer (Oboe), Jan Stauffer (Rezitation) und Albrecht Haaf (Gesamtkonzept und Leitung). Vorverkauf: First Reisebüro, Wilhelmstraße 13, Müllheim.  

Autor: dop

Autor: dop