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31. Mai 2017

Zirkusnummern statt Lesen, Schreiben und Rechnen

Eine große Vorstellung des "Zirkus Britzolino" krönt eine Woche voller Clowns, Artisten und Zauberer in der Grundschule Britzingen .

  1. In fünf Tagen intensiven Zirkustrainings haben die Grundschüler eine wunderbare Aufführung auf die Beine gestellt. Foto: Beatrice Ehrlich

MÜLLHEIM-BRITZINGEN. Zirkus und Schule – das passt! Trapezkünstler, Clowns, putzige Raubtiere und viele andere eroberten bei einer großen Zirkusvorstellung die Bühne der Neuenfelshalle und brachten Familie und Freunde zum Staunen – bereits zum zweiten und bestimmt nicht zum letzten Mal. Unter der Ägide des Zirkuspädagogen Christoph Eichler hat sich die Grundschule Britzingen mit mehr als 80 Schülern für fünf Tage in den Zirkus Britzolino verwandelt.

Die Britzinger Kindergartenkinder sind die ersten, die bei der Generalprobe am Freitagvormittag das ganze Programm sehen dürfen. Aufgeregt sitzen sie auf ihren Bänken ganz dicht am Bühnenrand, bis der Vorhang aufgeht. Ein schmissiges Willkommenslied, begleitet von einer richtigen kleinen Zirkuskapelle mit Klarinette, Trompete und Akkordeon, dann geht es los mit dem Trampolin: sportliche Sprünge, mit gestreckten Beinen oder im Salto, über eine brennende Stange und über andere hinweg. Eines nach dem anderen kugeln die Kinder auf die dicke Matte und legen sich in eine enge Reihe. Die Spannung steigt: Ob am Schluss einer den Sprung über alle hinweg schafft?

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Lustige Pausenclowns vertreiben mit ihren herzerfrischenden Dialogen die Zeit bis zum nächsten Programmpunkt. Alle Zuschauer wenden jetzt den Kopf hin zu zwei langen, am Ende geknoteten Tüchern, die von der Decke hängen. Schnell klettern die Kinder hinein, schaukeln und drehen sich, manche hängen plötzlich kopfüber, die fortgeschritteneren zu zweit und zu dritt bis hin zur Schlussformation mit allen zusammen. Leoparden, die sich küssen, ein Löwe, der auf Händen läuft, der Sprung durch den brennenden Reifen: die Raubtiernummer im Zirkus Britzolino steckt voller witziger Details. Balance ist kurz darauf auf dem Schwebebalken gefragt und beim lässigen Laufen auf einer rollenden Tonne, Hoola Hoop-Reifen, Jongliertücher, einer furchterregende Schwertkiste, in der ein kleiner Junge verschwindet – und wieder auftaucht – sind weitere Utensilien, mit denen die Kinder scheinbar mühelos hantieren. Als dann die Fakire auf die Bühne kommen, wird es mucksmäuschenstill. Weder die spitzesten Scherben noch die heißesten Flammen scheinen sie auch nur im geringsten zu beeindrucken – sie verziehen keine Miene.

Zum Gelingen des Schülerzirkus haben viele im Dorf beigetragen: Neben den mit Engagement und Herzblut engagierten Lehrerinnen Annette Weisel, Friederike Dango, Diemut Seidel, Ulrike Meier und Miriam Nau ist das vor allem ein Team engagierter Eltern um die Elternbeiratsvorsitzende Melanie Stecher und die Betreuungskräfte aus der Nachmittagsbetreuung. Jürgen Fischer vom Turnverein hat die Trampolinspringer trainiert und sogar der Ortsvorsteher Armin Imgraben ist als Gruppenleiter involviert: Seine Leiterartisten können sich mit ihrer witzigen und waghalsigen Fußballnummer wirklich sehen lassen. Eine Woche, in der nicht Lesen, Schreiben und Rechnen im Mittelpunkt stehen, sondern der pure Spaß am Gestalten, an sportlichem und darstellerischem Tun, das hat den Kindern auch in den Augen ihrer Lehrerinnen gutgetan. Erste Erfahrungen haben einige Schüler mit Lampenfieber gemacht. "Das gehört bei allen, die auf der Bühne stehen, dazu", beruhigt sie die Lehrerin. Als alles vorbei ist, nehmen die Grundschüler beglückt den donnernden Schlussapplaus entgegen.

Autor: Beatrice Ehrlich