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13. August 2008

Münchner mucken auf

Wer die Regeln im Englischen Garten missachtet, soll künftig zahlen – eine Initiative wehrt sich

  1. Surfen auf dem Eisbach ist eigentlich verboten, trotzdem wird sogar in Reiseführern auf die Attraktion hingewiesen. Foto: ddp

MÜNCHEN Schwimmen im Eisbach, Radfahren durch den Park oder Hunde frei laufen lassen: Im Englischen Garten in München ist das schon lange verboten. Bisher wurde es zwar toleriert, das soll sich nun aber ändern. Der bayerische Landtag beschloss jüngst ein neues Gesetz, nach dem für diese Ordnungswidrigkeiten künftig ein Bußgeld erhoben wird. Einige Münchner lassen sich das nicht gefallen und haben sich deshalb zur "Aktion Bürgerpark Englischer Garten" zusammengeschlossen.

Es ist das grüne Herzstück der bayerischen Großstädter: Der 373 Hektar umfassende Englische Garten ist größer als der Central Park in New York und ausgedehnter als der Londoner Hyde-Park. Die großen Wiesen und alten Bäume, die Biergärten und der Eisbach, die seit jeher die verschiedensten Besuchergruppen anlocken, sind der Münchner Stolz. Jogger wie Hundebesitzer, Familien, Radfahrer, Biertrinker, Surfer, Skater, Kiffer und ja, auch Nackte gehören zum Publikum. Natürlich gab und gibt es auch eine Parkverordnung. Bisher aber wurde diese großzügig interpretiert, frei nach dem Motto: Leben und leben lassen.

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Im Sommer wagen viele den Sprung in den kühlen Eisbach, obwohl Baden dort verboten ist. Auch die Surfer, die in Münchner Reiseführern als Attraktion beschrieben werden, haben auf der Welle des Eisbachs eigentlich nichts zu suchen. Hunde sollten angeleint werden und Radfahrer absteigen. Was bislang toleriert wurde, soll nun mit Bußgeldern bestraft werden. Der bayerische Landtag verabschiedete ein Gesetz, das es in allen Parkanlagen des Freistaats ermöglicht, 15 bis 35 Euro von den Parknutzern zu kassieren, sollten diese sich nicht an die Regeln halten. Die Begründung der Gesetztesänderung: Es hätten sich Beschwerden gehäuft. Und es käme immer wieder zu "sicherheitsrechtlich relevanten Problemen". Im bayerischen Finanzministerium wird nun am Bußgeldkatalog gearbeitet. Es wird über Freilaufzonen für Hunde, ein Radfahrverbot auf diversen Wegen und ein Pickerl für Surfer nachgedacht.

Derzeit haben die Verwalter der Gärten und vor allem der Chef des Englischen Gartens, Thomas Köster, den Zorn der Bürger ob der drohenden Bußgelder auf sich gezogen. Jetzt ziehen sie gegen die befürchteten Strafen zu Felde und haben sich zur "Aktion Bürgerpark Englischer Garten" zusammengeschlossen. Der Verband des Deutschen Hundewesens und der Tierschutzverein München stehen hinter den wütenden Bürgern. Sie fordern ein Mitspracherecht über die Zukunft des Parks und sammeln Unterschriften gegen den Leinenzwang. Initiatorin des Bündnisses ist Evelyne Menges, die für die CSU im Münchner Stadtrat sitzt. Auch Umweltminister Otmar Bernhard hat sich inzwischen an CSU-Chef Erwin Huber gewandt, mit der Bitte, doch Maß zu bewahren. Noch ist nicht klar, was künftig bestraft wird. Wer sich wohl nicht um ihre Freiheit in Münchens Oase sorgen muss, weil sie nach Ansicht der Parkverwaltung "unter Naturschutz" stehen, sind: die Nackten.

Autor: Iris Hilberth