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14. Juli 2009

Meditation, schwitzend

MÜNSTERECK: Entschleunigte Ritterstatuen

Schwül ist gar nichts, wenn einem im Büro die Finger an der Tastatur festkleben oder beim Kellnern das Hemd feucht verkrumpelt. Schwül ist erst dann richtig öde, wenn man als Straßenkünstler sein Dasein unter Gold- oder Silberschminke fristet und stocksteife Haltung angesagt ist. Freiburg wimmelt derzeit – wie übrigens Barcelona vor Jahrzehnten – von diesen stoischen Gestalten, die mitten im hektisch aufgeheizten Shoppinggewühle ihren Kontrapunkt setzen. Nicht Rumgewusel und lauthalses Getöne sind deren Markenzeichen, sondern die Ruhe. Unbewegt stehen sie als Ritter der Entschleunigung an Straßenecken. Regen sich nicht und fallen wundersamerweise auch nicht um. Die Passanten irritiert’s. Wie geht das nur, dass die da als Standbild verharren, dass die sich gar nie mal wo kratzen müssen, nicht mal lachen, wenn jemand vor ihnen Mätzchen macht? Ob als Goldmarie oder als Brunnenskulptur inklusive unsichtbar ausgelösten Fontänen: Diese Art Straßenkunst muss wie eine Meditation funktionieren. Und indem sie nicht versucht mitzuhalten mit Lärm und Tempo, spricht sie die Menschen an. Die nämlich bleiben mitten in dem Treiben ringsherum jäh stehen. Und gucken. Genauso stoisch. War- ten auf das Scheppern von Münzen im Teller vor der Statue und auf den graziösen Knicks, mit dem die Goldmarie verrät, was ohnehin jeder weiß: Die lebt. Und schwitzt unmerklich unter dicker Schminke vor sich hin, egal wie schnell alles andere ist. Und egal wie schwül.

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Autor: Julia Littmann


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