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26. Januar 2012

30 Jahre Arbeit in 30 Sekunden weg

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  1. Einen Spendenscheck über 7500 Euro – aus jeder „Papstbank“ ein Euro – überreichte Karl-Wilhelm Gutmann im Beisein von Maria Wiedmann und Bürgermeister Rüdiger Ahlers an Anneliese Gutmann (links) für ihr Schulprojekt auf Haiti. Foto: Manfred Lange

MÜNSTERTAL. Mit diesem "Ansturm" – bei in der Tat extrem stürmischen Wetter – hatte am Samstagabend kaum jemand gerechnet. Doch dann war die Belchenhalle mit über 400 Personen sehr gut besetzt. Eingeladen hatte die Gemeinde Münstertal mit Bürgermeister Rüdiger Ahlers an der Spitze zu einem Benefizabend zugunsten von Anneliese Gutmann beziehungsweise deren Wiederaufbauarbeit an ihrem Schulprojekt in Meyer auf Haiti.

Seit mehreren Wochen weilt die 60-jährige Entwicklungshelferin in Münstertal, wo sie schon mehrfach über die aktuelle Situation ihres Haiti-Projekts berichtete, mit dessen Aufbau sie vor gut 30 Jahren begonnen hat und das vor zwei Jahren durch das schreckliche Erdbeben einen solch herben Rückschlag erlebt hat, dass sie "für einen Moment sogar ans Aufhören" dachte.

Bereits vor Weihnachten hatte Bürgermeister Ahlers mit Anneliese Gutmann einen Termin für eine weitere Benefizveranstaltung unter Mitwirkung mehrerer Vereine vereinbart. Dieser "Haiti-Abend" hatte Privatpersonen, Interessengruppen und Vereine animiert, sich mit eigenen Ideen für die gute Sache einzubringen – und das funktionierte in der Tat hervorragend. Der Bürgermeister selbst fungierte als Moderator – in bewährter Kooperation mit Maria Wiedmann, der Schwester von Anneliese Gutmann – und alles Übrige ergab sich dann in geradezu spontanen Aktionen im Laufe des Abends.

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Ein Euro pro Tag muss ausreichen

Die Nachwuchsmusiker der beiden Münstertäler Musikvereine, der Schwarzwaldkapelle und der Trachtenkapelle, sorgten für die musikalische Eröffnung des Abends, bevor Hauptschüler der Abt-Columban-Schule (ACS) in einer gespielten Unterrichtsszene ein bisschen Grundwissen vermittelten über das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre, wo ein Euro pro Tag für den Lebensunterhalt eines Haitianers ausreichen muss. Anneliese Gutmann war es dann, die mit einem ergreifenden Dankesbrief (unterschrieben vom Rektor, Konrektor, Buchhalter und Sekretär ihrer Schule) zunächst auf Kreol (die Landessprache) und dann auf Deutsch in das Hilfsprojekt Haiti-Münstertal einführte.

Über eine Filmdokumentation erhielten die Besucher einen Abriss vom Urlaubstraumparadies Karibik bis hin zum Zehnmillionenvolk der Haitianer, das durch vorangegangene jahrzehntelange Kolonialausbeutung, durch Naturkatastrophen und politische Instabilität zu einem der ärmsten Länder der Erde wurde.

Auch ihre Schule in Meyer, die heute von mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen drei und 25 Jahren besucht wird, hat schwer unter dem Erdbeben im Jahr 2010 gelitten. "In 30 Sekunden waren 30 Jahre Arbeit weg", fasste Anneliese Gutmann das eigentlich Unfassbare in wenigen Worten zusammen. Dank vielfältiger Hilfe aus Deutschland und speziell aus dem Münstertal schreite der Wiederaufbau – in technisch verbesserter Weise – zügig voran, was Anneliese Gutmann mit Bildern belegte. Für die gute Sache ins Zeug gelegt hatten sich an diesem Abend die "Freunde von Haiti", eine Frauengruppe, die selbstgefertigte kunsthandwerkliche Geräte anbot, und Roland Riesterer, der dank der Unterstützung durch den Malerbetrieb Heinrich Schmid im Weinstetterhof bei Eschbach mit seinen vergoldeten Rheinkieseln bereits vor Weihnachten über 1200 Euro zusammengebracht hatte und dessen Stand beim Haiti-Abend stets dicht umringt war.

Regelmäßige Spenden leisten die Schüler der Münstertäler Schulen, deren Grundschüler sich alle mit je einem haitianischen Patenkind auf einen ellenlangen Papierfries gemalt hatten, der an diesem Abend die Hallenwand schmückte.

Karl-Wilhelm Gutmann, dessen Sägereibetrieb anlässlich des Papstbesuches vom Erzbistum mit der Produktion von 5000 Holzbänken beauftragt worden war, hatte – auch von seinen Kollegenbetrieben (Dold, Ketterer und Rombach) je einen Euro pro "Papstbank" abgezweigt und dann die Summe mit Spenden der Mitarbeiter auf 7500 Euro aufgestockt – alles auf einem Scheck vermerkt, den Anneliese Gutmann entgegen nehmen durfte.

Für eine Bereicherung sorgten die Männergesangvereine von Unter- und von Obermünstertal, der Handharmonikaclub (HHC) und die vereinigte Trachtengruppe Münstertal-Staufen mit eindrucksvollen Volkstänzen. Bürgermeister Ahlers zeigte sich hoch erfreut über die große Hilfsbereitschaft und wünschte Anneliese Gutmann am 7. März einen guten Heimflug zu ihren Kindern auf Haiti.

Info: Spendenkonto "Foundation e. V. humanitäre Hilfe" in Kornwestheim, Konto 2063454, LBBW Stuttgart, BLZ 60050101 – Stichwort "Hoffnung für Haiti"

Ansprechpartnerin in Münstertal: Maria Wiedmann unter Telefon 07636/1788.

Aktuelles im Internet unter http://www.foundation-ev.de und
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Autor: Manfred Lange