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06. Juli 2011
421 Schadstellen am Abwasserkanal
L 123-Ausbau beschäftigt weiter den Gemeinderat / Auch für den 3. Bauabschnitt bleibt nur die Variante Vollausbau.
MÜNSTERTAL. Die innerörtliche Haupterschließungsstraße in Münstertal ist die L 123. Das 3,4 Kilometer lange Straßenstück zwischen Neumagenbrücke Hof/Dietzelbach am Taleingang und Neumagenbrücke Moosweg unterhalb des Klosters befindet sich derzeit in der Planfeststellung für einen kompletten Neubau sämtlicher Ver- und Entsorgungsleitungen sowie der Fahrbahndecke.
Der 600 Meter lange Bauabschnitt BA 1 zwischen Dietzelbachabzweigung und Wildsbach ist (bis auf wenige Gehwegabschnitte) bereits fertig gebaut. BA 2 zwischen Wildsbach und Brühlweg ist 1,5 Kilometer lang und beinhaltet auch den Um- und Ausbau des zentralen Straßenbereichs um Bahnhof und Rathaus (Kreisverkehr). BA 3 schließlich betrifft die 1,3 Kilometer lange L 123-Trasse zwischen Brühlweg (Apotheke) und Moosweg (Neumagenbrücke). Die Ausbauarbeiten am BA 2 will die Gemeinde aufnehmen, sobald das laufende Planfeststellungsverfahren rechtskräftig geworden ist, womit die Verwaltung noch in diesem Jahre rechnet.Obschon BA 3 nicht unmittelbar bevorsteht, beschäftigte sich der Gemeinderat zum wiederholten Male mit diesem Thema, da frühzeitig abgeklärt werden muss, mit welchen Sanierungsmaßnahmen zu rechnen ist und welche Kosten letztlich auf die Gemeinde zukommen. Anlass zu einer gründlichen fachlichen Untersuchung über den Zustand der Abwasserkanäle in der L 123 waren und sind die enormen Mengen an Abwasser, die über den zentralen Schmutzwasserkanal dem Abwasserzweckverband (AZV) kostenpflichtig zugeführt werden. Der vielfach desolate Zustand der Schmutzwasser-Rohre aus den 1950-er Jahren hat zur Folge, dass weit mehr als doppelt so viel Abwasser aus dem Münstertal dem AZV zufließt als die Bewohner der Gemeinde an Trinkwasser beziehen, weil ungehindert Grund- und Oberflächenregenwasser in die defekten Schmutzwasser-Kanäle einfließt.
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Auf Beschluss des Gemeinderates fand deshalb Ende März eine Kanalbefahrung mit dem Video-Auge statt. Die Bilder wurden Mitte Mai von Klaus Kasse, dem ehemaligen Verbandsingenieur des AZV, ausgewertet. Wie dieser in öffentlicher Ratssitzung darlegte, seien 105 Anschlussstutzen der einzelnen Grundstücksentwässerungsleitungen sowie der Straßenentwässerung schadhaft. Deutlich zu erkennen seien Setzungen durch Ausspülungen, sodass auch das Erdreich sichtbar werde, sagte Kasse. Die Hauptleitung im Bereich Wasen und Münster befinde sich "in einem sehr schlechten Zustand". Der teilweise hochliegende Regenwasserkanal habe zur Folge, dass einige Grundstücke nicht an den Regenwasser-Kanal angeschlossen sind. Erschwert werde die Entwässerung noch durch die hydraulische Unterdimensionierung der bestehenden Hauptleitung. Angesichts von insgesamt 421 Schadstellen, so Ingenieur Kasse, werde ein "Neubau des Regenwasser-Kanals im Zuge des Ausbaus der L 123 unumgänglich", und auszuscheiden sei auch eine isolierte Sanierung des Schmutzwasser-Kanals als Einzelbaumaßnahme. Aus Sicht der Verwaltung verbleibt damit nur die Variante Vollausbau – das heißt Erneuerung der Schmutz- und Regenwasser-Kanäle einschließlich Trinkwasserleitungsbau sowie Erneuerung der Gehwege.
Der AZV ist stark daran interessiert, dass der ihm noch unterstehende Schmutzwasser-Kanal "zeitnah instand gesetzt" wird, damit der Verband dann aus der Verantwortung entlassen werden kann. Eine mögliche Alternative wäre, dass die Gemeinde den betreffenden Kanal vom AZV ablöst und die Ablösesumme in die Finanzierung des Vollausbaus investiert und damit die Kanalbaumaßnahme in Eigenregie durchführt. Einstimmig beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, mit dem AZV über eine Ablösevereinbarung zu verhandeln und letztlich ein Finanzierungskonzept für den BA 3 zu erarbeiten.
Autor: Manfred Lange
