Abschied von der "Krankenschwester im roten Flitzer"

Eberhard Gross

Von Eberhard Gross

Do, 02. Mai 2013

Münstertal

Beliebt und geschätzt: Schwester Benedicta stand 14 Jahre lang als Krankenschwester im Dienste der ambulanten Pflege .

MÜNSTERTAL/BAD KROZINGEN. Seit 1. Januar 1999 war Schwester Benedicta vom Kloster St. Trudpert innerhalb der Sozialstation Südlicher Breisgau in der ambulanten Krankenpflege tätig und war nicht nur im Münstertal überaus beliebt und geschätzt. Nunmehr hat sie eine andere Aufgabe im Odenwald übernommen. Mit der Ordensschwester wurde die letzte in der häuslichen Krankenpflege tätige Ordensangehörige aus ihrem Dienst verabschiedet und im Rahmen eines gut besuchten Gottesdienstes in der Pfarrkirche ihr segensreiches Wirken um Kranke und Sterbende im Bereich der Sozialstation Südlicher Breisgau gewürdigt.

Den Mitmenschen mit Herzlichkeit begegnet

Pfarrer Johannes Frische, der den Gottesdienst in Konzelebration mit Pfarrer in Ruhe Emil Gruschka zelebrierte, bezeichnete die "rasende Schwester im Pflegedienst der Sozialstation" als vielseitige Fachpflegekraft, die mit Herzlichkeit auf kranke und zu pflegende Mitmenschen zugehen konnte, weshalb sich diese bei ihr gut aufgehoben und geborgen fühlten. Pfarrer Frische dankte ihr für ihre verdienstvolle Tätigkeit innerhalb der Sozialstation und bedauerte, dass mit ihr die letzte im Pflegedienst tätige Ordensschwester des Klosters aus den Diensten dieser Einrichtung ausscheide. Der Gottesdienst wurde mitgestaltet vom Münstertäler Pflegeteam der Sozialstation.

Einen Abriss über die Krankenpflege im Münstertal gab die Oberin des Klosters St. Trudpert, Schwester Germana. Danach wurde im November 1934 die Ordensschwester Georgia erstmals in der Krankenpflege in Untermünstertal eingesetzt, während in Obermünstertal sogenannte weltliche "Landkrankenpflegerinnen" tätig waren. Vielen älteren Münstertälern wird auch Schwester Casimira noch in Erinnerung sein, die teils während, insbesondere jedoch nach dem Krieg ab 1946 zunächst noch mit dem Fahrrad, danach mit dem Motorroller und zum Schluss mit der Isetta zu ihren Patienten unterwegs war. Ebenfalls hochgeschätzt waren ihre Nachfolgerinnen, darunter die Schwestern Amanda (von 1962 bis 1976) und Huberta (von 1964 bis 1999). Schwester Amanda war nach Gründung der Sozialstation im Jahre 1975 bis 1999 auch Leiterin dieser neu geschaffenen Einrichtung.

Am 1. Januar 1999 nahm Schwester Benedicta ihren Dienst in der Sozialstation auf und war seither unermüdlich für die ihr anvertrauten Mitbürger tätig. Jetzt wird sie als Konventsoberin in Waldhausen im Odenwald eine neue verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen.

Die Geschäftsführerin der Sozialstation Südlicher Breisgau, Waltraud Kannen, würdigte die 38-jährige Verbundenheit der Sozialstation mit dem Kloster St. Trudpert und dankte für die gute Zusammenarbeit. Schwester Benedicta sei stets mit vollem Herzen dabei gewesen, nicht nur in der Pflege, sondern auch in der Sterbebegleitung. Nach 38 Jahren müsse die Sozialstation nunmehr ohne eine Ordens-Krankenschwester auskommen, was sie sehr bedauerte.

Auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates St. Trudpert, Karl-Heinz Riesterer, übermittelte der scheidenden Krankenpflege-Fachkraft den Dank der Pfarrgemeinde. Er bezeichnete Schwester Benedicta als "Mensch mit offenem Herzen", die in ihren Dienst vielfältige Talente eingebracht habe. Es falle daher schwer, "die Krankenschwester im roten Flitzer" verabschieden zu müssen, die mit viel Engagement ihren Dienst versehen habe.

"Es hat halt immer pressiert"

Den Dank der Gemeinde brachte Bürgermeister Rüdiger Ahlers zum Ausdruck. Mit viel Einfühlungsvermögen und bemerkenswertem Einsatz habe sie sich in die häusliche Pflege eingebracht und sich um Kranke und Sterbende gekümmert. Mit Präsenten und guten Wünschen wurde Schwester Benedicta offiziell aus ihrem Dienst bei der Sozialstation verabschiedet.

Sichtlich gerührt über die vielen Sympathiebekundungen war es der scheidenden Ordens-Krankenschwester ein Bedürfnis, für das ihr stets entgegengebrachte Vertrauen zu danken, zumal sie viel Zuneigung erfahren habe. Gleichzeitig bat die bisher "als rasende Schwester im Pflegedienst der Sozialstation" bekannte Mitarbeiterin um Nachsicht für ihre rasante Fahrweise, "aber es hat halt immer pressiert". Die vielen Gottesdienstbesucher brachten ihren Dank und ihre Anerkennung mit lang anhaltendem Beifall zum Ausdruck.

Bei dem durch die Sozialstation, der Pfarrgemeinde, dem Helferkreis und dem Krankenverein ausgerichteten Stehempfang mit Umtrunk im Pfarrzentrum "Kreuz" bestand Gelegenheit, sich persönlich von der Kranken- und Ordensschwester zu verabschieden. Der Kirchenchor unter der Leitung von Karin Karle brachte dabei einen auf Schwester Benedicta zugeschnittenen Liedvortrag zur Aufführung mit der Feststellung "Wir werden immer an Dich denken".