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12. Oktober 2010
Bürgerinitiative lehnt Zeitdruck ab
Lebhafte Diskussion um Neugestaltung des Bahnhofareals.
MÜNSTERTAL. Vom Ansturm selbst überrascht war die Bürgerinitiative Bahnhof (BIB), die vergangene Woche ins Schwarzwald-Café am Bahnhof eingeladen hatte. Mit rund 70 Besuchern war die Café-Stube voll besetzt. Das sechsköpfige BIB-Gremium war sachkundig bestückt mit einer Architektin, einem Bauingenieur, einem Bauherrenberater, einer Rechtsanwältin, einer Unternehmerin und der Eigentümerin einer unmittelbar ans Plangebiet angrenzenden Immobilie.
Das Ziel des Treffs war aus der Sicht der Initiatoren eindeutig, Stimmen aus der Bevölkerung zu sammeln zum Plan- und Bauvorhaben im Bahnhofsbereich. Bürgermeister Rüdiger Ahlers und Bauamtsleiter Tobias Winterhalter weilten zwar unter den Zuhörern, dennoch wurde bewusst auf offizielle Stellungnahmen seitens der Gemeindeverwaltung weitgehend verzichtet. Die Bürger hatten das Wort, und sie machten von diesem Angebot reichlich und vielfältig Gebrauch.In einer einleitenden Positionierung zur Neugestaltung des Bahnhofareals machte Architektin Sabine Rohda-Ortlieb klar: "Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, aber wir wollen, dass es letztlich funktioniert." In der Sache will die BIB "Mittler sein zwischen Verwaltung und Bürgern". Rechtsanwältin Annette Scharfenberg verwies auf die Ist-Situation bezüglich der seit 50 Jahren bestehenden und vom Schwarzwald-Café teilweise abgelösten PKW-Stellplätze. Bauingenieur Thomas Wiesler gab einen kurzen Abriss über das Bahnhofsprojekt und dessen sehr knappe öffentliche Darstellung seit Dezember 2009. "Wir sind für einen Markt, aber nicht in der geplanten Größe", tat Thomas Wiesler seine Meinung kund.
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Bauherrenberater Hermann Nein, der die anschließende Moderation für die eingehenden Bürgermeinungen übernahm, erinnerte an das heute unter Denkmalschutz stehende Bahnhofgebäude aus dem Jahre 1915. Das gesamte Projekt könne nur funktionieren, wenn es als ländlicher Verkehrsknotenpunkt Priorität habe. Eisenbahn, Bus, PKW und Fußgänger müssen gleichrangig in das Konzept einbezogen werden, so Hermann Nein, der zusammenfassend formulierte: "Wir wollen, dass sich das Bahnhofsareal zum Guten entwickelt."
Im Fragen- und Meinungskatalog der anwesenden Bürger ging es unter anderem um den "dringend notwendigen Durchstich zur Belchenstraße", um hierfür erforderliche private Grundstücksflächen, um insgesamt "zu wenig PKW-Parkplätze" für Lebensmittelmarkt und Park & Ride-Platz, um zu wenig Bus-Stellplätze und fehlende Bus-Wendeschleifen, um Aus- und Einfädelspuren von und zur L 123 sowie um die rückwärtigen Zufahrten zu den bestehenden Anliegergrundstücken.
Weitere Fragen der Bürger drehten sich um den von der SWEG geforderten Preis für Grundstück und Bahnhofsgebäude, um eine Ampelregung bei der Bahnhofsein- und Ausfahrt, um die Entsorgung von Eisenbahn-Altlasten im hinteren Bahnhofsbereich.
Thematisiert wurden auch Fragen, welche die elf Angestellten des bisherigen Edeka-Marktes betreffen, der zum Jahresende schließt. Mehrfach kritisiert wurden der Zeitdruck und das "Hauruck"-Verfahren, mit dem das Projekt über die Bühne gehen soll. Selbst wenn der Supermarkt nicht wie geplant in einem Jahr stehe, würden die Münstertäler nicht verhungern, prognostizierte ein Mitbürger.
Die BIB-Initiatoren werden die eingegangenen Fragen und Anregungen jetzt sammeln und zu einem Katalog zusammenstellen, der umgehend der Gemeindeverwaltung zugestellt wird. Bürgermeister Ahlers äußerte sich positiv zu der breiten Diskussion und sicherte Bereitschaft zu für eine von der BIB gewünschte gemeinsame Aussprache und öffentliche Sachvorstellung Mitte November dieses Jahres.
Autor: Manfred Lange
