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17. Januar 2012

Ein Wollschal als Neujahrsgeschenk

Die Gemeinde Münstertal strebt bei der regenerativen Energienutzung eine "echte Bürgerbeteiligung" an.

  1. Gemeinsam schnitten sie die Neujahrsbrezel an: Bürgermeisterstellvertreter Edwin Hofmann, Bürgermeister Rüdiger Ahlers und seine Lebensgefährtin Sandra Hirling (von links). Foto: Manfred Lange

MÜNSTERTAL. Die im vergangenen Jahr von Bürgermeister Rüdiger Ahlers in der Schulaula geäußerte Prognose, angesichts der steigenden Besucherzahlen bei künftigen Neujahrsempfängen die Belchenhalle zu reservieren, hat er bereits in diesem Jahre wahrgemacht. Um die 300 Besucher waren am späten Sonntagvormittag zum öffentlichen Neujahrsempfang in die Belchenhalle gekommen, wo der Handharmonikaclub Münstertal die musikalischen und der Bürgermeister die rhetorischen Akzente setzte.

Für "tatkräftige Unterstützung" im abgelaufenen Jahr dankte Rüdiger Ahlers den Mitgliedern des Gemeinderates und allen Mitarbeitern der Verwaltung, "Respekt und Anerkennung" zollte er seinen beiden Stellvertretern Edwin Hofmann und Klaus Wiesler.

Thematisch widmete sich Ahlers – rückblickend wie vorausschauend – den fünf Arbeitsschwerpunkten erneuerbare Energien, Bahnhofsareal, L-123-Ausbau, Land- und Forstwirtschaft sowie Tourismus. Im Sinne eines Prologs – und im Rückblick auf den deutlichen Ausgang der Bürgerbefragung zur Windkraftnutzung – definierte Ahlers sehr klar die Beteiligung und Mitsprache der Bürgerschaft einerseits und die Entscheidung und Verantwortung durch den Gemeinderat andererseits.

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"Unser Ziel einer

energieautarken Gemeinde

ist erreichbar"

Rüdiger Ahlers
"Unser Ziel einer energieautarken Gemeinde ist erreichbar", ist Bürgermeister Ahlers fest überzeugt, der die Grundlagen hierfür in einem Energiemix aus Solarenergie, Wasserkraft, Holzenergienutzung und Windkraft sieht. Nachdem sich landesweit die Planungsgrundlagen für den Ausbau der Windkraft ändern und die Gemeinden selbst über WKA-Standorte entscheiden sollen, werde die Gemeinde Münstertal "in enger Abstimmung mit den Nachbarkommunen mögliche Standorte prüfen", sagte Ahlers. Gemäß dem neuen Planungsrecht werde die Gemeinde WKA-Standorte nur dann freigeben, wenn echte Bürgerbeteiligung ermöglicht wird. Für den 16. Februar stehe der Besuch des Umweltministers Franz Untersteller in Münstertal in Aussicht, sagte Ahlers.

Das Bahnhofsareal befinde sich – unter anderem mit Ansiedlung eines Einkaufsmarktes – mitten in der Planung, fuhr Ahlers fort. Das Projekt biete die einmalige Chance, den Gesamtbereich des Bahnhofareals einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, die auch die Sanierung des bisherigen Bahnhofgebäudes einschließe. Nach heutigem Planungsstand soll der Markt bis Ende dieses Jahres gebaut sein.

Die L 123 im Teilbereich Untermünstertal wird die Gemeinde und die Bevölkerung noch einige Jahre beschäftigen. Die Rechtsgrundlage für den Weiterbau werde durch das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren geschaffen, dessen Beschluss für Ende 2012 erwartet werde, sagte Rüdiger Ahlers, so dass 2013 mit dem Weiterbau gerechnet werden könne.

Hierfür unentbehrlich waren und sind die inzwischen erfolgreich abgeschlossenen Verhandlungen mit dem Abwasserzweckverband (AZV) Staufener Bucht sowie die vom Gemeinderat beschlossene Neukalkulation der Abwassergebühren und die damit zu erwartende maximale Zuschusshöhe an Landesmitteln für den Abwasserhauptkanal in der L 123. Damit seien die finanziellen Voraussetzungen für den Weiterbau der L 123 geschaffen – und das bei gleichzeitiger Rückführung der Verschuldung unter den Landesdurchschnitt, so Ahlers.

Die heimische Land- und Forstwirtschaft steht seit Jahresfrist unter dem Schutz eines beschließenden Ausschussgremiums. Rüdiger Ahlers ist darauf bedacht, dass die kleinbäuerlichen Strukturen im Höhengebiet des Südschwarzwaldes erhalten bleiben, weshalb die Haupt- wie die Nebenerwerbsbetriebe unterstützt werden müssen, sagte Ahlers als Kenner der Branche und wurde dafür mit spontanem Applaus bedacht. Förderlich sein könne hier ein geplantes Biosphärengebiet im Südschwarzwald, das auch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung einschließe.

Im Bereich des Tourismus habe sich der vor vier Jahren gegründete Zweckverband Breisgau-Süd-Touristik (BST) fest positioniert in der Raumschaft zwischen Bollschweil-St.Ulrich, Ehrenkirchen, Staufen, Münstertal bis Ballrechten-Dottingen, wobei die Gebietskulisse (bis auf die Stadt Sulzburg) als abgeschlossen angesehen werden könne. Hauptziel der Verbandsarbeit sei nach wie vor die Steigerung der Gästeübernachtungszahlen, die derzeit im Verband bei rund 460 000 Übernachtungen im Jahr liegen, wovon knapp zwei Drittel auf das Münstertal entfallen.

Der weitere Verlauf des Neujahrempfangs stand dann im Zeichen der Würdigung zahlreicher verdienter ehrenamtlich tätiger Personen in der Gemeinde (Die BZ wird noch berichten).

Bürgermeisterstellvertreter Edwin Hofmann übermittelte im Namen der Bürger und des Gemeinderates Dank und gute Wünsche an das Gemeindeoberhaupt. Dessen Lebenspartnerin Sandra Hirling durfte einen Blumenstrauß entgegen nehmen, während Amtschef Ahlers – Stiefel und Kopfschutz hatte er bereits in den Vorjahren erhalten – diesmal mit einem knallroten Schafwollschal aus eigener SPD-Produktion zum Schutz gegen eventuelle Hals- und Atemverstimmungen bedacht wurde. Bei einem Stehempfang bestand anschließend reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch.

Autor: Manfred Lange