Hilfe erscheint weiter dringend nötig

Manfred Lange

Von Manfred Lange

Do, 13. September 2018

Münstertal

Anneliese Gutmann aus Münstertal arbeitet seit 38 Jahren auf Haiti.

MÜNSTERTAL. Die Karibik-Insel Haiti zählt mit zehn Millionen Einwohnern zu den ärmsten Staaten der Erde. Schlimme Naturkatastrophen treffen den Inselstaat immer wieder – etwa ein Erdbeben 2010, ein Hurrikan 2015 oder ein Tropensturm 2016. Gegenwärtig sorgt eine mehrmonatige Trockenperiode mit anschließenden Regenfluten und Überschwemmungen dafür, dass seit Oktober 2017 keine Ernte mehr stattgefunden hat. Anneliese Gutmann aus Münstertal kennt Bilder und Ereignisse wie diese seit langer Zeit. Vor 38 Jahren fasste sie auf Haiti Fuß und leistet dort Entwicklungs- und Aufbauarbeit, für die sie 2016 sogar mit der Verleihung der Bundesverdienstmedaille gewürdigt wurde.

In ihren vierteljährlichen Rundbriefen "Foundation e.V. – Hoffnung für Haiti" – gesponsert von der Ortenauer Firma B & K Offsetdruck – bleibt Anneliese Gutmann immer in Kontakt mit ihrer Heimat in Deutschland, mit ihrer Familie und nicht zuletzt mit den vielen Spendern, unter anderem mit der Abt-Columban-Schule in Münstertal, die als wichtige Partnereinrichtung gilt für die Schule Ecodem im 600 Meter hoch gelegenen Bergdorf Meyer auf Haiti.

Von der Alltagsarbeit für heute mehr als tausend Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und 25 Jahren wird die inzwischen 67-jährige Anneliese Gutmann voll in Anspruch genommen. Für den Unterhalt und den laufenden Betrieb der Schule sind stetige Einnahmen erforderlich, weshalb sich in Deutschland inzwischen viele Einzelpersonen, Betriebe, Vereine und Schulen mit regelmäßigen Spenden im Foundation Förderkreis eingebracht haben. Für den laufenden Betrieb der Schule werden pro Monat rund 13 000 Euro benötigt, heißt es im aktuellen Rundbrief, das meiste für eine tägliche Speisung der über tausend Schulkinder vom Kindergarten bis zur Abiturklasse sowie für die Lehrergehälter. Ohne die stetige Hilfe aus Deutschland würden im Schulprojekt in Meyer manche Räder still stehen und manche Kochtöpfe leer bleiben. Für die tägliche Schulspeisung (eine warme Mittagsmahlzeit mit Reis, Bohnen und Kraut) werden täglich rund 125 Kilogramm Reis verarbeitet, heißt es im jüngsten Rundbrief dieses Jahres – ein geradezu überlebenswichtiges Projekt für Schulkinder, die meist ohne Frühstück einen Schulweg bis zu zwei Stunden zurücklegen müssen.

Bessere Arbeitsmöglichkeiten für weniger Auswanderung

In der nach wie vor unsicheren Versorgungslage auf Haiti sieht Anneliese Gutmann den Grund dafür, dass immer mehr Haitianer ihrer Heimat den Rücken kehren und ins 6000 Kilometer entfernte Chile auswandern – bis zu 400 Personen pro Tag. Bisher war die Dominikanische Republik als Nachbar das Zielland Nummer 1, um den schlechten Lebensbedingungen und der aussichtslosen sozio-ökonomischen Lage in Haiti zu entgehen, sagt die 67-jährige Entwicklungshelferin. In Chile erhoffen sich die Auswanderer Arbeit und ein besseres Leben. Die "Landflucht" birgt indes auch große Probleme, da über 80 Prozent der Uni-Absolventen außer Landes arbeiten und diese gut ausgebildete Elite damit dem eigenen Land dringend fehlt. Das muss auch Anneliese Gutmann eingestehen, aus deren Schule inzwischen Abiturienten und Akademiker hervorgegangen sind, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht im eigenen Land gehalten werden können. Ihre Schule Ecodem versucht deshalb mit Nachdruck dafür zu sorgen, dass gute Arbeitsplätze im Land geschaffen werden.

Mit großer Freude berichtet Anneliese Gutmann über den inzwischen ausgebildeten Arzt Dr. St. Louis Whistler, der sämtliche Schuljahrgänge an ihrer Schule durchgemacht und weitere wertvolle Zusatzausbildungen absolviert hat, um in Kürze ein medizinisches Zentrum für Labor, Röntgen- und Ultraschall in Haiti zu schaffen. Freude herrscht auch im Schulbereich, wo der 43-jährige Familienvater Elissayit St. Jean zum neuen Konrektor bestellt wurde, nachdem er sich vom Elektronikingenieur zum Englisch- und Französischlehrer weitergebildet hatte. Ihre diesbezügliche Erfahrung fasst Anneliese Gutmann zusammen in der Feststellung: "Die Leute lernen und studieren für fünf Berufe und im sechsten (ungelernten) verdienen sie ihr Brot".

Info: Konto des gemeinnützigen Vereins "Foundation e.V. – Hoffnung für Haiti": IBAN: DE59 6805 2328 0001 1964 50, BIC SOLADES1STF; http://www.foundation-ev.de und http://www.freiburg-schwarzwald.de/haiti Ansprechpartnerin in Münstertal ist Maria Wiedmann, Tel. 07636/1788, und unter Email gervasis@t-online.de .