"Ich stieg wieder aufs Rad, ich konnte gar nicht anders"

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 01. September 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

BZ-SERIE: Julian Schelb ist Deutscher Meister im Mountainbike Marathon – dabei hatte der talentierte Sportler einige Rückschläge zu verkraften.

MÜNSTERTAL. Der Landkreis steckt voller Meister – und hinter jedem Titel steckt eine spannende Geschichte. Der 25-jährige Münstertäler Mountainbiker Julian Schelb ist ein ambitionierter Sportler. Schon 2010 wurde er Vize-Weltmeister der Junioren. Nach weiteren Erfolgen schlug er eine Profikarriere ein, die er 2016 wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben musste. Doch jetzt ist Julian Schelb zurück, vor kurzem wurde er Deutscher Meister in der Disziplin Mountainbike Marathon. Gabriele Hennicke hat ihm gesprochen.

BZ: Beim Black Forest Ultra Bike Marathon im Juni standen Sie endlich mal wieder auf dem Treppchen. Das Marathon-Rennen über 114 Kilometer war gleichzeitig auch die Deutsche Marathon Meisterschaft. Wie fühlt sich das an?

Schelb: Das fühlt sich super an. Die Konkurrenz war groß, das Feld war sehr gut besetzt und Elitemeister im Marathon zu werden, hat auch international einen großen Stellenwert. Am gleichen Wochenende wurde ich sogar noch Dritter bei der Deutschen Meisterschaft Eliminator Sprint.

BZ: Wie verlief das Rennen?

Schelb: Das Rennen war sehr eng. Es waren mehrere Profiteams am Start. Ich war einer von über 900 Männern auf der Langstrecke, die ins Ziel kamen. Mit 4:09:00 Stunden bin ich Streckenrekord gefahren. Bis Bernau, bei Kilometer 70, waren wir eine Gruppe von 15 Mann an der Spitze, später dann zu fünft. Bei Hofsgrund am Schauinsland haben wir uns zu zweit von der Gruppe abgesetzt. Es war bis zuletzt eine ganz enge Sache, am Ende wusste ich, dass ich der Schnellere auf der Zielgeraden bin und war vier Sekunden schneller.

BZ: Sie galten jahrelang als eine der größten Hoffnungen im deutschen Mountainbikesport. 2010 waren Sie Junioren-Vizeweltmeister und 2013 ebenfalls Vizeweltmeister, diesmal in der U23 im Cross Country, anschließend von 2014 bis 2016 Profi beim Team Multivan Merida und lebten in der Schweiz. Im Mai 2016 zogen Sie sich aus dem Profisport zurück. Was war passiert?

Schelb: Ich habe im Frühjahr immer mit Allergieproblemen und deshalb mit Atembeschwerden zu kämpfen, da bin ich vier bis sechs Wochen ziemlich ausgeknockt und kann meine Leistung nicht abrufen. Irgendwann musste ich einfach die Reißleine ziehen.

BZ: Wie ging es dann weiter für Sie, persönlich und sportlich?

Schelb: Ich habe erstmal bis März 2017 weiter studiert , insgesamt waren das drei Semester Volkswirtschaftslehre in Freiburg, und mich dann um eine Ausbildung gekümmert. Ich hatte ja nach dem Abitur gleich mit der Profikarriere begonnen. Ich bin wieder zurück nach Münstertal, mache jetzt seit September 2017 eine Ausbildung zum Zimmermann und arbeite Vollzeit. Nach einer kurzen Pause stieg ich aber wieder aufs Rad, ich konnte gar nicht anders. Ende 2016 haben wir dann das Team Stop&Go Marderabwehr gegründet. Wir sind ein Team von Freunden, wir sind alle Münstertäler Mountainbiker. Die Stimmung ist gut und wir haben viel Spaß.

BZ: Es klappt so gut, dass Sie sogar Deutscher Meister wurden. Wie geht das, neben dem Job her?

Schelb: Ich gehe täglich außer montags direkt nach der Arbeit für eineinhalb bis dreieinhalb Stunden aufs Rad. Oft bin ich erst gegen 21.30 Uhr daheim. Am Wochenende fahre ich Rennen oder trainiere, montags ist dann Regeneration angesagt. Es braucht viel Disziplin und einen guten Teamgeist, den haben wir. Die Allergie ist übrigens besser geworden und ich gehe jetzt anders damit um, plane sie schon ein in meinen Jahresplan.

BZ: Was sind ihre Ziele für die nächsten ein, zwei Jahre?

Schelb: Olympia 2020 in Tokio ist im Hinterkopf, aber ich will mir nicht zu viel Druck aufbauen. Ich versuche natürlich, das Beste rauszuholen; wenn ich 2020 noch Rad fahre, wovon ich ausgehe, wäre ich gerne dabei. Ich müsste mich nächstes Jahr für Olympia qualifizieren. Dazu müsste ich Weltcups fahren. 2019 steht allerdings auch der Abschluss meiner Ausbildung an.

BZ: Wer trainiert Sie eigentlich?

Schelb: Seit ich kein Profi mehr bin, habe ich keinen Trainer mehr. Ich habe sehr viel von meinem früheren Trainer Ralph Näf gelernt, das zahlt sich jetzt aus. Der Erfolg gibt mir Recht, man muss nur an sich glauben und gute Trainingskollegen haben.

Julian Schelb (25) kommt aus einer Mountainbike-begeisterten Familie aus Obermünstertal. Mit sechs Jahren fuhr er das erste Rennen.