Majestätisches Klangerlebnis

Bianca Flier

Von Bianca Flier

Do, 03. Januar 2019

Münstertal

Beim Neujahrskonzert in St. Trudpert präsentierten Karin Karle, Frieder Reich und Mykolas Pozingis Werke von Barock bis zur Gegenwart.

MÜNSTERTAL. Das traditionelle Neujahrskonzert bildete erneut einen großartigen Auftakt zur Reihe "Konzerte in St. Trudpert". Gemeinsam mit Bezirkskantorin Karin Karle an der Orgel gestalteten die Trompetenvirtuosen Frieder Reich und Mykolas Pozingis das Programm, welches Werke vom Barock bis zur Gegenwart präsentierte. Die Pfarrkirche war wieder einmal bis auf den letzten Platz besetzt.

Zum Auftakt spielte das Trio mit feierlichem Duktus "Fanfare und Variations on Noel Nouvelet" von Raymond H. Haan. Die Variationen der heiteren Grundmelodie, die auch als Gesangbuchlied bekannt ist, waren mitreißend gestaltet; strahlende Trompetenklänge und eine facettenreich intonierende große Emporen-Orgel erzeugten ein majestätisches Klangerlebnis.

Als Kontrast zu dieser effektbetonten Einstimmung erklangen im Anschluss zwei Weihnachtslied-Arrangements des 1945 geborenen Komponisten Hans Uwe Hielscher: "Vom Himmel hoch, o Engel komm" op. 56 Nr. 3 und "Ich stehe an deiner Krippen hier" op. 56 Nr. 4. Zarte Orgelmelismen und luzide Trompetenkantilenen bestachen bei diesen verhalten und weich gehaltenen Interpretationen, deren sanfte Klangbilder etwas Anrührendes ausstrahlten.

Hell und fein wie Vogelgezwitscher begann das Orgelsolo "Fuge in d-Moll" von Johann Sebastian Bach (BWV 539.2). Karin Karle demonstrierte bei dieser Darbietung die hohe Kunst der Artikulation, sprengte die allmählich einsetzenden tieferen Klangtupfer liebevoll ein und beeindruckte mit ihrer ausziselierten Gestaltung bis hin zum dramatisch auftrumpfenden Schluss.

Danach übersiedelte das Trio in den Chorraum, um Antonio Vivaldis "Concerto in Do" in einem wahren Trompeten- und Orgelfeuerwerk erklingen zu lassen. Die jubilierende Fröhlichkeit der Allegros und das nicht minder aufregende Largo entführten in weiträumige, famos ausgeleuchtete Klangregionen. Wieder beeindruckten die Trompeten mit ihren präzisen Koloraturen und vokalisierenden Klanglichtern, umschmeichelt von floraler Orgelanmut.

Drei kurze Weihnachtschoräle, gesetzt von Dietrich Buxtehude, brachten wieder in Erinnerung, dass man sich ja noch mitten in der Weihnachtszeit befindet. Hier war es die Schlichtheit der werksgetreuen Gestaltungen, die mit ihren pastoralen Ausarbeitungen bestachen.

Als letztes Stück im Chorraum spielte das Trio Giuseppe Torellis "Sinfonia" D-Dur (G 23), wobei das makellose Zusammenwirken von Orgel und Trompeten dem Publikum die mannigfachen Klangschönheiten dieses Werkes direkt ans Herz legte.

Das Finale erfolgte dann wieder von der Empore aus und begann mit dem gewaltigen Orgelstück "Pièce héroique" von César Franck, dem großen französischen Meister der Orgelromantik. Solistin Karle brachte eine bis in kleinste Details nuancierte Interpretation auf die Tasten und Pedale des klangmächtigen Instruments: Mystische Momente und exotisch-verfremdete Passagen legten ihren magischen Bann auf die Hörer. Steigerungen in Tempo und Volumen bewältigte die Solistin mit gebändigtem Pathos und souveräner Spielharmonie.

Zwei Kompositionen von Hans-André Stamm, die geheimnisvolle "Pavane über ein provenzalisches Weihnachtslied" und das lebhafte "Pezzo festivo", bildeten die glanzvoll ausgeführten Schlusslichter des Konzertes. Fazit: Drei königliche Instrumente, genial gespielt von drei Virtuosen und ein begeistertes Publikum. Der Beifall umbrauste das kongeniale Trio, das schließlich im Chorraum mit "Wachet auf ruft uns die Stimme" noch eine Zugabe gewährte, die stimmungsvoller nicht hätte sein können.