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09. Februar 2010
Narren gewinnen Stadtwette erneut
Zwei große Zunftabende der "Ori-Müvo" in der Belchenhalle
MÜNSTERTAL. Ein Füllhorn kommunalpolitischer Großereignisse lieferte das Jahr 2009 den Narren zwar nicht, dennoch gab es genug verwertbare Themen, und im Bedarfsfalle wird sogar mit dem Leid der Nachbarstadt Schabernack getrieben, wo sich für alle sichtbar – wenn auch nicht im eigentlich erwarteten Sinne – "das Niveau hebt".
Was des einen Leid, ist oft des anderen Freud – und das gilt auch umgekehrt. Ein Narr, wer etwas anderes glaubt! Die Fasnetsnarren der "Originellen Münstertäler Votzelzunft" (Ori-Müvo) machen da keine Ausnahme und füllen damit alljährlich seit mehr als 50 Jahren zwei Zunftabende bis zum letzten Platz.Regisseur und Zunftaktiver Karl-Heinz Pfefferle hatte für einen straffen Ablauf der insgesamt 16 Programmpunkte gesorgt, ohne dass die Ansagen und die Schunkelpausen darunter litten. Die Bühnen- und Narrenschau reichte genau bis Mitternacht und ließ Zeit und Raum für manch gewünschten Plausch mit Freunden an Theke und Bar.
Der Einzug der über hundertköpfigen bunten Narrenschar auf die Bühne war von den "Original Obersteigern" musikalisch mitgestaltet und stimmungsvoll unterstützt worden. Im Zuge der Vorbereitung auf die Zunftabende hatte sich Conférencier Jan Pfefferle einmal als Gartenzwerg, dann als Rauschgoldengel oder als Peter Maffay in treffliche Outfits geworfen und seine Ansagen für den nächsten Bühnenbeitrag in ebenso treffsichere wie wohlklingende Reime gesetzt. Szenenapplaus für eine neue (zurückhaltendere), aber nicht minder gelungene Form der Programmführung.
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In einer großartigen Einstiegsnummer trafen sich die Stammtischler Seppli und Hermännli auf der Bank (Sandra Stiegeler und Frank Weber), Drübbeli und Korli am Mikro (Joachim Pfefferle und Mario Ortlieb), die drei Marktwieber Ria, Monika und Petra (Elke Geiger, Doris Pfefferle und Silvia Steiger) sowie Withold mit dem WC-Pinsel (Friedmar Geiger), begleitet von den beiden Musikanten Timo Wolf und Udo Wiesler. In Bänkelsängermanier legten sie ihre Finger (ihre Stimme) auf jeden wunden Punkt innerhalb (und außerhalb) der Gemeinde. Weder die vermurkste Werkrealschule mit Staufen ließen sie aus, noch die unendliche Straßen-Kreislerei in Bad Krozingen. Innenpolitisch gaben die Gemeinderatswahlergebnisse Stoff für Spekulationen ("Wer hat wohl wen gewählt ?"), doch Einigkeit bei allen Narren bestand beim Bahnhofsprojekt: "Der Einkaufsmarkt muss her !"
Auf hohem Niveau diskutierten die beiden Reinigungstechnikerinnen (Annette Schelb und Lena Pfefferle), die seit kurzem im Glasnost-Rathaus den echten Durchblick haben. Überall Glastüren, kein Wunder, dass die Bediensteten Abhör- und Abschau-Aktionen befürchten. Beim vorangegangenen Reinlichtkeitstest ergab das Urteil der Damen beim Rathauschef: "Tiptop gepflägti Händ – gäll, du schaffsch nix!"
Nach einer ziemlich desaströsen Bühnenautofahrt eines Ehepaares (Aileen Pfefferle und Jörg Hofmann) mit ihrem nervtötenden Sohn (René Pfefferle) vom Obertal durchs Untertal über Staufen (!) gen Paris, gehörte die Narrenbühne dann einem halben Dutzend junger Zunftnarren. Diese nahmen sich der Weihnachtsgeschichte inklusive Maria, Josef und Jesulein (Doris Pfefferle, Achim Lebrerer, Edwin Hofmann) an, transponierten die Sache indes ins Hier und Heute mit allen nur denkbaren Haken und Ösen, mit Versicherungs- und Schuldenberatung, Unterhaltsansprüchen und Kindergartenplatz, Haushaltsplanführung und Wohnraumsanierung.
In zwei weiteren Sketchen entführten die Zunftnarren ihre Zuschauer nach Staufen, einmal auf eine Tiefbaustelle beim Rathaus (mit den Akteuren Jochen Geiselmann, Matthias Riesterer, Andreas Gutmann und Dominik Vordisch), ein andermal folgten die Zuschauer einem Staufener Ehepaar (Annette Schelb und Bernd Pfefferle) zum Urlaubsziel Rimini – mit den in solchen Fällen zu erwartenden Ehe-, Liebes-, Leidenschafts- und Trennungsszenen. In der "Rotkäppchen-Parodie" durften junge Zunftnarren zeigen, welch schauspielerisches Talent inklusive musikalischem Esprit in ihnen steckt.
Gerade aus dem Busch gekommen schienen die Bläser/innen und Trommler/innen des Fanfarenzuges, alle verkleidet, bemalt oder kostümiert als Wildtiere aus Urwald und Prärie. Auf Schlag- und Blasinstrumenten aller Art vollführten sie unter ihrem Oberhäuptling Joachim Bolanz ein Feuerwerk uriger Buschklänge. Optisch-akustisch gewürzt wurde das bunte Programm mit Tanzeinlagen des Zunftballetts, dem choreografisch umgestalteten Hexen- und Teufelstanz, mit den Tanzgardemädchen in mehrfachem Wechsel von Outfit, Rhythmus und Bühnenbild. Erneut eine Überraschung und ein Augenschmaus das Männerballett, das seine Muskeln erst unter dem fluoreszierenden Licht so richtig und farbenprächtig zur Geltung brachte.
Mit dem Programmhöhepunkt "Die Wikinger kommen" holten die Zunftnarren die im Herbst gewonnene Regenbogen-Stadtwette auf die Narrenbühne und gaben in einer großartigen gesangsmusikalischen Bühnenschau einen erneuten Beweis, wie Münstertal eine solche Aufgabe angeht und bravourös löst. Rappelvoll war die Bühne, als Oberzunftmeister Edwin Hofmann Punkt Mitternacht allen Aktiven auf, vor, neben, hinter und unter der Bühne sowie allen engagierten Aktiven ganz herzlich dankte.
Autor: Manfred Lange
