Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Februar 2012

„Originelle Münstertäler Votzelzunft“ präsentiert eine bunte Narrenschau

Die "Originelle Münstertäler Votzelzunft" präsentiert in der Belchenhalle eine bunte Narrenschau / Keine Chance für die zehn Gebote .

  1. Weder Gott noch Moses gelang es, den Menschen auf Erden auch nur ein einziges Gebot für die Gesetzestafel abzutrotzen. Foto: Manfred Lange

  2. OZM Frank Schneider (rechts) verlieh die Ehrenmitgliedschaft an (von links) Edwin Hofmann. Frank Weber und Erika Engler. Foto: Manfred Lange

  3. Im Wellnesstempel packten die Damen ganz schön zu. Foto: Manfred Lange

MÜNSTERTAL. Erstmals gingen die beiden großen Zunftabende der Originellen Münstertäler Votzelzunft (Ori-Müvo) am Freitag und Samstagabend unter der Stabführung des neuen Oberzunftmeisters (OZM) Frank Schneider über die Bühne der Belchenhalle. Dieser war 2011 im 55. Jahr des Zunftbestehens zum Nachfolger des langjährigen OZM Edwin Hofmann gewählt worden, der seinerseits zum Ehrenvorsitzenden der Ori-Müvo ernannt wurde.

Die Erfahrungen aus den vergangenen 55 Jahren gaben weitgehend den organisatorischen Rahmen vor für ein im wahrsten Wortsinn farbenprächtiges Bühnenprogramm, in dem in diesem Jahr speziell die Tanz-Garde-Gruppen (inklusive der Männerbeine) hervorstachen mit einer tollen Choreografie, mit optischer und akustischer Perfektion und mit faszinierenden Bühnenbildern.

An lokalen und hausgemachten "Fettnäpfchen" konnten sich die Narren in der vergangenen Saison wenig laben, zumal negative umwelt- oder finanzpolitische Themen ohnehin nicht das tägliche Brot der Narren sind. Da blieben die Talnarren lieber gleich auf dem Rathausplatz, wo sich traditionsgemäß allwöchentlich die Marktwieber zum ausgiebigen Dorftratsch treffen, den Ebner-PartyService ebenso aufs Korn nehmen wie den benachbarten Ebner-Begg, die Gutmann’sche Papstbank genauso wie den kommunalen Winterdienst. Den Letzteren stellten die diensthabenden Straßenfeger dann klar unter das salzfreie Umweltmotto: "Bahne – jo, streie – nei!"

Werbung


Eine klare Anlehnung an gewisse ortsansässige Etablissements war der glänzend präsentierte "Wellnesstempel Sanfte Hand". Dabei gingen die diensthabenden fünf Damen bei ihrer Knetarbeit an den recht gut beleibten Herren gar nicht so zimperlich um, schließlich haben Physiotherapeutinnen und Kunden alle dasselbe Ziel: gesund bleiben – fit werden! Nachdem sich Matthias Riesterer (als unverbesserlicher Verkehrsteilnehmer ohne Führerschein) und Daniel Siegel (als Verkehrspsychologin) ein wortgewaltiges Sketch-Duett geliefert hatten, war die Bühne frei für eine geradezu pompöse Bühnenszene ganz in rot-weiß. In der Inszenierung von OZM Frank Schneider hatten sich die Mitglieder des Fanfarenzuges in einer Hommage an den Kölner Karneval als Alaaf-Jecken kostümiert und als gut eingestimmte Kölsche "Blos- und Bums-Kapelle" präsentiert – so perfekt, dass vom Publikum am Ende eine Wiederholung des Kölscher "Viva-Colonia" gefordert wurde.

Animiert vom künftigen Großeinkaufszentrum in Münstertal glossierten fünf junge Zunftmitglieder den Möbelmarkt Ikea und dessen Zweigniederlassung im Tal, wo das Einkaufsgebaren der einheimischen Kunden vom Verkaufspersonal auf eine harte Probe gestellt wurde. Probleme gab es auch in der nächsten Szene mit dem Titel "Tatort Männerklo", diesmal indes beim sprichwörtlichen Wasserlassen.

Gut kostümiert als Stierkämpfer alberten Timo Hofmann, Jörg Hofmann und Rene Pfefferle vor und hinter der Kulissenbühne.

Ein grandioses Bühnenbild – Gott Vater (alias Achim Leberer) über den Wolken thronend – gab den Background ab für den Sketch "10 Gebote". Die steinerne Gesetzestafel in Moses Händen (glänzend gespielt von Timo Hofmann) blieb letztlich leer angesichts der zahlreichen Einwände der Menschen da drunten auf der Erde, die weder dem Sonntagsgebot noch dem "Du sollst nicht lügen, Du sollst nicht stehlen" zustimmen konnten beziehungsweise wollten.

Höhepunkt und Abschluss des Programms war eine von Bernd Pfefferle als Fernsehkunde moderierte Potpourri-Folge, initiiert und einstudiert von Bettina Sieber und präsentiert von einem gesanglich-musikalischen Septett, das die Vielfalt der Fernsehkanäle aufs Korn nahm und – nicht ganz nebenbei – dem Alt-OZM Edwin Hofmann in dem ihm zugewiesenen Fernsehsessel eine eigene Gesangslaudatio widmete.

Akustisch und optisch gewürzt wurde das Bühnenprogramm mit den Tanzdarbietungen der verschiedenen Ballettgruppen – den Barbie-Tanzmädchen, den Disco-Tänzerinnen, der Weltall-Tanzgarde und dem Männerballett. Für Regie und Ansage zeichneten verantwortlich Simone Gutmann und Bernd Pfefferle, und für die stimmungsvolle Begleitung durchs Programm führten an beiden Zunftabenden die "Original Obersteiger Musikanten".

Rappelvoll war die Narrenbühne beim Finale, bei dem der neue OZM Frank Schneider die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft überreichte an die drei altverdienten Zunftmitglieder: Edwin Hofmann (gleichzeitig Ehrenvorsitzender) sowie Erika Engler und Frank Weber.

Autor: Manfred Lange