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04. Oktober 2012

Satte Riffs und mitreißende Rhythmen

Von Mozart bis Eric Clapton: Das Duo Magic Acoustic Guitars bietet in der Geigenbauwerkstatt ein vielseitiges Repertoire.

  1. Beim Werkstattkonzert wird geklopft, geschrubbt, gehämmert und getrommelt: Roland Palatzky (links) und Matthias Waßer Foto: Gabriele Hennicke

MÜNSTERTAL. Akustische Gitarrenmusik vom Feinsten bot das Duo Magic Acoustic Guitars beim Werkstattkonzert in der Geigenbauwerkstatt von Ralf Schumann in Münstertal. Und es gab noch mehr zu sehen und zu erleben: Geigenbaumeister Ralf Schumann zeigte in der Pause, wie er Klangeinstellungen mit Akupunktur macht, und bot Einblick in seine neue Werkstatt.

Die etwa 50 Gäste in der Werkstatt sind ganz nah dran an den Schwäbisch Haller Gitarristen. Es gibt nicht nur viel zu hören, sondern auch viel zu sehen: Atemberaubende Finger- und Schlagtechnik, mitreißende Rhythmen, schnelle Riffs.

Das Repertoire der beiden Musiker geht quer durch alle Genres der Gitarrenmusik von Klassik über Jazz, Rock, Blues, Flamenco und Latin. Los geht es mit Carlos Santanas "Europa", das ruhig und gefühlvoll anfängt und dann immer rhythmischer wird, immer mehr abgeht.

Musiker entwickeln eigene Versionen

Die beiden Musiker spielen keine Coverversionen. Sie nehmen ein Stück, das ihnen gefällt, als Ausgangspunkt und entwickeln dann ihre eigene Version. "Wir sind immer wieder selbst überrascht, was dabei rauskommt", sagt der Mann mit dem schwarzen Hut, Matthias Waßer, der mit launigen Kommentaren durchs Programm führt.

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Spätestens bei der Eigenkomposition Mexicalero, einem fetzigen Latin-Stück, ist es um das Publikum geschehen: da wird mit dem Kopf und den Füßen gewippt, Finger trommeln auf Schenkel, ein Lächeln, Begeisterung erscheint in den Gesichtern. Wer die Augen schließt, meint, die beiden hätten noch einen Percussionisten dabei. Den braucht es nicht, denn die beiden besorgen das selbst. Da wird geklopft, geschrubbt, gehämmert und getrommelt, auf Gitarrenkörper, Gitarrenhals und Griffbrett, mit der ganzen Hand, den Fingern oder dem Plektrum und so eine ganze Rhythmusgruppe ersetzt. Selbst ein Holzbrett auf dem Boden kommt per Stiefel als Pauke zum Einsatz.

Die beiden können auch gefühlvoll: Bei Peter Greens "Albatros" von 1964, entsteht Gänsehaut-Feeling, so träumerisch zart kommt das Stück rüber. Und bei "Tears in heaven" von Eric Clapton entwickelt sich eine besinnliche, intime Stimmung.

Matthias Wassmer hatte vor drei Jahren an einer seiner Gitarren eine Klangeinstellung von Geigenbaumeister Schumann (57) machen lassen. Vom Ergebnis war er begeistert, so entstand die Idee zum Werkstattkonzert.

In der Pause demonstriert Ralf Schumann im Schnellverfahren, wie er eine Klangeinstellung vornimmt. Ein etwa 15 Zentimeter langer Riss an einer von Matthias Waßers Gitarren war zwar vom Gitarrenbauer fachmännisch repariert worden, hatte aber klangliche Veränderungen mit sich gebracht. Ralf Schumann klopft die Gitarre mit den Händen und einem kleinen Holzstab ab und erklärt, was er hört. "Hier klingt sie tief, hier hoch, das sollte gerade anders herum sein". Mit einer kleinen Nadel, ähnlich einer Nähnadel, setzt er feine, nur ein Zehntelmillimeter tiefe Pikser. Am Gitarrenkörper, am Gitarrenhals, am Griffbrett. Das war’s. Matthias Waßer ist beeindruckt. Schnell spielt er ein paar Griffe und Riffs. "Wow! Sie ist jetzt viel kräftiger im Ton, ich muss weniger Energie reinstecken, damit der Ton kommt".

Auch das Publikum kann den Unterschied in der Akustik der Gitarre wahrnehmen. Normalerweise ginge diese Behandlung noch stundenlang weiter, immer feiner würde die Klangeinstellung, erklärt Schumann.

Sirtaki-Musik für Costa Cordalis

Im Konzert geht es mit Flamencomusik weiter. Die Gitarristen, besonders Roland Palatzky, der ganz in Weiß auftritt, beeindrucken mit ihrem rasanten Tempo. Plötzlich erklingen Kastagnetten. Eine Tänzerin? Nein, das Plektrum auf dem Griffbrett! Dann: Sirtakimusik. Sie ist Costa Cordalis gewidmet. Der hatte während eines Konzerts der Gitarristen in Schwäbisch Hall, versucht, einen Weltrekord im Sirtakitanzen mit 5000 Beteiligten zu erreichen. Der Sirtaki verschmilzt mit der Filmmusik zum Thriller "Der dritte Mann" aus den 40er Jahren.

Zum Schluss gibt es Mozarts "Rondo alla turca". "Wir hoffen, dass es Mozart gefallen wird ", meinen die beiden Gitarristen. Das Publikum in der Geigenwerkstatt ist auf jeden Fall begeistert, großes Geklatsche und Gejohle, zwei Zugaben. Es ist einfach Magic! Und die Musiker wollen wieder kommen, nächstes Jahr im September.

Info: Das nächste Konzert in der Geigenbauwerkstatt, ein Violinsoloabend mit Ines Then-Bergh, Geigerin beim SWR-Orchester, findet am Dienstag, 30. Oktober um 20 Uhr statt.
http://www.geigenbau-schumann.de

Autor: Gabriele Hennicke