Kunst

Die Ausstellung "The Live Creature" in La Kunsthalle Mulhouse

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 16. Februar 2018

Mulhouse

Die aktuelle Ausstellung "The Live Creature" in La Kunsthalle Mulhouse.

Ein Buchzitat als Ausstellungstitel. "The Live Creature", übersetzt: "Das lebendige Wesen" ist ein Kapitel in John Deweys philosophischer Untersuchung "Kunst als Erfahrung" aus dem Jahr 1934 überschrieben. Als Vertreter des amerikanischen Pragmatismus sah Dewey Kunst in der gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit verankert und durch ihre soziale Funktion legitimiert. Nicht das Kunstwerk, der Erwerb von "Erfahrung" gilt ihm als wesentliches Produkt von Kunst.

Der 2006 verstorbene amerikanische Künstler Allan Kaprow übertrug Deweys Gedanken auf seine Kunstpraxis sozialer Interaktion in Happenings und Aktionen. Kaprows Projekt "Other Ways", das die Einbindung von Künstlern in den schulischen Unterricht erprobte, erlebt in La Kunsthalle Mulhouse eine Neuauflage. In den Projekten und Arbeiten der sechs beteiligten Künstler geht es im weitesten Sinn um das Verhältnis von Kunst und Leben: Kunst als Werkzeug für ein besseres Verständnis und eine sinnvollere Organisation des Lebens.

Thematisiert Aimée Zito Lemas Tanzstück "Score for Mother and Child" Körpererfahrung, so handelt Anna Craycrofts monumentale Installation, für die sie das Design pädagogischer Anstalten des 19. mit der Bildsprache der Kunst des 20. Jahrhunderts mixte, von architektonischer Symbolik in Schule und Museum. Während Adelita Husni-Beys mit "White Paper: Land, Law an the Imaginary" eine kritische Diskussion über das Verschwinden von Gemeinschaften, über Privatisierung und die Schutzlosigkeit von Mietern gegenüber Immobilienspekulation anstoßen will – nicht ohne Mikro-Utopien zu entwerfen, Alternativen, Modelle für solidarisches Zusammenleben.

Termine: La Kunsthalle Mulhouse, 16, Rue
de la Fonderie. Bis 29. April, Mi bis Fr 12–18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa, So 14–18 Uhr