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29. Oktober 2015

Bluesharp-Gipfel mit Schleife drum

Mitch Kashmar, Steve Baker und Blues & Boogie Kings in Oberhof.

  1. Mit Mitch Kashmar (links) und Steve Baker gaben sich zwei Größen der Bluesharp im Café Verkehrt die Ehre. Foto: Jörn Kerckhoff

MURG-OBERHOF. "Geiler Club, das ihr da habt." Selbst eine Legende wie Steve Baker ist offenbar noch zu beeindrucken. Seit 40 Jahren ist der Mann mit der Blues-Harmonika in den Clubs dieser Welt unterwegs, am Dienstag adelte er das Café Verkehrt in Oberhof mit seinem Besuch und seinem Kompliment mit britischem Akzent. Und als wäre ein Großmeister der Bluesharp nicht schon genug, hatte Til Erb für die vierte Auflage des Blues-Cafés mit Mitch Kashmar gleich noch einen zweiten engagiert.

Für Fans des Blues und der Harmonika war es ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Da standen tatsächlich zwei ganz Große ihres Genres gemeinsam auf der Bühne. Baker und Kashmar – das war für die Gäste am Dienstagabend tatsächlich mal wie Ostern und Weihnachten an einem Tag. Und Geschenke bekamen sie auch, in Form zahlreicher Blues-Leckerbissen, die die zwei Giganten der Bluesharp in drei Gängen servierten. Mit der Formation Blues and Boogie Kings wurde dann noch die Schleife drum gemacht.

Jan Hirte (Gitarre), Andreas Bock (Schlagzeug) und Niels von der Leyen (Piano) sind ebenfalls Größen ihres Fachs. In der deutschen Blues-Szene zählen sie zur absoluten Oberklasse, die Blues and Boogie Kings haben sie als Begleitband gegründet, um Stars des Blues auf die Bühne zu bringen. Dabei ist der Begriff Star im Blues eigentlich unangebracht. Der Blues lebt auf der Straße und lässt keine Allüren zu. Der Blues beschreibt mehr den Schatten als das Licht des Lebens, Stargehabe ist da nicht angebracht.

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Das haben auch Baker und Kashmar ganz offensichtlich nicht nötig. Sie zählen zu den weltbesten Blues-Harmonika- Spielern, bewegten sich aber im Café, als wären sie zufällige Gäste, während der jeweils andere auf der Bühne stand. Den Anfang machte dort Steve Baker, dann bekam Mitch Kashmar seinen Auftritt und im dritten Set kam es dann zum Gipfeltreffen im Café: Baker und Kashmar griffen beide zur Harmonika und versetzten ihr Publikum damit in Verzückung. Zwei Meister ihres Fachs, die sich auf Augenhöhe begegnen und miteinander den Blues spielen, als gäbe es kein Morgen. Mal spielten sie im Duett, dann schienen sie mit ihren Mundharmonikas eine Unterhaltung zu führen, stachelten sich gegenseitig und damit auch das Publikum an. Zwischendrin immer wieder Soli mit Gitarre, Drums oder Piano – da zeigten auch die Blues and Boogie Kings, dass sie mehr sind als einfach nur Begleitmusiker.

Gemeinsamer Auftritt ist wie Ritterschlag fürs Café

Mit Kashmar ist die Formation seit drei Jahren auf Tour, Steve Baker wurde für mehrere gemeinsame Konzerte gewonnen. Dass einer dieser gemeinsamen Auftritte im Café Verkehrt stattfand, war für die Bluesfans der Region ein Glücksfall und für das Café beinahe der Ritterschlag als Kulturkneipe.

Die Gäste waren jedenfalls völlig hin und weg, kamen in den Pausengesprächen aus dem Schwärmen kaum heraus. Mit dem Blues-Café hat die Hotzenwälder Kleinkunstbühne ein Format gefunden, das große Musiker und Publikum beidermaßen nach Oberhof lockt. Kein Wunder, dass auch Til Erb am Dienstagabend ein wenig ergriffen wirkte, dabei hat der Mann an den Tonreglern schon mit vielen Musikern zusammengearbeitet.

Autor: Jörn Kerckhoff