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31. März 2017

"Gefällt dir das, Baby?"

Der große Bluesmusiker James Armstrong stellte in Oberhof seiner Gitarre nur rhetorische Fragen.

  1. Ein cooler Bluesmann: James Armstrong ließ beim Konzert im Oberhofer Café Verkehrt auch eine Zuhörerin ran an die Gitarre. Foto: Jörn Kerckhoff

MURG-OBERHOF. "Ich bin wahrscheinlich der einzige Bluesmusiker, der je gesurft ist." James Armstrong gab sich am Mittwochabend im Blues-Café der Hotzenwälder Kleinkunstbühne" (HKKB) im Oberhofer Café Verkehrt die Ehre und erzählte die ein oder andere Geschichte aus seinem Leben. Da er in Los Angeles geboren wurde, war der Weg zum Surfen natürlich nicht weit. Ähnlich wie Armstrongs Weg zur Musik. Der Vater war Jazz-Gitarrist, die Mutter Blues-Sängerin. James Armstrong hat beides aufgegriffen, spielt Gitarre und singt.

Armstrong gehört zu den Großen des Blues-Genres. Der fast 60-Jährige – am 22. April feiert er Geburtstag – hat mit vielen anderen Größen gespielt und ist als Songschreiber gefragt. Sein Song "Bank of Love" gehört zum Soundtrack des Films "Speechless" (Sprachlos) mit Geena Davis, Michael Keaton und Christopher Reeve. Neben einigen Coversongs wie "Addicted to Love" von Robert Palmer hatte Armstrong viele eigene Songs im Repertoire. "Jetzt kommt ein Song von mir. Moment, ist der von mir? Ja, doch."

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Genial, witzig, charmant und ganz nah am Publikum

James Armstrong ist ein genialer Musiker, witzig und charmant auf der Bühne. Distanz zum Publikum ist ihm fremd. Mitten im Konzert kommt er plötzlich von der kleinen Bühne des Cafés, geht mit seiner Gitarre durchs Publikum und beeindruckt vor allem die weiblichen Gäste mit seinem Spiel. Eine bringt er sogar dazu, mit ihm zusammen auf seiner Gitarre zu spielen. Mann, der hat’s einfach drauf.

Beim Blues vermutet man immer Musiker, die von einem unglaublich schweren Leben im Slum erzählen, geprägt von Gewalt, Alkohol und enttäuschter Liebe. James Armstrong ist da anders. Er erzählt vom Leben am Strand von Los Angeles und von den vielen Begegnungen, die er in seinem Leben hatte. Unter anderem mit Chuck Berry. Bei einem letzten Kontakt habe er ein Treffen mit dem unvergleichlichen Blues- und Rock-’n’-Roll-Musiker verschoben. Dann starb Berry am 18. März. "Schiebt nie etwas auf", lautet Armstrongs Rat an sein Publikum. Armstrongs Gitarrenspiel gleicht einer Liebesnacht. Er bringt seine Gitarre zum Stöhnen und Schreien und fragt sie dann: "Gefällt dir das, Baby?" Die Antwort klingt eindeutig.

Gemeinsam mit der Henry-Carpaneto-Band war Armstrong in den vergangenen Wochen auf Tour. 19 Konzerte in 25 Tagen zog das Quartett durch. Neben Armstrong spielen Henry Carpaneto an den Keyboards, Eric Lebeau am Bass und Emanuele Rivera am Schlagzeug. "Bis vor zwei Wochen habe ich die Jungs nicht gekannt, und jetzt hört euch an, wie sie den Blues spielen."

HKKB und Blues-Café sind eine Erfolgsgeschichte, die schon am Mittwoch, 26. April, fortgeschrieben wird. Larry Garner und die Norman Beaker Band sind dann zu Gast. Das Blues-Café beginnt jetzt immer schon um 20 Uhr, mit Rücksicht auf all jenee, die am nächsten Tag arbeiten müssen.

Zwei Konzerte gibt’s am Wochenende im Café Verkehrt: "Deep Dive Dub" bieten Dub Spencer & Trance Hill diesen Freitag, 31. März, ab 21 Uhr, und auf ihrer 30-Jahre- Jubilee-Tour ist die Band X-Bluesive am
Samstag, 1. April, ab 20.30 Uhr zu Gast.

Autor: Jörn Kerckhoff