Holzlamellen prägen Ärztehaus

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mi, 12. September 2018

Murg

Das neue Konzept für das Projekt in Murg findet im Gemeinderat ungeteilte Zustimmung, die Architektur aber sorgt für Diskussionen.

MURG. "Bitte, erschrecken Sie nicht", sagte Architekt Dieter Merz, als er am Montag im Murger Gemeinderat den neuen Entwurf für das Ärztehaus mit Apotheke vorstellte. Dessen Fassade ist nun mit auffälligen Holzlamellen verblendet. Das Plenum befürwortete einstimmig den Entwurf und das Konzept, das eine gemischte Nutzung und eine ebenso gemischte Eigentümerstruktur vorsieht, sowie den nötigen Abbruch des alten Rathauses. Die Kosten dürften vier bis fünf Millionen Euro betragen.

Das Gremium beschloss am Montagabend , den Abbruch beschränkt auszuschreiben, und ermächtigte Bürgermeister Adrian Schmidle, dem günstigsten Bieter dann den Auftrag zu erteilen.

Verbindung zum Rathaus
War beim ersten Konzept von November 2017 für das Ärztehaus der Bad Säckinger Arzt und Pharmazeut Wolfgang Ullrich als Alleininvestor aufgetreten, so ist nun die Trenova Immobilien GmbH aus Bad Säckingen der Bauträger. Neuer Architekt ist Dieter Merz aus Bad Dürrheim. In einem Verbindungstrakt zwischen dem Neubau und dem benachbarten Rathaus wird ein 80 Quadratmeter großes Foyer mit dem Bürgerbüro der Gemeinde untergebracht, zusätzlich entstehen auf 176 Quadratmetern Büroflächen für das Bauamt. Beide Funktionsbereiche werden der Gemeinde Murg gehören.

Im Erdgeschoss entsteht auch eine 154 Quadratmeter große Apotheke, die der Familie Ullrich gehört. In deren Besitz ist auch das 343 Quadratmeter große erste OG, in das das Hausärztliche Zentrum des Laufenburger Mediziners Andreas Oeschger einzieht. Geplant sind sechs Behandlungs- und zwei Operationsräume, weitere Funktions- und Wartebereiche sowie ein behindertengerechter Lift. Das zweite Obergeschoss erwirbt die Gemeinde. In den 150, 76 und 62 Quadratmeter großen Gewerbeeinheiten (jeweils mit Terrasse) will die Verwaltung weitere Ärzte oder arztnahe Berufe ansiedeln. "Als Gemeinde haben wir einen langen Atem und können warten, bis sich der richtige Interessent meldet", erklärte Schmidle. "Ein einziger Investor wäre hingegen daran interessiert, so schnell wie möglich zu vermieten."

Im dritten Obergeschoss gibt es zwei Eigentumswohnungen à 135 Quadratmeter. In der Tiefgarage, die über die Zufahrt beim Rathaus angefahren werden muss, entstehen 18 Stellplätze (sechs davon für die Gemeinde), außerdem ein Archivraum und eine Übergabestation für die Fernwärme aus der zentralen Holzhackschnitzelanlage.

Vorbehandeltes Weißtannenholz
Das Nutzungskonzept wurde einhellig begrüßt, die Architektur indes sorgte für Diskussionen: Die Fassade wird im Norden gänzlich, auf der Ost- und Westseite teilweise mit Holzlamellen verblendet. Das Weißtannenholz wird vorbehandelt, damit die Lamellen einheitlich aussehen und mit der Zeit gleichmäßig vergrauen. Da die Lamellen in einem leichten Winkel zur Straße angebracht würden, wirke die Fassade je nach Blickwinkel (und besonders bei nächtlicher Innenraumbeleuchtung) durchsichtig, sagte Markus Brands von Trenova. Roland Baumgartner (FW) bekannte, dass er beim Anblick des Entwurfs zunächst "erschrocken" sei.

Arzt Oeschger regte an, eine Kurzzeitparkzone für ältere und gehbehinderte Patienten zu schaffen, worauf Schmidle versicherte, dass beim weiteren Ausbau der Murger Mitte an der Hauptstraße Längsparkplätze angelegt würden.

"Ich bin gespannt, wie das Haus bei der Bevölkerung ankommt", erklärte der Rathauschef im Gemeinderat. Wichtig sei jedenfalls – ganz unabhängig von der Gestaltung –, ein Ärztehaus mit Apotheke in die Gemeinde zu bekommen. Bis November sollte der Abbruch des alten Rathauses erfolgt sein, und im Januar 2019 möchte der Investor mit den Bauarbeiten beginnen, damit das Haus Mitte 2020 eröffnet werden kann.

Die Gemeinde gibt für den Erwerb des zweiten Obergeschosses gut eine Million aus. Dazu gründet sie einen Eigenbetrieb. (Wir werden noch darüber berichten.)