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06. Februar 2010
Mundhygiene will gelernt sein
Der Murger Zahnarzt Klaus de Cassan engagiert sich seit zehn Jahren für Hilfsorganisation / Aktueller Einsatz auf den Philippinen
MURG. Der Murger Zahnarzt Dr. Klaus de Cassan verlässt für zwei Wochen seine Praxis am Bürgerplatz und fliegt heute, Samstag, auf die Philippinen. Auf der Insel Samar wird er für das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) in einem medizinischen Versorgungszentrum zehn Freiwillige in Zahnprophylaxe ausbilden. Zerstörte Gebisse durch fehlendes Fluorid und mangelhafte Mundhygiene sind bei den Inselbewohnern weit verbreitet.
De Cassan reist mit schwerem Gepäck. Eingepackt hat er neben ein paar Hosen und Hemden zwölf dicke Hefte mit von ihm in Englisch verfasstem Lernmaterial. Mit dabei sind außerdem 20 Schachteln Fluoridlack, Kautabletten zur Einfärbung von Zahnbelägen und natürlich sein Laptop. Auf dem Computer hat er eine Präsentation mit Bildern und Videofilmen gespeichert, die sehr eindrücklich Sinn und Zweck der Zahnpflege erklärt. Eine ausreichende Fluorversorgung schützt neben dem regelmäßigen Zähneputzen am besten vor Zahnschäden, lautet die Quintessenz. Deshalb hat de Cassan per Schiff 600 Zahnbürsten und Becher vorausgeschickt und außerdem noch 50 Kilo fluoridiertes Kochsalz per Luftfracht. "Auf den Philippinen gibt es zwar jodiertes Speisesalz, aber noch kein fluoridiertes", bedauert der Zahnarzt. Ein Problem, das er in absehbarer Zeit aber für lösbar hält.Werbung
Seit mehr als zehn Jahren ist Klaus de Cassan für Deutschlands größte zahnärztliche Hilfsorganisation ehrenamtlich im Einsatz. Um Projekte zu betreuen, die in erster Linie auf Hilfe zur Selbsthilfe ausgerichtet sind, bereiste er neben den Philippinen auch Südamerika und Kambodscha – immer auf eigene Kosten, versteht sich. Die von einer deutschen Krankenschwester initiierte und geleitete Krankenstation in Bugko auf der Insel Samar besuchte er zuletzt im September 2009. Das HDZ hatte sich am Aufbau des Versorgungszentrums beteiligt. Bei seinem Besuch konnten sich Inselbewohner von de Cassan kostenlos behandeln lassen. Bereits am ersten Tag kamen hunderte. "Nach teilweise stundenlanger Anreise erschienen schon früh am Morgen die ersten Patienten", erzählt de Cassan. Ein Stromausfall, der letztlich zwei Tage dauern sollte, brachte den 66-Jährigen zwar ins Schwitzen, aber nicht aus der Ruhe. Ohne Mundlicht und Ventilator bei 35 Grad im Schatten, dafür aber mit Taschenlampe als Lichtersatz und Palmenfächer zur Kühlung, versorgte er von früh bis spät Patienten. Anders als zunächst befürchtet, war der fehlende Strom bei der Behandlung kein allzu großes Hindernis. Zum Einsatz kamen ohnehin fast nur Spritze und Zange: Viele Zähne waren derart zerstört, dass sie nur noch gezogen werden konnten.
Für de Cassan war nach dieser Erfahrung klar: "Prophylaxe ist angesagt." Dafür hat er in Zürich den Flieger bestiegen. Nach einem Zwischenstopp in Katar wird er am Sonntag in Manila eintreffen und spätestens am Dienstag in Bugko sein. Es sind zwar nur anderthalb Flugstunden von Manila bis dorthin. Aber ob das Flugzeug tatsächlich fliegt und ihn mit seinem 20 Kilo schweren Gepäck mitnimmt, weiß er noch nicht. Wenn nicht, wird er halt über Land und mit der Fähre reisen. Dauer: Ungefähr 27 Stunden.
Das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) realisierte seit seiner Gründung 1987 weltweit rund 900 Projekte. Das Jahresbudget von einer Million Euro stammt überwiegend aus dem Erlös von Zahn- und Altgold. Versandtüten, in denen das Altgold an das HDZ geschickt werden kann, halten viele Zahnarztpraxen bereit.
Autor: Christiane Weishaupt
