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15. November 2017

Murg sagt Ja zum Ärztehaus

Neubau im Ortszentrum soll Verbindung zum Rathaus bekommen / Das Hausärztliche Zentrum Laufenburg will einziehen.

  1. Ein prägendes Gebäude zu werden verspricht das Ärztehaus am Standort des alten Rathauses. Foto: Plan: Architekturbüro Männer/Repro: Michael Gottstein

MURG. Die Pläne des Bad Säckinger Arztes und Pharmazeuten Wolfgang Ullrich für den Bau eines Ärztehauses mit Apotheke im Ortszentrum von Murg (siehe BZ vom vorigen Dienstag) finden die einmütige Zustimmung des Gemeinderats. Für das Projekt soll das alte Rathaus weichen, in dem derzeit die Bücherei, das Heimatmuseum und ein Versammlungssaal untergebracht sind. Die Verwaltung will alternative Räumlichkeiten dafür suchen.

Wie Bürgermeister Adrian Schmidle berichtete, seien die Ärzte aus dem Hausärztlichen Zentrum Laufenburg auf ihn zugetreten, weil sie in der Waldstadt neue Räumlichkeiten gesucht, aber nichts Passendes gefunden hätten. Die Gruppe besichtigte daraufhin den Neubau der Murgtalschule, der nach dem besiegelten Ende der Sekundarschulausbildung leer stehen wird, das Mühleareal sowie das alte Rathaus. Dessen Standort wäre nach Ansicht des Lörracher Architekten Michael Balint für ein Ärztehaus ideal.

Wie der zweite Architekt, Stephan Männer aus Maulburg, dem Gemeinderat darlegte, soll der Neubau dicht neben das neue Rathaus gesetzt und durch einen verglasten Trakt mit diesem verbunden werden: Dort entsteht ein Eingang für das Rathaus, in dem eine neue Empfangssituation geschaffen werden soll. Die Pläne sehen vor, das Rathaus zu erweitern, indem im Erdgeschoss auf 172 Quadratmetern neue Büros für das Bauamt geschaffen werden, das von seinem jetzigen Standort im Gewerbegebiet West ins Murger Zentrum umziehen soll.

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Nebenan werden im Erdgeschoss 140 Quadratmeter für die Apotheke zur Verfügung stehen. Ein zweiter Eingang führt zu einem Treppenhaus mit Aufzug. Die Obergeschosse ragen etwas über das Erdgeschoss heraus, so dass für Fußgänger eine Art Arkade entsteht. Im ersten Obergeschoss, also über der Apotheke und den Rathausbüros, sind für das Ärztehaus 360 Quadratmeter vorgesehen. Die Sprechzimmer befinden sich entlang der Hauptstraße, es gibt einen zentralen Empfang, einen Wartebereich, zwei OP-Räume für kleinere Eingriffe sowie weitere Funktionsräume und einen Personalbereich.

Im zweiten Obergeschoss stehen ebenfalls 360 Quadratmeter zur Verfügung. Diese Flächen könnten entweder vom Hausarztzentrum oder weiteren Ärzten oder verwandten Dienstleistern wie Physiotherapeuten genutzt werden. Im zurückgesetzten Attikageschoss ist ein Penthouse von 200 Quadratmetern vorgesehen, dessen Nutzung noch offen ist. Im Untergeschoss soll ein 80 Quadratmeter großer Archivraum untergebracht werden, weiterhin entsteht eine Tiefgarage mit 15 Plätzen. Das Flachdachgebäude soll etwas niedriger werden als das südlich angrenzende Wohngebäude.

Otto Frommherz (CDU) meinte, man könne angesichts der Spitaldebatte den Bau des Ärztehauses nur begrüßen, zumal er sich eine Belebung der Murger Mitte erhoffe. Roland Baumgartner (FW) stimmte zu und sagte, er halte es für sinnvoll, das Bauamt ins Rathaus zu integrieren. "Das Wichtigste ist, dass wir Ärzte bekommen", meinte Schmidle.

Neue Ärzte anzulocken ist sehr schwierig

Dass dies nicht so einfach ist, erklärte der Laufenburger Arzt Andreas Oeschger: "Wir haben große Schwierigkeiten, neue Kollegen an den Hochrhein zu locken und hier zu halten, denn viele gehen dann gleich über die Grenze in die Schweiz – sie bleiben nur hier, wenn die Voraussetzungen optimal sind."

Wolfgang Ullrich, der zusammen mit seiner Tochter Julia vor gut einem Jahr die Schwarzwald-Apotheke (früher Murgtal-Apotheke) an der Ecke Murgtal-/Totenbühlstraße übernommen hat, meinte, man könne in Murg nur eine Apotheke aufrechterhalten, wenn Ärzte vor Ort seien, die Rezepte ausstellten. Und: "Das Haus wird mit Sicherheit vor dem Bad Säckinger Gesundheitscampus fertig sein."

Nach Angaben des Architekten dürfte die reine Bauzeit ein Jahr betragen, und Schmidle rechnet damit, dass zwei Jahre verstreichen dürften, bis das Haus fertig sein werde. Zu den Kosten wurden keine Angaben gemacht. Klar ist, dass die Arbeiten für die Bauabschnitte I und II der Murger Mitte – also die Gestaltung des Rathausplatzes und der Hauptstraße bis zum Friedhof – gestoppt werden, denn das Projekt muss erst mit dem Planungsbüro Faktorgrün abgestimmt werden.

Christine Zaucker, die stellvertretende Leiterin der Bücherei im alten Rathaus, zeigte sich in der Frageviertelstunde von den Plänen etwas überrascht und wollte wissen, was nun mit der Bücherei geschehe. Da ältere Personen und junge Familien mit Kinderwagen zu den Nutzern zählten, "brauchen wir ein Gebäude, das ebenerdig zugänglich ist oder einen Fahrstuhl hat", meinte Zaucker und wünschte sich ein Mitspracherecht bei der Suche nach einem neuen Gebäude.

Schmidle meinte, man werde prüfen, ob der Neubautrakt der Murgtalschule für die Aufnahme der Bücherei und des Heimatmuseums geeignet sei.

Autor: Michael Gottstein