Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. März 2013

Philosophien hart am Rande zum Bitterbösen

Stiller Has im Café Verkehrt.

  1. Zum siebten Mal: Endo Anaconda und Stiller Has sorgten im Café Verkehrt erneut für eine besondere Atmosphäre. Foto: jörn kerckhoff

MURG-OBERHOF. Da musste Endo Anaconda 58 Jahre alt werden, um als Hoffnungsträger zu gelten. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, deswegen kann ein Hoffnungsträger vielleicht auch nie zu alt sein. Am Samstag trat der Sänger, Texter, Kolumnist und frisch gekürter Träger des Prix Nature Swisscanto Hoffnungsträger mit seiner Band Stiller Has wieder mal im Café Verkehrt in Oberhof auf – vor ausverkauftem Haus.

"Klaus (gemeint ist der legendäre und inzwischen verstorbene Café-Wirt Klaus Reymann) hat mir damals einen Zehnerblock gegeben. Das ist jetzt wohl unser siebtes Konzert hier", begrüßte Anaconda die Besucher. Demnach dürfen sich die Hasen-Freunde noch auf mindestens drei Auftritte der Schweizer-Mundart-Combo freuen. Und wahrscheinlich gibt es dann einen neuen Zehnerblock von der Hotzenwälder Kleinkunstbühne (HKKB).

Sämtliche Parkplätze rund um die Kultkneipe waren am Samstag belegt. Die Parkplatzsuche sorgte mal wieder für die Vorfreude auf einen Café-Besuch, die in den 80er Jahren selbstverständlich war. Der Auftritt von Stiller Has hatte schon etwas von Gute-Alte-Zeit-Atmosphäre.

Werbung


Endo Anaconda singt gegen Atomkraft, Flugreisen und gegen die Maßlosigkeit der Gesellschaft. Er selbst versucht einen möglichst nachhaltigen Lebenswandel zu führen, er motzt also nicht nur, er geht mit gutem Beispiel voran. Eben dies hat ihm nun einen Umweltpreis eingebracht. Natürlich läuft jemand mit so einem Lebenswandel immer Gefahr, dass er einen Heiligenschein aufgesetzt bekommt und in die Schublade mit der Aufschrift "Gutmensch" gesteckt wird.

Nicht der Stiller-Has-Frontmann. Sein Humor ist bissig, seine Wortwahl gerne politisch unkorrekt. Seine Philosophien hart am Rande der Philosophie sind manchmal bitterböse. "Ich weiß nicht, ob sich mit der neuen Dragqueen etwas ändert." Wer denkt da schon, dass der Sänger über den neuen Papst spricht?

In seinen Liedern verpackt er die Gemeinheiten so zart und sanft und lyrisch, dass man als Zuhörer direkt ins Träumen kommen könnte, selbst wenn sich das Lied um die Verdorbenheit der Welt dreht. Die Besten sterben jung, sagt man. Dass dieser Zug für ihn längst abgefahren ist, weiß auch Endo Anaconda. Deswegen lautete sein Rat an das Publikum: "Genießt das Alter, es geht viel länger als die Jugend."

Autor: Jörn Kerckhoff