Schnuregiige und Chaibekurgäscht

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Sa, 04. Juni 2016

Murg

Viel Applaus für alemannische Lesung mit dem Mittelalterstammtisch und Grex Fabula in Hänner.

MURG-HÄNNER. "E fröhliche Obe, ihr Preuße und Schwobe". Schon bei der Begrüßung wurde deutlich, dass es ein humorvoller Abend werden sollte, der den alemannischen Dialekt in den Mittelpunkt stellt. Auf Einladung der Muettersprochgsellschaft Hochrhii-Hotzewald gab der Mittelalterstammtisch Hochrhein mit seiner vereinseigenen Märchen- und Erzählgruppe Grex Fabula eine alemannische Lesung im Café Heimelig in Hänner.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen geht auf den vierten Advent 2015 zurück. Angetan von einem Auftritt Grex Fabulas im Zechenwihler Hotzenhaus in Niederhof sprach die Vorsitzende Erika Hirtler eine Einladung zum Stammtisch der Muettersprochgsellschaft aus. Nun war es soweit: "Josefine von Alcamo" (Giuseppa Messano), "Gunnar vom Siechenhofplatz" (Günter Butz), der "Held vom Erdbeerfeld" (Daniel Giebson) sowie Moderatorin "Nephilim" (Andrea Griesser) wurden mit Gedichten Gerhard Jungs im "Heimelig" vorstellig. Eingebettet in sketchartige Schauspielsequenzen wusste Grex Fabula die lyrischen Miniaturen des aus dem Wiesental stammenden alemannischen Mundartdichters zu einer humorvollen, kurzweiligen Vorstellung zu verweben.

Der Anfang gehörte "Sage und G’schichte us längscht vergangene Zitte". Nicht von ungefähr wählte das Ensemble die Geschichte vom eigenbrötlerischen "Moosteufel vo Hänner", der – so die Überlieferung – leidige Diskussionen mit seinen Mitmenschen gerne mit dem Satz beendete: "Halt jo dini Schnööre, suschht…!"

Auf keinen Fall fehlen durfte das Spiel mit Klischees

Nicht fehlen durfte bei einer alemannischen Lesung das Spiel mit Klischees, alemannischen Archetypen und hartnäckig sich haltenden Feindbildern. So bekamen nicht die die "Chaibekurgäscht" (lästige Kurgäste) sowie eine "Berlina Schnuregiige" (Bundeshauptstädter mit großem Mundwerk) ihr Fett ab. Auch die Fahrkünste und Eigenheiten der lieben Eidgenossen werden kräftig aufs Korn genommen. "Mer sott si nit uf d’ Stroß lo, dia Schwizer", sinnierte Gunnar vom Siechenhofplatz. Seine Klage über die große Anzahl von Schweizern im Südbadischen rundet er wie folgt ab: "I mueß sowieso goh, I will no ins Migro!"

Aber auch Philosophisches war im Repertoire des Ensembles zu finden. Wie wird wohl die Zukunft aussehen, fragte sich Josefine in der "Vorschau uff 2022". Alles werde nur noch von Wissenschaft und Technik bestimmt. "Jo sogar de liäbi Gott muess goh d’ Futurologe froge." "Zischtig oder Dunnschtig" thematisierte schließlich den ewigen Kampf der Geschlechter. Um die Frage, ob es jetzt "fünf oder sibe Täg her isch", geraten die Eheleute Gunnar und Josefine so sehr in Streit, dass es auch dem Schwiegervater nur mit Mühe gelingt in Erfahrung zu bringen, was eigentlich – vor fünf oder sieben Tagen – passiert ist. "Mer hän versproche, ass mer niä meh mitenand stritte wänn", so die knappe Auskunft Gunnars.

Für den verdienten Applaus des Publikums bedankte sich Vorsitzende Hirtler mit der Ankündigung einer möglichen Neuauflage der alemannischen Lesung mit dem Mittelalterstammtisch Hochrhein und Grex Fabula.