Von Klimaschutz und 17 Fanfotos

Hildegard Siebold

Von Hildegard Siebold

Fr, 10. Februar 2017

Murg

Die Murger Narren entfernen Bürgermeister "Adi" Schmidle als besonders beratungsresistentes Individuum resolut aus dem Amt.

MURG. Murg ist auf dem besten Weg zur Klimaschutz-Hochburg: Am ersten Faißen drehte sich alles um den Klima-Wahn. Im Rathaus tummelten sich Klima-Clowns, zum Ausschank kam ei-gelber Klimaschutz-Likör, Bürgermeister "Adi" Schmidle wurde von der Narrenzunft in die klimaneutrale Verbannung geschickt und Zunftpräsident Roland I. Ebner übernahm nicht nur dessen Amtsgeschäfte, sondern fungiert ab sofort als stellvertretender ehrenamtlicher Klimaschutzmanager.

Da waren es auf einmal zwei: An der Tatsache, dass die Gemeinde seit September mit Max(imilian) Rüttinger einen eigenen Klimaschutzmanager hat, kamen die Narren nicht vorbei. Vielmehr nahmen sie den "Beuftragte für Klimaschutz" zum Anlass für ihr neues Fasnachtsmotto. Als propeller-geschmückte Clowns setzte das Rathausteam nun noch einen drauf und schuf eine gelungene Symbiose aus Klimaschutz und dem Narrennacht-Motto: "Zirkus – Manege frei der Narretei". Das wiederum bot für Noch-Rathauschef Schmidle den passenden Rahmen, die Beweggründe für die Bewerbung von Narrenpräsident Ebner als stellvertretender Klimaschutzmanager – "natürlich in ehrenamtlicher Funktion, d’Gemeind hät kei Geld" – genau unter die Lupe zu nehmen. "Weil ich ja selber nur auf Halbgas lauf", erklärte Ebner kurz und knapp.

Am Ende stand Ebners "Allianz mit Max"

Am Ende stand "die Allianz mit Max", auch wenn Ebner im Bewerbungsgespräch trotz Publikums-Joker bisweilen strauchelte. "Ich würd 30 näh, aber es goht jo um d’ Frog", witzelte er auf die Frage, wie viele Bierkästen er auf den Feldberg tragen müsste, um ein Kilowatt Strom zu erzeugen.

All diese "klimatischen Ablenkungsmanöver" ließen die Narren aber nie vergessen, worum es eigentlich ging. Beim folgenden Narrengericht in der alten Schulturnhalle schöpfte Chefankläger "Zeremümmel Johannes I." Dietrich aus den Vollen. Zur Sprache kam einmal mehr Schmidles ausschweifende fotografische Selbstdarstellung. Weil es – anders als in Laufenburg, wo zwei Künstler zu Ehren von Adis kongenialem Partner Uli Krieger einen Cartoon-Kalender gestaltet haben – in Murg wohl keine derartigen Schmidle-Fans gebe und de Vökt Werner nicht zeichnen kann, gestaltet der Schultes auf Kosten der Gemeinde einfach sein persönliches Fanheft: das Amtsblättle mit Jahresrückblick und minimum 17 Fotos von Schmidle. "Lieber Adrian, Normalsterbliche lassen ihr privates Fotobuch beim Foto Schmid von der Klomki Angelika machen und it vom Prima Verlag auf Gemeindekosten. Getreu dem Leitbildmotto: It wit laufe, z’Murg ikaufe."

"Aber nicht nur Adis Fotobuch wird gesponsert", verkündete Dietrich. Die eigene Frau zur Tourismuschefin machen und mal gepflegt einen Städtetrip zur CMT einbauen, dokumentiert im Familienalbum – genannt Gemeindeblättle: "Das ist ganz klar private Vorteilsnahme."

In einem herrsche bei der Gemeinde Kontinuität – und zwar seit zehn Jahren. "Ob mit oder ohne Adrian, sie kommen immer mit leeren Händen und gehen mit vollem Magen", unkte Dietrich mit Blick auf den Neujahrsempfang, dessen Einladung Schmidle nach zehn Jahren erstmals folgte – und den Narren gleich ein riesengroßes Ei legte. Dietrich spielte auf das Narrenbaum-Gastgeschenk des Fröscheloch-Echos an. Mit Doppelspitze, die eine schon halber abgerissen, habe der Bauhof das Aufstellen als lebensgefährlich abgelehnt. Und wer hat das Prachtstück ausgesucht: der forst- diplomierte Froschkönig Schmidle. "In Zukunft chasch wieder skifahre über Dreikönig, die Anklage lautet auf totales Versagen", erklärte Dietrich. Man habe es hier mit einem besonders beratungsresistenten Individuum zu tun, da helfe nur die volle Härte des Gerichts.

Auch wenn die Zeugenbefragung von Richter Roli in Sachen kaputter Baum Zweifel an der Schuld aufkommen ließ, kannte das Narrengericht keine Milde. Froschkönig Adrian und Frösche-Chef Jürgen Rück wurden verdonnert, das doppelspitzige Fasnachtswahrzeichen der Fasnacht gemeinsam zum neuen Regierungssitz von Präsi Roland I. zu tragen und ihn aufzustellen. "Macht das richtig – dieses Mal schauen wir darauf", gab Ebner den beiden spitzzüngig mit auf den Weg in eine einjährige Bewährungszeit.