Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

03. Februar 2012

Zur Strafe nach Weil am Rhein

Von Schaumkuss getroffener Armin I. kennt keine Gnade mit "Chillout-Adi" Schmidle / Launige Machtübernahme am ersten Faißen.

  1. Zunächst machte sich Zunftpräsident Armin Eschbach namens des VdJ (Verband der Jecken) noch für das Murger Aktionsbündnis zum Schutz rothaariger Mitbürgerinnen und Mitbürger stark und überreichte (Ex-)Bürgermeister Adrian Schmidle eine Unterschriftenliste (links, beobachtet von VdK-Vormann Wolfgang Lauber), dann erwischte Armin I. das Torpedo eines Schaumkusses mit Schokoladenüberzug zentral (rechts). Foto: Ralph Fautz

  2. Vor der Festnahme noch ein Zäpfle im Kreis der Helgeringer Maidli: Delinquent Schmidle und der neue Narrenbüttel Stephan Sieber (Foto links). Gespannt harrte das Volk im Rathaus der närrischen Machtübernahmetaten (rechts). Foto: Ralph Fautz

  3. Foto: Ralph Fautz

  4. Foto: Ralph Fautz

MURG. Das Herz des Dreiländerecks schlägt höher. Viel höher. Dank Murg. Denn beim Straßenfasnachtsumzug in Weil am Rhein am Sonntag, 25. Februar, muss/wird der – seit gestern ehemalige – Bürgermeister Adrian Schmidle im Gewand des Till Eulenspiegel die Murger Narrenzunft als Fahnenträger begleiten. Und mehr noch: Der VdK-Vorsitzende und Kriegerdenkmalskämpfer Wolfgang Lauber "als Täfelibueb vorweglaufe". Dies jedenfalls ist das Urteil des Narrengerichts, gegeben zu Murgon am ersten Faißen 2012.

Ja, der "Chillout-Adi" Schmidle mit dem "gesteigerten Freizeitbedürfnis", so Zunftpräsident Armin Eschbach, und – körperlich zwar abwesend, aber per Foto gitarrespielend an die Wand des Ratssaals gebeamt – "Eule" Lauber: sie hatten es den Fünftjahreszeitlern besonders angetan gestern bei der Machtübernahme im Rathaus und vor Justitias Schranken im Rheinischen Hof. Indes, ungeschoren kamen die pünktlich um 11.14 Uhr einmarschierenden Narren selbst auch nicht davon. Ehe der Schultes um 12.03 Uhr seufzte: "Jetzt ergebe ich mich in mein Schicksal", piesackte er seine Interimsnachfolger doch ganz gehörig.

Werbung


Von Narrenbüttel Stephan Sieber vom Erd- ins Dachgeschoss des Verwaltungsdomizils geleitet, ließ Schmidle zunächst scharf schießen: "Narren treffen" lautete die Einlage, bei der Gäste des Events für eine Spende an den Kinderumzug ins Antlitz von Armin I. und Zeremonienmeister Johannes Dietrich zielen durften – mit Schaumküssen mit Schokoladenüberzug (vulgär: Mohrenköpfe). Wie so oft im Leben ging mancher Schuss nicht daneben. Das änderte aber nichts daran, dass der Bürgi mit dem "armseligen Häuflein seiner Gefolgschaft" (Eschbach) um die Amtsleiter Nicole Keller und Werner Vökt, getreu dem Kinderumzugsmotto "Murg auf hoher See" alle als Piraten gewandet, am Ende die Schatztruhe mit dem Hausschlüssel, einem Sack voll Geld und ein paar Stück gepressten Traubenzuckers herausrücken mussten.

Zuvor hatte Eschbach noch die Gunst der Stunde genutzt, um Schmidle im Namen des Murger VdJ (Verband der Jecken) eine Liste mit Unterschriften – samt Retournierungsmöglichkeit für den Fall eines Rückziehers – zu überreichen. Unterstützt und propagiert wird damit das Murger Aktionsbündnis zum Schutz rothaariger Mitbürgerinnen und Mitbürger (MASroMM) – mit dem "Murger Denkmalrechtler Wolfgang ,Eule‘ Lauber" als exemplarischem Fall.

Begleitet vom Fröscheloch-Echo, den Fährigeistern und den Helgeringer Maidli schritten die – von Schmidle für die tollen Tage mit Kennkarten samt Namenseintrag und Foto ausgestatteten – Räte über die B 34 zum Tribunal. Chefankläger Johannes forderte ganz und gar resolut, den "bedauernswerten Fehlgeleiteten" zu verurteilen. Die Weigerung, die 2011er Strafe anzutreten; ein von der Gemeinde nur zur Hälfte neu gestrichenes Weltlädeli; eine – ansonsten toll sanierte – Murgtalhalle, in der die Kassiererkabine eines Rohrs wegen zu klein und das Lichteinstellungsanlagenknöpfleboard zu kompliziert geraten sei; Pläne für eine Murger Mitte, die "den Totentanz kaschieren" sollen: Auch wenn ob alledem das Wulffometer nicht sonderlich stark ausgeschlagen haben dürfte – für Dietrich war es "ein Klops nach dem anderen", den Schmidle sich geleistet habe.

"Ich merke, dass ihr gar nichts findet, was man mir vorwerfen kann", gab der Angeklagte zu Protokoll – und versuchte sich mit einer Vision schadlos zu halten: In sechs Jahren werde es in Murg ein noch tolleres Narrentreffen geben als heuer, mit Aufstellung des Umzugs "in einer blühenden Industrielandschaft" im Westen, um dann auf der B 34 durch den ganzen Ort zu promenieren. Für Richter Armin Gnadenlos war das alles "heiße Luft". Die Verdachtsmomente hätten sich eher noch erhärtet.

Die logische Konsequenz: Strafe muss ein. Und es freut sich Weil am Rhein.

Autor: Winfried Dietsche