Musik-Kap der guten Hoffnung

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Fr, 15. Dezember 2017

Klassik

Bachs "Weihnachtsoratorium" im Freiburger Konzerthaus.

Alle sechs Kantaten von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium an einem Abend, das ist so, als würde man das Christfest im Zeitraffer durchziehen: von der Heiligen Nacht bis Epiphanias, vom 25. Dezember bis 6. Januar in rund drei Stunden – rekordverdächtig. Um Rekorde geht es in dem gemeinsamen Weihnachtsoratorium-Projekt der Freiburger Camerata academica und der Schola Cantorum der Universität im südafrikanischen Stellenbosch nicht. Sondern um die allverbindende Kraft der Musik. Ein klingendes Kap der guten Hoffnung.

Beim Konzert im gut besuchten Freiburger Konzerthaus, vorausgegangen war eine Aufführung in Rust, fällt besonders die gute klangliche Disposition des durch zahlreiche Freiburger Choristen und Studierende verstärkten, gewaltigen Vokalensembles auf. Kompliment an den frei von Schwebungen agierenden, klaren Sopran; Kompliment für die gute Staffelung der Stimmen, auch wenn etwas mehr Feinschliff in der Absprache wünschenswert wäre.

Martin Berger leitet die Ensembles sicher durch die sechs Kantaten, wobei seine forschen Tempi mitunter kontraproduktiv wirken; etwa bei den Simultanläufen von ersten Violinen und Oboe d’amore in der "Bereite dich, Zion"-Arie. Auch das Geschwindmarschtempo des Chorals "Brich an, o schönes Morgenlicht" und die folgenden romantisierenden Rubati sind gewöhnungsbedürftig; und angesichts des eingeschlagenen Tempos wird die "Schlafe mein Liebster"-Arie eher zum Weckruf. Dergleichen zwingt die Solisten oft zum unfreiwilligen Forcieren. Dennoch: Der Sopran der Südafrikanerin Caroline Nkwe gefällt trotz gelegentlicher Intonationstrübungen durch sein warmes Timbre bei allerdings fast romantischem Tremolo. Franziska Gündert agiert mit schlankem, in der Tiefe etwas zurückhaltendem Alt; Florian Küppers’ Bariton hat gute Bassqualitäten, bricht manchmal jedoch zu sehr aus der Linie aus; und Moritz Kallenberg gibt einen sehr präsenten Evangelisten mit kleinen Schärfen in der Höhe. Toll: Damian Schmiders glasklare Echo-Rufe!

Der Instrumentalpart ist bei der Camerata academica in besorgten Händen: ein (semi)professioneller Klangkörper mit guten Sololeistungen (Violine, Oboe, Oboe d’amore, Trompete), gut durchleuchtetem Tuttiklang und einer sehr zuverlässigen Continuo-Gruppe. Jetzt kann Weihnachten kommen.