Musikalischer Wintereinbruch

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Di, 20. März 2018

Staufen

Junge Künstler des Trio Millennium glänzen mit düsteren Werken beim Stubenhauskonzert in Staufen.

STAUFEN. Irgendwie passte der Wintereinbruch kurz vor Frühlingsbeginn zu dem Stubenhauskonzert am Sonntag. Mit dem Trio Millennium – Gabriel Meloni, Klavier, David Kessler, Violine, und Moritz Huemer, Violoncello – wagten sich drei blutjunge Musiker an zwei der reifsten und düstersten Klaviertrios, die in der einschlägigen Literatur zu finden sind.

Fahle, schrille Klänge auf dem Cello leiten das Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67 von Dimitri Schostakowitsch ein. Der plötzliche Tod seines Freundes, des Musikwissenschaftlers Iwan Sollertinski, und das Elend der Kriegszeit 1944 machen das Trio zu seinem "wahrscheinlich allertragischsten" Werk im Schaffen des sowjetischen Komponisten, so ein späterer Biograph. Mit den verstörenden Cellopassagen der Einleitung kontrastiert eine eingängige Volksmelodie, die den Ernst des Satzes zu verhöhnen scheint. Trotzig platzt das Allegro hinein, ein virtuoses Vorwärtsstürmen, das hin und wieder mit unerhörten Cello-Effekten wie im Rückwärtsgang ins Stolpern gerät. Im Largo wuchtet Gabriel Meloni in einer Passacaglia schwere Mollakkorde auf dem Klavier, über die die Violine mit inniger Unterstützung des Cellos eine melancholische slawische Weise legt. Mit hartnäckigen Stakkati setzt der Finalsatz ein, zunächst pizzicato, dann wuchtig hämmernd. Der martialische Gleichschritt steigert sich in der Durchführung zu einem wütenden Schlachtengemälde. Dazwischen schimmert immer wieder wie eine verlorene Reminiszenz an bessere Zeiten ein impressionistisch angehauchtes perlendes Klangfarbenidyll auf dem Klavier herauf.

Das Klaviertrio Nr. 2 Es-Dur op. 100, geschrieben in Schuberts Todesjahr 1827, offenbart sich nicht nur durch die biographische Nähe zu dessen tragischem Ende gewissermaßen als ein Werk zwischen Leben und Tod. Ein energisches Hauptthema leitet das Allegro ein, aus dem "tiefer Zorn und überschwängliche Sehnsucht", zu sprechen scheinen, wie Robert Schumann den Kopfsatz charakterisierte. Beklemmend und berückend zugleich gelang Schubert das Andante con moto. Ein melancholisches Mollthema, das vom Cello über ein unerbittlich fortschreitendes Stakkato des Klaviers vorgetragen wird. Ein duftig-eleganter, ja zärtlicher Tanz, umschlungen von melancholischer Todessehnsucht. In vollkommenen Kontrast zu dem tödlichen Ernst des Andantes kommt das Scherzando geradezu unbeschwert daher. Heiter gelöst auch der Beginn des monumentalen Finalsatzes, in einer perlend-beschwingten 6/8-Begleitung auf dem Klavier. Der Satz endet in ausglichener Zuversicht. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass der Komponist sich mit seinem unabwendbaren Schicksal versöhnt haben mag.

Die drei jungen Musiker, 1999, 2000 und 2001 geboren, überzeugten die Zuhörer durch makellose Technik und der ausgewogenen Stimmführung auf spieltechnisch höchstem Niveau. Die fehlende Lebenserfahrung glichen die Künstler durch ihr außergewöhnliches Engagement in der Interpretation spielend aus. Das zeigte sich schon darin, dass die drei Musiker die von Schubert selbst gestrichenen 100 Takte des ohnehin schon monumentalen Finalsatzes bei ihrer Aufführung noch dazugepackt hatten. Wenn schon, denn schon. Alle Achtung!