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16. Dezember 2010
Musikerziehung gegen Kulturverlust
Jugendmusikschule, Kindergärten und Schulen arbeiten im Landesprogramm "Singen-Bewegen-Sprechen" zusammen.
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Das Projekt „Singen-Bewegen-Sprechen“ startet die Jugendmusikschule Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen in Titisee-Neustadt. Unser Bild zeigt (von links) Regina Wasmer, Walter Disch, Götz Ertle, Stefan Lotze, Peter Schwab, Sabine Steiß, Ilka Novak, Philippe Pencet, Eveline Tritschler und Monika Kaiser. Foto: Thomas Winckelmann
TITISEE-NEUSTADT. Singen und Musizieren fördert die Entwicklung des heranwachsenden Kindes, das beim Hören von Gesang, Sprache und Musik und erst recht beim eigenen Singen, Sprechen und Musizieren elementare Freude empfindet, die durch entsprechende Bewegung gesteigert wird. Diese Freude greift das Programm "Singen-Bewegen-Sprechen" (SBS) auf, das die Jugendmusikschule Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen in Titisee-Neustadt umsetzt.
"Das ist die größte Kooperation seit Bestehen der Jugendmusikschule", erklärte der musikalische JMS-Leiter Götz Ertle gestern bei einem Treffen der Kindergarten- und Schulleiter im Rathaus in Neustadt. Dies sei nicht nur für die Musikschule, sondern vor allem für die Kinder langfristig von Bedeutung. Das Landesprogramm, das nach einem Modellversuch nun auf ganz Baden-Württemberg ausgeweitet wurde, läuft über sechs Jahre. Die ersten beiden Jahre werden die Kinder im Kindergarten einmal pro Woche von einer Fachkraft der Musikschule unterrichtet. Anschließend wird SBS in den Grundschulen fortgeführt und ab der zweiten Grundschulklasse bis hin zum Klassenmusizieren und Musikarbeitsgemeinschaften ausgebaut. "Die Landesregierung will durch SBS das Erreichen der Schulfähigkeit unterstützen", erklärt Götz Ertle, "dabei stehen die sprachliche und stimmliche Förderung, die Stärkung von Selbstvertrauen, Auftreten und Kommunikation, sowie die Förderung der grob- und feinmotorischen Fähigkeiten im Mittelpunkt". Zusätzlich sollen durch die Beschäftigung mit Musik, Gesang und Sprechen soziale Ungleichheiten, sprachliche Schwierigkeiten und fehlende soziale und kommunikative Fähigkeiten in gruppendynamischen Prozessen verbessert werden. Der JMS-Leiter sieht in dem Programm auch eine "einmalige Chance", dem Kulturverlust in der Gesellschaft entgegenzuwirken und damit auch Kinder zu erreichen, deren Eltern sonst keinen Zugang zu einer musikalischen Grundausbildung haben. Das Angebot ist für die Eltern kostenlos. Die Musiklehrer der Jugendmusikschule, die den Unterricht in den Kindergärten wahrnehmen, werden vom Land bezahlt. Die Kindergärten und später die Grundschulen müssen allerdings den zusätzlichen Aufwand für das eigene Personal, das im Zweierteam mit den Musiklehrern das Programm betreut, selbst übernehmen.Werbung
Die Jugendmusikschule hat sich um Aufnahme in das Landesförderprogramm beworben und dabei, so Ertle, "großes Glück gehabt", dass alle sechs Kooperationen im Hochschwarzwald genehmigt wurden. Mit im Boot sind die Kindergärten St. Michael und St. Elisabeth, der Lebenshilfe-Kindergarten "Regenbogen" und der Kindergarten "Pfiffikus", außerdem die Hansjakobschule, die Hebelschule und das Förderzentrum Hochschwarzwald.
In Löffingen stellte die Stadtmusik Löffingen den Antrag für eine Zusammenarbeit mit drei Gruppen des Kindergarten "Maximus" und der Grundschule Löffingen. Auch hier stellt die JMS die musikalische Fachkraft. Besonders froh ist man, dass mit dem Kindergarten "Regenbogen" und dem Förderzentrum auch Kooperationspartner gefunden wurden, die Kinder mit Behinderung in das Programm einbringen. In einer Gruppe werden fünf Regenbogenkinder und fünf Kinder aus dem Kindergarten "Pfiffikus" gemeinsam unterrichtet.
"Die Kinder nehmen aus der Stunde viel mit für die ganze Woche", berichtete Eveline Tritschler vom Lebenshilfe-Kindergarten. "Die Gruppe hat viel Spaß", bestätigt auch Monika Kaiser vom Kindergarten St. Michael ihre erste Erfahrungen mit dem SBS-Programm. Alle Beteiligten äußerten sich erfreut darüber, dass es gelungen ist, über sechs Jahre eine kontinuierliche sprachliche, stimmliche und motorische Förderung von Kindern aus allen Schichten der Bevölkerung durch musikalische und pädagogische Inhalte anbieten zu können.
Zu verdanken sei dies nicht zuletzt Götz Ertle, meinte gestern der Geschäftsführer der Jugendmusikschule, Walter Disch. Ertle habe sich für das Programm "unglaublich ins Zeug gelegt". Nicht nur die Jugendmusikschule, sondern vor allem auch die Kinder könne das Programm "ein gewaltiges Stück voran bringen".
Autor: Thomas Winckelmann
