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13. Januar 2009
Mutige Frauen im Glück des Fliegens
Regisseur Latzel stellte in den Kenzinger Löwen-Lichtspielen seinen beeindruckenden Film "Reise zum Horizont" vor.
KENZINGEN. Eigentlich hatten beide Frauen alles erreicht in ihrem Leben. Ewa, die Jüngere, hatte ein gut gehendes Café. Die andere eine gute Rente und ein schönes Haus. Sie hätten sich zurücklehnen können – und wollten doch mehr. Fliegen nämlich. Ohne Flugzeug. Mit Gleitschirmen. Frei wie ein Vogel. Ewa Wisnierska und Dörte Schwarz sind die beiden Hauptfiguren im Dokumentarfilm "Reise zum Horizont”, den Thomas Latzel aus Feldberg zwischen Januar 2006 und August 2007 gedreht hat. Am Sonntag war der Filmemacher in den Kenzinger Löwen-Lichtspielen zu Gast.
Das Kenzinger Kino hat zwei Säle. Einen mit 174 Plätzen und einen mit 29. Die Reise zum Horizont hätte ursprünglich im kleinen Studio laufen sollen – und wurde schließlich doch in den großen Saal verlegt. Nicht wegen des großen Andrangs – zu dieser Vorstellung kamen leider nur 15 Kinofans. Sondern wegen der Bilder. "Die wirken auf der großen Leinwand einfach besser”, erklärt Regisseur Latzel. In seinem Film geht es immerhin ums Fliegen. Die Aussicht, die man dabei hat, haben Latzel und sein Team mit grandiosen Aufnahmen eingefangen.
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Dörte Schwarz ist Witwe. 30 Jahre lang hat sie sich um ihren schwerstbehinderten Mann gekümmert. "Da habe ich Geduld gelernt”, sagt sie in den ersten Minuten von Latzels Film. Die braucht sie auch: Gleitschirmflieger sind von Wind und Wetter so abhängig wie Vögel von ihren Flügeln. Ihr Weg ist kein leichter; sie landet mehrere Male buchstäblich auf dem Hintern – und macht doch weiter. Mutig und unbeirrt. "Heute”, erzählt sie nach einem gelungenen Flug, "kam ich mir sowas von mutig vor.”
Dörte Schwarz muss niemandem außer sich selbst etwas beweisen. Bei Ewa Wisnierska sieht es anders aus. Die gebürtige Polin ist Leistungssportlerin und auf der Jagd nach Preisgeldern und Pokalen. Ihr Sport führt sie um die Welt: Nach Brasilien und nach Südafrika, in die Dolomiten und auf eine Insel im Indischen Ozean. Im Jahr 2006 hätte ihre Leidenschaft sie fast in den Tod geführt: In Australien geriet sie in ein Gewitter, wurde in einem Sturm bis auf eine Höhe von rund 10 000 Metern gesogen. Sie betete. Dachte an den Tod. Und überlebte doch. Ein anderer Gleitschirmflieger wurde vom Blitz getroffen, 500 Meter von ihr entfernt.
Zwischen Ewa Wisnierska und Dörte Schwarz liegen Welten. Trotzdem freunden sich die beiden Frauen an und Thomas Latzel bleibt ihnen dabei auf den Fersen – sehr eng, aber nie voyeuristisch. Etwa 70 Drehtage war Thomas Latzel unterwegs, um diese Geschichte erzählen zu können: So viele Tage, wie Dörte Schwarz Jahre alt ist. Das Projekt kostete rund 250 000 Euro. Die hat der Regisseur ohne Finanzspritzen von Fernsehsendern und Filmfördergesellschaften aufgebracht. "Ich habe diese beiden Frauen entdeckt und zu drehen angefangen”, sagt er in Kenzingen, "und wenn man erstmal dreht, kriegt man keine Fördergelder mehr.” Ja, fügt er hinzu, der Film sei ein Liebhaberprojekt. Definitiv. Er denke, die Reise zum Horizont werde sich aber auch rechnen. "Ich bin guter Dinge, der Film kam bisher immer sehr gut an. Die Menschen müssen nur erstmal erfahren, dass es ihn gibt.”
Autor: Patrik Müller
