Hintergrund

Mutmaßlicher Angreifer war vor seiner Abschiebung in Freiburg untergebracht

dpa / AFP

Von dpa & AFP

Mi, 12. Dezember 2018 um 09:34 Uhr

Straßburg

Der mutmaßliche Angreifer von Straßburg hat etliche Jahre im Gefängnis verbracht. Vor seiner Abschiebung nach Frankreich im Jahr 2017 war er in der Justizvollzugsanstalt Freiburg untergebracht.

Wegen schweren Diebstahls hatte der mutmaßliche Attentäter – er trägt den Namen Chérif C. – von Anfang 2016 bis Februar 2017 in Deutschland eine Haftstrafe verbüßt – zuerst in Konstanz am Bodensee. Im Oktober 2016 wurde er dann nach Freiburg verlegt. Nach BZ-Informationen wurde der Mann am 27. Februar 2017 aus der Justizvollzugsanstalt Freiburg nach Frankreich abgeschoben.

Am 28. Juni 2016 hatte das Amtsgericht Singen den mutmaßlichen Angreifer von Straßburg zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, weil er in eine Zahnarztpraxis in Mainz und eine Apotheke in Engen (Landkreis Konstanz) eingebrochen war. Wie aus dem Urteil des Amtsgerichts hervorgeht, wurde er schon 2008 in Frankreich sowie im Jahr 2013 in der Schweiz zu Gefängnisstrafen verurteilt – jeweils wegen diverser Einbrüche. Alle Taten hat der Mann zugegeben.



Laut Urteil ist der mutmaßliche Angreifer zusammen mit sechs Geschwistern im Elternhaus in Straßburg aufgewachsen. Er habe einen dem Hauptschulabschluss vergleichbaren Abschluss, aber keine Ausbildung gemacht. Nach der Schule habe er bei der Gemeinde gearbeitet, seit 2011 sei er arbeitslos gewesen und nach eigener Aussage viel gereist. Schon vor seiner Verurteilung in Singen habe er insgesamt vier Jahre in Gefängnissen verbracht, heißt es im Urteil.

Die Sicherheitsbehörden sind nicht nur auf der Suche nach Chérif C. Sie fahnden auch nach dessen Bruder Sami C. Beide sind französische Staatsbürger und wohnten, so war aus Sicherheitskreisen zu hören, zuletzt in Straßburg. Die Brüder würden in Frankreich als radikalisiert eingestuft und dem Straßburger Islamistenmilieu zugerechnet, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Berliner "Tagesspiegel".

In Deutschland werden Chérif C. und Sami C. allerdings nach dpa-Informationen nicht als islamistische Gefährder geführt. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Schwelle für eine Registrierung in der französischen "fiche-S-Datei" sei deutlich niedriger als für die Aufnahme in die deutsche Gefährder-Datei.

Fahndung läuft weiter auf Hochtouren

Die französische Polizei fahndet derweil weiter auf Hochtouren nach Chérif C. Nach dem Anschlag wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Überall in der Straßburger Innenstadt patrouillierten bewaffnete Polizisten und Soldaten. Am zentralen Kleber-Platz mit seinem großen Weihnachtbaum blieb die eigens für den Weihnachtsmarkt angelegte Eisbahn geschlossen, auch die Straßburger Oper, die Theater und Konzertsäle annullierten alle Veranstaltungen.

Das für den heutigen Mittwochabend geplante Konzert der französischen Star-Sängerin Chris (früher Christine and the Queens) im Straßburger Zénith wurde abgesagt. "Alle meine Gedanken gelten den Straßburger.innen, den Opfern und ihren Familien", schrieb Chris auf Twitter.

Weihnachtsmarkt wird am Donnerstag wieder eröffnet

An den öffentlichen Gebäuden waren die Flaggen auf Halbmast. Am Donnerstag soll der Weihnachtsmarkt jedoch wieder geöffnet werden, kündigte Bürgermeister Ries an. Straßburg werde sich nicht einschüchtern lassen.

Liveblog

Bei dem tödlichen Terroranschlag in Straßburg am Dienstabend sind drei Menschen getötet und 13 verletzt worden. Ein Mann hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison in der Straßburger Innenstadt das Feuer eröffnet. Wir begleiten die aktuellen Entwicklungen im Liveblog.