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03. November 2009 15:24 Uhr
"Mutter Beimer" liest und hilft in Offenburg
Marie-Luise Marjan, bekannt als Mutter Beimer aus der Lindenstraße, liesr am 5. November in der Offenburger Reithalle aus Henning Mankells Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt". Sie sprach vorab mit BZ-Mitarbeiterin Anette Persch.
OFFENBURG. Sogenannte Memory Books sind in Uganda (leider) weit verbreitet: In kleinen Büchern verewigen aidskranke Eltern ihre Gedanken und Wünsche für ihre Kinder. Das Kinderhilfswerk Plan International Deutschland unterstützt in seiner Memory-Book-Initiative das Schreiben dieser Erinnerungsbücher. Zugunsten von Plan International Deutschland liest Marie-Luise in der Reithalle aus Henning Mankells Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt". Vorab erzählt sie BZ-Mitarbeiterin Annette Persch von ihren ganz persönlichen Eindrücken und Gedanken zu Afrika und Mankells Buch.
BZ: Afrika steht im Mittelpunkt Ihres Leseabends. Was verbinden Sie mit diesem Land und seinen Bewohnern?
Marie-Luise Marjan: Normalerweise kennt man Afrika von Ferienreisen, Safaris und guten Hotel-Ressorts. Ich denke aber auch sofort an die besonders freundlichen Menschen. Sie sind sehr fröhlich und freuen sich, wenn Touristen ihre Sprache lernen. Und auch wenn es nur ein paar Worte sind.
BZ: Welche afrikanischen Ländern haben Sie schon bereist?
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BZ: Welche Erlebnisse von Ihren Reisen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Marjan: Das Ganze ist ein Erlebnis. Zu sehen, wie die Menschen dort in einfachen Verhältnissen leben – und dennoch sehr glücklich sind. Viele Bilder sind mir im Kopf geblieben. Vor allem eine Situation, die ich miterlebt habe: Als Touristen mit ihrem Auto im Schlamm stecken geblieben sind, kamen sofort von überall her viele kleine Kinder herbei und schoben das Auto gemeinsam heraus. Sie waren alle so fröhlich und voller Vitalität und Freude.
BZ: Sie sind Patin und Botschafterin für das Kinderhilfswerks "Plan International Deutschland". Wie erfüllt Sie diese Aufgabe?
Marjan: Ich wurde 1990 gefragt, ob ich Patin werden möchte. Mein erstes Patenkind hatte ich in Indien. Alle fünf Jahre fahren ich mit "Plan" wieder dort hin, um die Fortschritte zu sehen. Von diesen Reisen, auch denen nach Afrika, berichten wir der Öffentlichkeit. So wollen wir zeigen, was mit dem gespendeten Geld gemacht wird. Unser Thema ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Es wird den Menschen nichts geschenkt, sondern gezeigt, wie es geht: Es werden Helfer aus den dortigen Dörfern angelernt, die dann wiederum den anderen Einwohnern beibringen, wie alles selber aufgebaut wird. Den Bauern wird so beigebracht, wie man viermal im Jahr Reis ernten kann. Und selbst die Ziegel für ihre Häuser werden von den Bewohner der afrikanischen Dörfer selber aus Lehm hergestellt. Diese Hilfe zur Selbsthilfe ist das Effektivste.
BZ: Wie entstand die Memory-Book-Initiative, die durch Ihre Lesung in Offenburg unterstützt wird?
Marjan: Das hat "Plan" zusammen mit dem schwedischen Bestsellerautor Henning Mankell ins Leben gerufen. Mankell hat ganz Uganda bereist und das Elend kennengelernt. Er hat auf seinen Reisen gesehen, dass die Leute in solche kleinen Bücher schreiben, aber er hat deren Bedeutung nicht verstanden. Nach und nach hat er sich den Bewohnern genährt und ihr Vertrauen gewonnen. Dann haben ihm die Menschen ihre Bücher gezeigt und die Bedeutung erklärt.
BZ: Welche Wünsche und Gedanken sollten Ihrer Meinung nach alle Eltern ihren Kindern hinterlassen?
Marjan: Sie sollen ihnen übermitteln, Nächstenliebe zu üben, dass man füreinander da ist und sich gegenseitig hilft. Das fängt ja schon mit Kleinigkeiten an. Die Kinder sollen wach sein, die Augen aufhaben, um zu helfen. Es darf nicht immer um die Ich-Person, sondern sollte um das Wir gehen. Ganz wichtig ist es auch, ihnen zu hinterlassen, dass man nicht aufgeben darf und die Hoffnung nie verlieren soll.
BZ: Sie lesen aus Mankells Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt". Von was werden die von Ihnen vorgetragenen Passagen handeln?
Marjan: Es werden philosophische und vor allem anrührende Geschichten sein, die er alle selbst erlebt und beobachtet hat.
BZ: Was hat Sie in dem Buch am meisten berührt?
Marjan: Eine Beobachtung, die Mankell machte, ist besonders eindrucksvoll: Er hat sich gewundert, warum ein Mädchen immer einen kleinen Zettel fest in ihrer Hand hielt. Sie hat ihm dann gezeigt, dass in in dem Zettel ein blauer Schmetterling liegt. Und ihm erklärt: "Meine Mama liebte blaue Schmetterlinge. Und so habe ich immer ein Stück von meiner Mama bei mir."
BZ: Worauf freuen Sie sich bei der Lesung in Offenburg am meisten?
Marjan: Ich genieße es, wenn das Publikum zuhört und von dem Abend etwas mitnimmt. Jeder Zuhörer wird nach der Lesung etwas zum Nachdenken haben.
Lesung: Donnerstag, 5. November, 19 Uhr, Reithalle Offenburg, Tickethotline Tel. 0800/911811711. Spendenkonto: Kerstin Schmidt-Ott, Konto 1004360408, Sparkasse Offenburg, BLZ 664 500 50, Kennwort: Benefizveranstaltung Reithalle. Weitere Informationen unter http://www.benefiz-offenburg.de
Autor: bz
