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03. Juli 2012
Nach einem Besuch in Bernau
Fotografien von Florian Richter in der Künstlerwerkstatt im Freiburger L6.
"Florian Richter (Berlin) Fotografie" steht auf der Einladungskarte zur aktuellen Ausstellung in der Freiburger Künstlerwerkstatt im L6. Stimmt, Richter lebt in Berlin, doch davon sieht man in diesen Aufnahmen nichts. Fast alle Fotografien entstanden im Schwarzwald, einige wenige zeigen die schroffen Felswände der Schweizer Alpen. Das liegt nicht etwa an der speziellen Bildauswahl für die Ausstellung im Breisgau. Das Gespräch mit dem 1968 in Hamm/Westfalen geborenen Künstler offenbart, dass er in seinem Wohnort Berlin überhaupt nicht künstlerisch fotografiert. Richters Kunst widmet sich ausschließlich jenen Landschaften, die mit seinem Heimatgefühl verbunden sind. Einen Großteil seiner Kindheit und Jugend hat er in Freiburg verlebt, noch heute verbringt Richter die Ferien vor seinem Lieblingsmotiv und an seinem persönlichen Sehnsuchtsort: dem Schwarzwald.
Lenzkirch, Kapfenberg, Roßboden, Belchen – mein Gott, sind diese Landschaften schön! Darf man das angesichts der Kunstfotografie von Florian Richter sagen? Darf man diesen Künstler, der sich mit der Kamera auch den fernen Wolkenlandschaften über dem Schwarzwald nähert, einen Romantiker nennen? Man darf, denn Richter bekennt freimütig, dass ein Museumsbesuch in Bernau und die Begegnung mit den Gemälden Hans Thomas impulsgebend für seine Kunst war. Unzweifelhaft steht er mit seinen stillen, menschenleeren Aufnahmen in der Tradition der großen Landschaftsmalerei. Er malt, zeichnet und radiert mit der Kamera, seine Aufnahmen führen uns in die verborgene Welt der Träume, Sehnsüchte und Gedanken. Das zeigt gleich die große Ausstellungswand mit den vielen verschiedenen Bildformaten am Anfang des Rundganges. Ausgehend von den eher grafisch aufgefassten, schwarz-weißen Winterlandschaften schweift der Blick zu warmen, sommerlich grünen Hügelzügen. Die extrem malerische, stimmungsvoll aufgeladene, zweiteilige Aufnahme "Schauinsland/Köpfle" von 2007 bildet einen herbstlich-schwermütigen Abschluss.
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Florian Richters Arbeiten entstehen mit einer analogen Kamera und werden auf Negativfilme oder Polaroids belichtet. Für ihn ist das nicht unerheblich, denn so werden sie erst nach seiner Rückkehr eingescannt, leicht bearbeitet und auf Büttenpapier ausgedruckt. Damit schafft er sich eine zeitliche Distanz zum Erlebnis, lässt die Macht der Erinnerung neue Schwerpunkte setzen. Es geht ihm schließlich nicht um die Dokumentation von Vorhandenem, sondern um die Frage, welche Vorstellung, welche Idee von Landschaft wir unterbewusst mit uns tragen. Das Spiel mit dem Wahrheitsgehalt von Fotografie wird in der dreiteiligen Serie "Winterwald" auf die Spitze getrieben. Zwei Bilder zeigen wahrhaftig durch das Objektiv der Kamera gesehene Bäume, die dritte Aufnahme könnte ebenso entstanden sein – ist sie aber nicht. Sie besteht aus einer formal absolut überzeugenden, doch rein synthetischen Mischung aus den beiden Bildern. Was also ist Realität?
– Künstlerwerkstatt im L6, Lameystr. 6, Freiburg. Bis 21. Juli, Mittwoch bis Freitag 15–19, Samstag 11–17 Uhr.
Autor: Antje Lechleiter



