Bad Säckingen-Wallbach

Nachbarn streiten: Familie muss ein Kinderzimmerfenster zumauern

Nina Witwicki

Von Nina Witwicki

Di, 22. Januar 2019 um 18:11 Uhr

Bad Säckingen

Seit mehr als einem Jahr herrscht zwischen zwei Grundstücksbesitzern in Wallbach dicke Luft. Der Ortschaftsrat ist mit seinem Latein am Ende. Nun muss das Kinderzimmerfenster eines 200 Jahre alten Hauses wohl zugemauert werden.

Seit mehr als einem Jahr herrscht zwischen zwei Grundstücksbesitzern in Wallbach dicke Luft. Eine streitende Partei wohnt bereits seit mehreren Jahren in einem 200 Jahre alten Haus an der Hauptstraße, daneben befindet sich ein schmales Grundstück und dann erst kommt ein weiteres Haus. Die zweite streitende Partei kaufte das schmale Grundstück zwischen den Häusern und stellte 2017 den Antrag auf Baugenehmigung für eine große Garage mit Treppe.

Daraufhin landete der Antrag beim Ortschaftsrat Wallbach. "Wir haben damals schon gemutmaßt, dass der neue Grundstücksbesitzer die Garage irgendwann zu einem Haus aufstocken möchte. Daher haben wir uns dagegen ausgesprochen", erklärte Ortschaftsrat Fred Thelen auf Nachfrage der Badischen Zeitung. Trotz der Bedenken des Ortschaftsrates stimmte das Baurechtsamt dem Bau der Garage zu. Bisher stehen von der eigentlichen Garage die zwei Außenwände, ohne Dach.

Genehmigung vom Baurechtsamt

2018 erreichte den Ortschaftsrat dann der Bauantrag für eine Aufstockung der Garage zu Wohnzwecken. Auch dieses Mal verwehrte der Ortschaftsrat seine Zustimmung zu dem Antrag auf Baugenehmigung, doch das Baurechtsamt erteilte eine Genehmigung. Da sich das 200 Jahre alte Haus direkt auf der Grundstücksgrenze befindet, wurde nun auch dem Nachbarn erlaubt, sein Haus auf die Grenze zu setzen. Haus an Haus.

Für die Familie in dem 200 Jahre alten Haus bedeutet diese Entscheidung aber, dass das Fenster des Kinderzimmers in Richtung des Nachbarn zugemauert werden müsste. Die Familie schaltete einen Anwalt ein, der mehrfach Widerspruch gegen die Baugenehmigung einlegte. Doch ihre Widersprüche wurden zwei mal abgelehnt.

Regierungspräsidium weist sämtliche Einwände zurück

Bei der ersten Ortschaftsratssitzung des Jahres beschäftigte sich der Rat erneut mit den streitenden Parteien. Fred Thelen schrieb in der Sache an das Regierungspräsidium in Freiburg und verlas das Schreiben.

Das Regierungspräsidium wies sämtliche Einwände zurück und erklärte, dass gleiches Recht für alle herrsche. Daher könne der neue Nachbar direkt an das alte Haus anbauen. Der Familie in dem 200 Jahre alten Haus sei zumutbar, dass ein Fenster zugemauert werde.

Der Bau der Garage mit einem weiteren Stockwerk sei rechtlich korrekt. "Egal ob wir es verstehen oder nicht, wir sind mit unserem Latein am Ende und können uns nicht weiter in diese Nachbarschaftsstreitigkeit einmischen. Recht hat nicht immer mit Verstand zu tun", sagte Thelen.