Nachgezählt am Futterhaus

Andreas R. Braun

Von Andreas R. Braun

Do, 04. Januar 2018

Freiburg

Am Wochenende findet wieder die Zählaktion "Stunde der Gartenvögel" statt.

FREIBURG. Am Wochenende ist wieder Vogelzählen angesagt: Von Freitag bis Sonntag findet zum achten Mal die "Stunde der Wintervögel" statt – eine Aktion, die der Naturschutzbund (Nabu) seit 2011 deutschlandweit veranstaltet. Die dabei gemachten Beobachtungen sollen Wissenschaftlern helfen, Veränderungen im Artenspektrum zu erkennen – etwa infolge des Klimawandels oder aufgrund von Krankheiten.

Kurzfristig entscheidet vor allem die aktuelle Witterung darüber, ob viel oder wenig an den Vogelhäuschen los sein wird: Bei einer geschlossenen Schneedecke im Schwarzwald zum Beispiel ziehen Finken und andere Singvögel aus dem Umland in die Stadt, wo das Nahrungsangebot besser und die Kälte nicht so groß ist. Sind die Temperaturen indes mild und das Wetter regnerisch, machen sich Meisen, Spatzen und Co. schnell rar und halten sich in Hecken und Gestrüpp verborgen.

Angesichts des zuletzt wenig winterlichen Wetters überrascht es daher nicht, dass es momentan kaum Spektakuläres von Freiburgs Vogelwelt zu berichten gibt. Dennoch lohnt sich das Mitmachen am Wochenende: "Es hilft uns dabei, Daten zu bekommen, anhand derer sich über die Jahre hinweg Trends feststellen lassen", erläutert Felix Bergmann vom Nabu-Bezirksverband Südbaden. Interessant sei etwa, ob und in welchem Ausmaß manche Vögel infolge des Klimawandels im Winter verstärkt hierbleiben würden – als mögliche Kandidaten benennt er Girlitz, Mönchsgrasmücke und Hausrotschwanz, von dem vor einem Jahr in Freiburg neun Exemplare gesichtet wurden.

Zu den immer mehr zugfaul werdenden Arten zählt auch der Star, dem im Stadtkreis bei der letzten Runde mit 150 gezählten Exemplaren vorübergehend sogar ein Riesensprung von Platz 25 auf Rang 11 gelang. "Als Vogel des Jahres 2018 gilt ihm diesmal unser besonderes Interesse", sagt Bergmann. Im Winterhalbjahr ist dieser Höhlenbrüter mit dem schillernden Gefieder gerne in kleinen Schwärmen unterwegs, an manchen Stellen in Stadtrandlage oder Grünbereichen kann man ihn mit etwas Glück auch in Trupps der Wacholderdrossel entdecken.

Besonders gespannt sind die Experten zudem auf die Zahlen für Blau- und Kohlmeise, bei ihnen waren nämlich – sowohl landesweit als auch in Freiburg – vor einem Jahr starke Rückgänge von bis zu 50 Prozent zu verzeichnen: Unter anderem wohl deshalb, weil damals nur wenige Kälteflüchtlinge aus Osteuropa zu Besuch waren. Aktuelle Beobachtungen lassen indes vermuten, dass beide Arten diesmal wieder besser abschneiden.

Im Fokus der Vogelkundler steht auch der Grünfink, dessen Zahlen seit 2013 kontinuierlich rückläufig sind und der im Januar 2017 mit im Schnitt nur noch 0,52 gezählten Exemplaren pro Garten seinen bisherigen Tiefstwert in Freiburg erreichte: Grund dafür ist wohl eine von einem tierischen Einzeller ausgelöste Krankheit, die seinen Verdauungstrakt befällt. Auch die Amsel, die vergangenes Jahr nach dem Haussperling den zweiten Platz belegte, steht unter Dauerbeobachtung: Ihr macht seit einigen Jahren ein aus Afrika stammendes Virus zu schaffen. Nicht zu kurz kommen soll am Wochenende der Spaßfaktor: "Vogelzählen macht Freude, gerade auch Kindern", hebt Freiburgs Nabu-Vorsitzender Dirk Niethammer den pädagogischen Wert der Mitmach-Aktion hervor. Die "Stunde der Wintervögel" könne zu einem Ereignis für die ganze Familie werden, selbst bei regnerischem Wetter – zumal sich Vögel auch vom Fenster oder einem Balkon aus gut beobachten ließen. Da die Aussagekraft umso größer ist, je mehr Leute mitmachen, hofft man erneut auf große Resonanz: 2017 hatten in Freiburg Stadtkreis 344 Naturfreunde mitgemacht und dabei 6530 Vögel aus 59 Arten gezählt.