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29. Juni 2017

Welternährungsprogramm

600.000 Kinder in Afrika sind akut vom Hungertod bedroht

Das Welternährungsprogramm schlägt Alarm.

BERLIN. "Stell dir vor, wir erleben die größte humanitäre Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg und kaum jemanden interessiert das" – so hat David Beasley, der neue Direktor des Welternährungsprogramms (WFP), am Mittwoch den Umgang mit den aktuellen Hungerkrisen beschrieben. "Wir reden immer nur über Le Pen, Trump oder den Brexit", beklagte der Amerikaner in Berlin, "und sind abgelenkt von der größten Tragödie." In vier Ländern der Welt grassieren derzeit Hungersnöte – in Nigeria, Somalia, dem Südsudan und im Jemen. Allein in diesen Staaten haben laut WFP, das als UN-Organisation weltweit Nahrungsnothilfe bereitstellt, rund 20 Millionen Menschen viel zu wenig zum Essen. Davon ist eine Gruppe besonders in Gefahr, wie Beasley betonte: "600 000 Kinder sind akut vom Hungertod bedroht, wenn wir in den nächsten Monaten nicht die notwendigen Finanzmittel bekommen."

Um die Kinder und ihre hungernden Eltern in den vier Krisenregionen zu retten, braucht das Welternährungsprogramm bis November weitere 1,1 Milliarden Dollar. Der Jahresbedarf liegt bei rund 2,7 Milliarden Dollar, wovon die UN-Mitgliedstaaten aber erst 800 Millionen überwiesen haben. Den globalen Gesamtbedarf taxiert die Organisation auf neun Milliarden Dollar – die bisherigen Zusagen summieren sich lediglich auf sechs Milliarden. Beasley appellierte daher an die Staaten, schon aus Eigeninteresse dieses Geld bereitzustellen: "Hunger ist die Hauptfluchtursache." Der Republikaner und frühere Gouverneur von South Carolina wirbt derzeit bei Exkollegen im US-Kongress dafür, dass die Nothilfe aufgestockt und nicht gekürzt wird, wie das der Etatentwurf der Trump-Regierung vorsieht – und gab sich am Mittwoch optimistisch. Lob verteilte er an Europa, wo die WFP-Mittel erhöht wurden. Als Negativbeispiel nannte Beasley Saudi-Arabien.

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Autor: Christopher Ziedler