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22. Dezember 2009
Konzentrationslager
Auschwitz-Inschrift wiedergefunden
Knapp drei Tage nach dem Diebstahl des stählernen Schriftzugs „Arbeit macht frei“ vom Eingangstor der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz sind die Diebe gefasst. In wessen Auftrag haben sie gearbeitet?
Handelte es sich um einen Auftragsdiebstahl? Steht hinter der Diebesbande ein verrückter Sammler? Oder wollten die fünf mutmaßlichen Täter den Schriftzug an Neonazis verkaufen? Knapp drei Tage nach dem Diebstahl des stählernen Schriftzugs "Arbeit macht frei" vom Eingangstor der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz sind die Diebe zwar gefasst und die Aufschrift in einem Wald wiedergefunden worden. Doch die Aufschrift, weltweites Symbol für die Gräueltaten der Nazis im Zweiten Weltkrieg, ist in drei Teile zersägt und beschädigt.
Wer der Polizei den entscheidenden Tipp gegeben hat, ist nicht bekannt. Nachdem die Gedenkstätte Auschwitz und andere Spender 30 000 Euro Belohnung ausgesetzt hatten, gingen mehr als hundert Hinweise bei der Polizei ein.
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In der Gedenkstätte selbst wurde das Sicherheitssystem einer strengen Kontrolle unterworfen. Die Täter, die am Freitag zwischen drei und fünf Uhr früh den Schriftzug über dem Haupttor zum ehemaligen KZ abmontierten und ihn einen Kilometer an den früheren Baracken vorbei bis zu einem Loch im Stacheldrahtzaun schleppten, kannten wohl das System. So wussten sie nicht nur, wann die Wachleute bei ihren Kontrollgängen am Eingangstor vorbeikamen, sondern auch, dass die Überwachungskameras nachts nur undeutliche Bilder liefern und daher für die Fahndung unnütz sein würden.
Der Diebstahl löste in Polen einen Schock aus. "Der Symbol der Schoah wurde gestohlen", schrieb die Gazeta Wyborcza. "Schande!" empörte sich das Boulevardblatt Fakt. "Sie beklauten das Lager in Auschwitz". Auch privat diskutierten die Polen heftig über den Diebstahl. "Das hat mich wie ein Schlag getroffen", bekennt Andrzej Kapys, ein Linguistikstudent aus Warschau. "Dass Diebe in Polen nicht einmal Halt machen vor so einem Symbol! Dass sie in ein KZ einbrechen und den Opfern ihre Erinnerung stehlen!" Seine Studienfreundin Beata Lapicka stimmt ihm zu: "Ich schäme mich furchtbar. Dass Polen so etwas tun können! Das ist einfach unfassbar."
Zwar stört es die beiden Studenten auch, dass sich durch den Diebstahl das Negativ-Stereotyp über Polen im Ausland wahrscheinlich verfestigt, doch ist das für sie eher zweitrangig.
Wichtiger sei, dass die Täter begriffen, welchen Frevel sie begangen hätten. "Man kann nur hoffen, dass die Diebe nicht einfach nur ins Gefängnis geworfen werden", meint der 27 Jahre alte Andrzej. "Sie sollten ihre Tat wieder gut machen. Vielleicht indem sie eine Arbeit in der Gedenkstätte übernehmen. Sie müssen lernen, sich in andere hineinzufühlen."
Für die Konservatoren beginnt nun ein Rennen mit der Zeit. Zum 65. Jahrestag der Befreiung überlebender Häftlinge am 27. Januar 1945 werden ranghohe Politiker aus Polen und dem Ausland erwartet. Ob dann wieder das Original statt einer Kopie am Tor zur Gedenkstätte hängt, bleibt offen. Normalerweise könnten die Arbeiten Monate dauern, doch das sei ein Sonderfall, sagte am Montag eine Museumsmitarbeiterin.
Autor: Gabriele Lesser
