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15. November 2017

Bärte für Volkshelden, nicht für Muslime

Dänemarks Rechte wollten Gesichtsbehaarung verbieten, die aus religiösen Gründen getragen wird.

  1. Holger Danske alias Holger der Däne ist ein legendärer Volks- und Sagenheld – und trägt einen wallenden Bart. Foto: Ullstein

KOPENHAGEN/STOCKHOLM. Dänemarks Rechtspopulisten, die zweitstärkste Partei im Parlament, haben eine Debatte zum Verbot von muslimisch anmutenden Bärten in bestimmten Berufen losgetreten. Sie machten dann doch einen Rückzieher – der Spott war groß.

Die erfolgsverwöhnte rechtspopulistische Dänische Volkspartei (DF) ruht sich nicht auf Teilsiegen aus. Sie setzt die Agenda, die anderen Parteien trotten ihr nach. Bei den jüngsten Wahlen ist sie mit 21,1 Prozent zweitstärkste Partei geworden und hat inzwischen sowohl Sozialdemokraten sowie bürgerliche Kräfte für ein landesweites Verbot von Burka und Niqab begeistern können.

Auf der Suche nach neuen Verboten ist in der vergangenen Woche ein einflussreiches Parteimitglied auf eine Idee gekommen: Der 71-jährige Henrik Thorup wurde in einer Rettungsstelle in einem Kopenhagener Krankenhaus von einem südländisch aussehenden Arzt mit Vollbart behandelt. Vermutlich war der Arzt Muslim – oder er trug den Vollbart aus modischen Gründen als Hipster-Bart.

Nach dem Arztbesuch forderte Thorup ein Vollbartverbot im Gesundheitswesen. "Der Arzt markiert ja: Ich bin Muslim. Kein Däne geht als Arzt mit einem solchen Bart herum", sagte Thorup gegenüber der große Tageszeitung Berlingske. "Wer einen solchen Bart in dieser Größe trägt, gehört einer gewissen Religion an. Und das gefällt mir nicht", sagte er – und sprach vor dem "Kniefall Dänemarks vor muslimischen Traditionen".

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Der Fraktionschef der Dänischen Volkspartei im Parlament, Peter Skaarup (53), brachte das Thema so auf nationale Ebene. Da er jünger ist als Thorup und keine trendbewussten Wähler vergraulen will, schränkte er gleich ein: Seine Fraktion befürworte ein Verbot gegen Vollbärte, die aus "religiösen Motiven" getragen werden. "Moderne Vollbärte" seien Privatsache, stellte er klar. Ob man denn den Unterschied sehen könne, fragte der Reporter der Zeitung Berlingske. "Ja das kann man ganz klar", antwortete Fraktionschef Skaarup.

Einige nahmen den Vorstoß ernst, andere machten Witze: Ausgerechnet der legendäre dänische National- und Sagenheld Holger Danske ("Holger, der Däne"), Jesus und der Weihnachtsmann hätten Vollbärte getragen, schreiben sie im Netz, vielleicht sogar aus religiösen Motiven. Schließlich wurde der Druck auf Thorup vor den Kommunalwahlen zu groß: Er werde, sollte er gewählt werden, vorerst kein Bartverbot in Kopenhagens Krankenhäusern einführen. Aufgeschoben sei aber nicht aufgehoben: Er finde weiterhin, dass solche Bärte eine "Unsitte sind".

Autor: André Anwar