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17. März 2010

Blut vor dem Regierungssitz

Mit einem symbolischen Blutopfer demonstrieren Tausende in Thailand für die Rückkehr des vorherigen Ministerpräsidenten.

  1. Rothemden halten Behälter mit Blut in die Höhe, bevor sie es am Regierungssitz ausschütten. Foto: afp

BANKOK. Am Dienstag war der dritte Tag der Proteste der Roten Hemden gegen die thailändische Regierung – und es war entgegen allen Warnungen immer noch so friedlich wie am ersten Tag. Blut floss dennoch vor dem Eingang zum Regierungssitz von Premierminister Abhisit Vejjajiva. Ein buddhistischer Priester schüttete aus ein paar von Demonstranten herbeigeschleppten Behältern Lebenssaft auf den von der Sonne aufgeheizten Asphalt. Das Blut hatten am Morgen Hunderte von Demonstranten gespendet.

"Abhisit hat einmal gesagt, er wolle nicht über das Blut von Thailändern gehen, um zu regieren", begründete Natawut Saikuer, ein wortgewaltiger Führer der überwiegend aus dem Norden und Nordosten des Königreichs stammenden Anhänger der "Union gegen Diktatur und für Demokratie" (UDD) die etwas makabre Aktion. "Jeder Tropfen Blut wird helfen, unserem Land die Demokratie zurückzugeben", hatte am Morgen die 42-jährige Blutspenderin Wan aus der Stadt Samut Prakarn im Brustton der Überzeugung verkündet, bevor sie sich bei einem Topf von Reisbrei stärkte. Doch so einfallsreich die Roten Hemden, die fast alle von einer Rückkehr des 2006 von den Militärs gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra träumen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen, so abgeklärt reagiert die Regierung. Das Blut vor dem Eingang zum Regierungsgebäude war noch nicht geronnen, als bereits Soldaten mit Schrubbern und Eimern voll gechlortem Wasser anrückten. Nach ein paar Minuten war der Asphalt wieder sauber.

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Symbolischer hätten die Sicherheitskräfte sich kaum verhalten können. Wie eine lästige Plage lässt die Regierung die Roten Hemden gewähren, um anschließend wieder zur Tagesordnung zurückzukehren. Die Demonstranten werden sich wieder etwas einfallen lassen müssen. Denn der Regierungschef weigert sich standhaft, der Forderung nach Auflösung des Parlaments und nach Neuwahlen nachzukommen. Sogar die Koalitionspartner, die Abhisit während der vergangenen Monate öfters Schwierigkeiten bereiteten, stehen in Treue fest zum Ministerpräsidenten. Der Grund: Sowohl Abhisit von der kleinen "Demokratischen Partei" wie auch die ihn unterstützenden Splittergruppen fürchten bei einer Neuwahl eine herbe Niederlage. Thailand hat sich noch nicht von den Folgen der Finanzkrise erholt. Die Ausfuhren brachen ein. Viele Thailänder verloren ihre Jobs. Bangkok setzt nun alle Hoffnungen auf ein zweites Förderpaket, das bis zum Ende der Legislaturperiode Ende 2011 die Stimmung im Land bessern soll.

"Für den vom Militär gestürzten Thaksin Shinawatra ist der Kampf dagegen nun sehr persönlich, nachdem ein Teil seines Eigentums beschlagnahmt worden ist", beschreibt Thitinan Pongsudhirak von der angesehenen Chulalongkorn-Universität die Motive der UDD. "Für die Roten Hemden wiederum wird der Kampf eine Art Volksbewegung gegen die bestehende Ordnung." Noch fehlt ihnen freilich die Kraft für die angestrebten politischen Veränderungen.

Der Konflikt

Seit dem Sturz des Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra im September 2006 ist Thailand politisch gespalten. Thaksins Anhänger, nach ihren T-Shirts die "Roten" benannt, und dessen Gegner, die alteingesessene Elite ("Gelbe"), stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die Rothemden wollen den Protest fortsetzen, bis Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva zurücktritt. Dessen Anhänger nutzten vor zwei Jahren gegen eine den Rothemden freundlich gesinnte Regierung eine ähnliche Taktik. Sie stürzten Bangkok ins Chaos mit der Besetzung des Regierungssitzes und des Flughafens. Die Regierung stolperte schließlich über angeblichen Wahlbetrug. Thaksin war 2008 ins Ausland geflohen, um einer Gefängnisstrafe wegen Korruption zu entgehen.  

Autor: dpa

Autor: Willi Germund