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18. Juli 2012 14:09 Uhr

Syrien

Bombenanschlag in Damaskus: Drei Regimegrößen sterben

Dramatische Ereignisse in Damaskus: Ein Attentat in der syrischen Hauptstadt hat den innersten Machtzirkel von Diktator Assad erschüttert. Ein Minister und Assads Schwager kamen ums Leben.

  1. Dawud Radschha, Syriens Verteidigungsminister, ist bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Foto: AFP

  2. Seit Tagen stehen Rauchschwaden über Damaskus. Foto: AFP

Im 16. Monat des Aufstands gegen die syrische Regierung haben die Rebellen die Gewalt bis ins Machtzentrum von Präsident Baschar Assad getragen. Bei einem Anschlag auf den Sitz der Sicherheitskräfte in Damaskus kamen am Mittwoch drei hochrangige Vertreter des Regimes ums Leben. Neben Verteidigungsminister Dawud Radschha und dessen Vorgänger Hassan Turkmani wurde auch der stellvertretende Vereidigungsminister General Assef Schaukat getötet. Zu der Tat bekannte sich ein syrischer Rebellenkommandeur, Riad al Assad.
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte angesichts des Anschlags ein gemeinsames Machtwort des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte erneut eine UN-Resolution gegen die syrische Regierung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte den Anschlag. Sie wertete die Tat allerdings auch als Zeichen, dass ein gemeinsames Vorgehen des UN-Sicherheitsrats und der internationalen Gemeinschaft dringend nötig sei, um den Friedensplan des internationalen Sondergesandten Kofi Annan umzusetzen.

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Der Rebellenkommandeur sagte in einem Telefoninterview aus der Türkei, die Aufständischen hätten die Bombe in einem Raum deponiert, in dem ranghohe Regierungsvertreter zusammengetroffen seien. Der Kommandeur wies Angaben der Regierung zurück, es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Alle Beteiligten seien in Sicherheit, erklärte er. Der Anschlag bedeute "den Anfang vom Ende des Regimes".

Schwere Gefechte in Damaskus

Der Sprengsatz sei während eines Treffens mehrerer Minister mit Angehörigen der Sicherheitsbehörden detoniert, berichtete der Sender und sprach zunächst von mehreren Schwerverletzten. Kurze Zeit später hieß es dann, der Minister sei ums Leben gekommen. Über die genaue Zahl der Opfer und ihre Identität wurde nichts bekannt.

Ein Augenzeuge sagte, Angehörige der Republikanischen Garde hätten das Krankenhaus umstellt, in dem die Regierungsmitarbeiter behandelt wurden. Die Polizei riegelte den Anschlagsort ab. In dem Gebäude sind mehrere Geheimdienste untergebracht.

Mittlerweile hat sich die oppositionelle Freie Syrische Armee zu dem Attentat auf den militärischen Führungszirkel von Präsident Assad bekannt. Ein Kommandeur sagte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch am Telefon: "Wir übernehmen die Verantwortung für die Operation." Den Regimegegnern lägen Informationen vor, dass neben dem Verteidigungsminister und dem stellvertretenden Kommandeur der Streitkräfte drei weitere führende Funktionäre getötet wurden.

Schwere Gefechte in Syrien

Nur wenige Stunden nach dem Tod von Daud Radschaha meldeten staatliche Medien, dass General Fahd Dschasim al-Fredsch zum neuen Verteidigungsminister ernannt worden sei. Er stammt aus der Provinz Hama, die zu den Hochburgen der Gegner von Präsident Assad gehört.

In der syrischen Hauptstadt lieferten sich Regierungstruppen und Kämpfer der Opposition den vierten Tag in Folge schwere Gefechte. Nach Berichten der amtlichen Nachrichtenagentur Sana fügten die Regierungstruppen den Rebellen schwere Verluste zu.

Vor Abstimmung im Weltsicherheitsrat

Der Weltsicherheitsrat will am Mittwoch in New York über eine neue Syrien-Resolution abstimmen. Grundlegende Differenzen zwischen Russland auf der einen und den USA und ihren europäischen Verbündeten auf der anderen Seite dämpfen jedoch die Hoffnung auf eine Einigung. Größter Streitpunkt zwischen den Parteien ist die westliche Forderung nach einer Resolution, die der syrischen Regierung von Präsident Assad mit nicht-militärischen Sanktionen droht und die an Kapitel VII der UN-Charta gebunden ist, nach dem militärische Maßnahmen in dem Land möglich wären. Moskau lehnt das vehement ab und droht mit einem Veto.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon traf am Mittwoch in China mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao zu Gesprächen zusammen. Bei seiner Ankunft am Dienstag hatte Ban ein rasches Handeln des Weltsicherheitsrats in der Syrien-Frage angemahnt. Vor ihrem Treffen am Mittwoch wurde Syrien aber weder von Ban noch von Hu in einer Rede vor den Medien erwähnt.

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Autor: dapd/dpa (aktualisiert um 18.47 Uhr)


3 Kommentare

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herbert scholl

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 1077

18. Juli 2012 - 15:07 Uhr

Wenn die Pest vorbei ist kommt die Cholera und die ist auch mörderisch!

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2035

18. Juli 2012 - 21:06 Uhr

Herr Scholl hat mit treffenden Worten den wahrscheinlichen Verlauf der syrischen Revolution vorausgesagt. Es wird wohl kommen wie im Iran (1979), im Irak und in Libyen - eine Diktatur löst die andere ab.

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Ammar Ulabi™  

Ammar Ulabi™

Registriert seit: 08.05.2009

Kommentare: 3969

19. Juli 2012 - 09:51 Uhr

Herbert Scholl ist viel weiser und klüger, als manche Blendgranaten es ihm anerkennen.

Herbert weiss wie ich (gewiss sogar noch viel besser), dass nun die anstehenden Vergeltungsmaßnahmen seitens der Getroffenen in brutalst möglicher Weise folgen werden, dass deren Verzweiflung sie jeglichen Rest ihrer Menschlichkeit - wenn überhaupt noch vorhanden - ablegen läßt und sie zu den barbarischsten und grausamsten Racheakten bewegen wird. Es werden Hundertausende Zivilisten in Damaskus nun gefährdet sein, egal ob rebellisch oder auch nicht. Das Regime muss und wird nun entsprechend Zeichen setzen - und die Welt guckt weiterhin zu. Und in aus den Zuguckerreihen werden dann nur noch mehr Blendgranaten ihren unnützen, ignoranten und verlogenen Senf abgeben.

Lt. weiteren Berichten wurden tausende von Soldaten von den Golanhöhen abgezogen, um sie anderswo im Lande zum Einsatz zu bringen. Was das für die Zivilbevölkerung in der Hauptstadt - vielleicht auch schon bald im reichen Aleppo im Norden - bedeutet, kann man sich leicht denken.

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