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23. April 2010
Projekt Belo Monte
Brasilien: Riesenstaudamm wird gebaut
Trotz Protesten von Ureinwohnern und Umweltschützern vergibt Brasiliens Präsident die Konzession für Belo Monte. Entstehen soll der drittgrößte Staudamm der Welt. Das Megaprojekt erfordert die Umsiedelung von 12000 Menschen.
BRASILIA. Sogar der kanadische Starregisseur James Cameron ("Avatar") und die Schauspielerin Sigourney Weaver beschworen kürzlich Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, den Bau noch einmal zu überdenken. Nach heftigem Gezerre vor Gericht hat dieser nun aber die Konzession für den Bau vergeben.
Die Gäste aus Hollywood waren eigens in das betroffene Gebiet gereist, hatte sich mit Bürgerrechtlern, Umweltschützern und Indigenen getroffen. Doch auch die medienwirksame Unterstützung nützte nichts: Nach einem heftigen Rechtsstreit mit diversen Urteilen und Gegenurteilen vergab Lula nun die Konzession für den Bau von Belo Monte an ein brasilianisches Konsortium bestehend aus der staatlichen Companhia Hidroelétrica do São Francisco und der privaten Baufirma Queiroz Galvão sowie sechs weiteren Unternehmen. Wie aus Unternehmerkreisen verlautete, zeigte sich Queiroz aber unzufrieden mit dem vereinbarten Preis. Die Firma könnte sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen. An der Auktion hatten nur zwei Firmen, beide unter staatlicher Leitung, teilgenommen. Private Großkonzerne hatten verzichtet, da sie die Kostenvorgaben als nicht rentabel erachteten. Finanziert werden soll das Projekt zu 80 Prozent von der staatlichen Entwicklungsbank BNDES zu Vorzugskrediten.Werbung
In den vergangenen Tagen hatten drei Gerichte Klagen der Bürgerbewegung gegen das Projekt stattgegeben und die Ausschreibung immer wieder auf Eis gelegt. Die Entscheidungen wurden innerhalb von Stunden immer wieder von weiteren Instanzen aufgehoben. Minuten nach dem letzten Entscheid zugunsten des Vorhabens am Dienstag schritt die Regierung zur Konzessionsvergabe, um möglichen weiteren Eingaben zuvor zu kommen. Vor der Nationalen Energiebehörde demonstrierten derweil 500 Menschen; einige Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace ketteten sich vor den Toren der Behörde an.
Präsident Lula hat 2009 ein Milliardenprogramm zur Verbesserung der maroden Infrastruktur Brasiliens aufgelegt. So soll das südamerikanische Land seine Energieversorgung sichern und eine Basis für weiteres Wirtschaftswachstum schaffen. Bis 2014 prognostizieren Ökonomen ein jährliches Wachstum von 5,5 Prozent. Umweltschützer, Bürgerorganisationen und die Kirche haben gegen viele dieser Projekte mobil gemacht – beispielsweise die Umleitung des Sao-Francisco-Flusses im Nordosten. Sie nutzten nur den Großkonzernen und der Exportindustrie und gingen auf Kosten der Bevölkerung und der Umwelt, so ihre Argumente.
Belo Monte ist ein Herzstück des neuen Plans. Die Baukosten werden auf elf Milliarden Dollar veranschlagt. Der Damm am Xingú-Fluss soll im Schnitt 4,5 Megawatt pro Stunde produzieren. Dafür müssen 500 Kilometer Urwald geflutet werden. Die im Amazonas produzierte Energie ist vor allem für die Stahl- und Aluminiumwerke im Industriegürtel im Süden gedacht. 2015 soll der erste Teil von Belo Monte seinen Betrieb aufnehmen.
Autor: Sandra Weiss


